Glosse: Freistaat Hilles Kanzler Benjamin Piel Von jener der Landesregierung hat gerade Hilles Noch-nicht-ganz-Oberbürgermeister Michael Schweiß profitiert. Als Verantwortlicher einer 15.000-Einwohner-Gemeinde bekommt er eigentlich eine B-3-Besoldung. Und da mit einem sprunghaften Bevölkerungszuwachs nicht zu rechnen ist, bestand bislang wenig Aussicht auf Erhöhung. Aber dann hatte das Land eine feine Idee. Nun werden einfach die Touristen in Luftkurorten als Einwohner gerechnet – und zack wächst zwar nicht die Gemeinde, aber das Gehalt um 500 Euro im Monat und 8.000 Euro rückwirkend. Denn Rothenuffeln ist Luftkurort. Verdient! Denn Touristen machen einem Bürgermeister Arbeit. Auf einer Wanderung könnten sie sich ins Rathaus verirren – Beratungsbedarf. Es könnte auch passieren, dass ein Radtourist den Bürgermeister am Wochenende nach der Route fragt. Eine wegweisende Aufgabe. Außerdem atmen die Luftkurort-Touristen einem den Sauerstoff weg. Das kann sich so anfühlen, als absolviere man sein Amt auf dem Kilimandscharo. Da regiert es sich deutlich dünnluftiger. Apropos Höhe. Wenn man es recht überlegt, ist die Anhebung um nur eine Stufe zu wenig. Es gäbe doch noch so viele Etappen zu erklimmen, in der bis B 11 reichenden Besoldungstabelle. Mit ein bisschen Oberkreativität muss die Lücke zwischen B 4 und B 11 doch zu schließen sein. Dafür müssen nur flugs 485.001 weitere Einwohner her. Wo wir schon beim Tourismus waren, fällt da in Hille natürlich gleich der Impftourismus auf. Aus dem ganzen Kreisgebiet strömen sie nach Unterlübbe. Das ist zwar kein Luftkurort, aber nach der Impfung geht es den Leuten besser. Was anderes ist das als eine Kur? Die 310.000 potenziellen Minden-Lübbecker Impftouristen, die nach Hille reisen könnten, wären eine feine Bemessungsgrundlage. Und was ist mit den Friedhöfen? Die Leute, die da liegen, waren schließlich auch mal Hiller. Zurückgerechnet bis ins Mittelalter sind das richtig viele. Außerdem war gerade erst zu lesen, dass in Hilles Wäldern immer mehr Rehe leben. Und wenn selbst das nicht reicht: Es gibt ja auch noch Waldameisen. In einem einzigen Haufen wohnen bis zu einer Million – Bewohner des Freistaats Hille! Warum eigentlich B 11? Warum nicht Kanzler?

Glosse: Freistaat Hilles Kanzler

Von jener der Landesregierung hat gerade Hilles Noch-nicht-ganz-Oberbürgermeister Michael Schweiß profitiert. Als Verantwortlicher einer 15.000-Einwohner-Gemeinde bekommt er eigentlich eine B-3-Besoldung. Und da mit einem sprunghaften Bevölkerungszuwachs nicht zu rechnen ist, bestand bislang wenig Aussicht auf Erhöhung. Aber dann hatte das Land eine feine Idee. Nun werden einfach die Touristen in Luftkurorten als Einwohner gerechnet – und zack wächst zwar nicht die Gemeinde, aber das Gehalt um 500 Euro im Monat und 8.000 Euro rückwirkend. Denn Rothenuffeln ist Luftkurort.

Benjamin Piel - © pr
Benjamin Piel - © pr

Verdient! Denn Touristen machen einem Bürgermeister Arbeit. Auf einer Wanderung könnten sie sich ins Rathaus verirren – Beratungsbedarf. Es könnte auch passieren, dass ein Radtourist den Bürgermeister am Wochenende nach der Route fragt. Eine wegweisende Aufgabe. Außerdem atmen die Luftkurort-Touristen einem den Sauerstoff weg. Das kann sich so anfühlen, als absolviere man sein Amt auf dem Kilimandscharo. Da regiert es sich deutlich dünnluftiger.

Apropos Höhe. Wenn man es recht überlegt, ist die Anhebung um nur eine Stufe zu wenig. Es gäbe doch noch so viele Etappen zu erklimmen, in der bis B 11 reichenden Besoldungstabelle. Mit ein bisschen Oberkreativität muss die Lücke zwischen B 4 und B 11 doch zu schließen sein. Dafür müssen nur flugs 485.001 weitere Einwohner her.

Wo wir schon beim Tourismus waren, fällt da in Hille natürlich gleich der Impftourismus auf. Aus dem ganzen Kreisgebiet strömen sie nach Unterlübbe. Das ist zwar kein Luftkurort, aber nach der Impfung geht es den Leuten besser. Was anderes ist das als eine Kur? Die 310.000 potenziellen Minden-Lübbecker Impftouristen, die nach Hille reisen könnten, wären eine feine Bemessungsgrundlage. Und was ist mit den Friedhöfen? Die Leute, die da liegen, waren schließlich auch mal Hiller. Zurückgerechnet bis ins Mittelalter sind das richtig viele. Außerdem war gerade erst zu lesen, dass in Hilles Wäldern immer mehr Rehe leben. Und wenn selbst das nicht reicht: Es gibt ja auch noch Waldameisen. In einem einzigen Haufen wohnen bis zu einer Million – Bewohner des Freistaats Hille!

Warum eigentlich B 11? Warum nicht Kanzler?

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Meinung