Giesekings Flüstertüte: Hindernislauf auf dem Weg nach Basel Bernd Gieseking Ich hatte jetzt zwei Gastspiele in Basel, die schon dreimal wegen Corona verschoben waren. Ja, es gibt Auftritte. Aber eher vereinzelt, denn auch die Zuschauer kommen noch eher vereinzelt. Aber egal, ich fahre dahin, wo ich eingeladen werde. Eine alte Bühnenregel lautet: „Wenn unten doppelt so viele sind, wie auf der Bühne, wird gespielt.“ Das ist bei Solisten schnell erreicht. Meine Reise nach Basel begann in Minden, 10.48 Uhr. Umstieg Hannover, dort Abfahrt 11.41 Uhr. Ich schaute um 8 ins Internet. Keine Verspätung. Um 8.30 schaute ich wieder: Innerhalb dieser halben Stunde hatten sich 36 Minuten Verspätung ergeben. Ankunft Hannover nun 11.54. „Umstieg kritisch“, sagte die Bahninfo. Kein Wunder, wenn 13 Minuten vor Ankunft aus Minden die Abfahrt nach Basel liegen soll. „Umstieg kritisch“ fand ich extrem optimistisch. Aber man kann sich nicht mal drauf verlassen, dass die Verspätung auch wirklich eingehalten wird. Nun Wechsel auf Westfalenbahn. 10.08 Uhr los. Hannover. Ich habe als Vielreiser eine BahnComfort-Karte, damit darf ich in die „DB Lounge“, mit Kaffee, Kaltgetränken und Zeitungen. Und noch wichtiger: Toiletten! Ich stand vor dem Aufzug zur Lounge und drückte. Nichts rührte sich. Schließlich entdeckte ich das kleine Blatt in Hüfthöhe: Die DB Lounge wird umgebaut! Daneben eine Zeichnung, der Fußweg zum Intercity-Hotel, da sei sie vorübergehend. Also raus. Draußen Regen. Im Regen über den Bahnhofsvorplatz. Dort war eine große Baustelle, um die ich weitläufig drumrum musste. Etwas viel Aufwand für einen Toilettengang und einen Kaffee, dachte ich kurz. Im Intercity-Hotel in den 6. Stock! Alle Aufzüge oben! Ungeduldig wartete ich unten. Ich hatte ein Anliegen. Ein drängendes. Dann endlich die Tür zur Lounge. Hier musste ich noch drei Rätsel lösen. Der Torwächter sagte: „Ihre Fahrkarte bitte oder Ihre Bahncard.“ Ah, dann die Fahrkarte. Ich kramte und zeigte. „Sie haben den Super Sparpreis. Der berechtigt nicht zum Zutritt in die Lounge. Ich müsste schon Ihre Bahncard sehen.“ Ich kramte erneut, zeigte und wollte zur Toilette. Erst müsse ich mich noch anmelden. „Mit Luca?“ „Nein, nur die Corona Warn-App.“ „Die hab‘ ich nicht. Ich hab‘ nur Luca und bin doppelt geimpft.“ „Dann müssten Sie sich bitte schriftlich anmelden.“ Als ich das Formular ausgefüllt hatte, schaute ich zur Uhr. Ich musste zurück! Schnell noch ein Kaffee. Der war heiß! Zu heiß! Die Drückekannen der DB sind qualitativ das Beste, was das Unternehmen zu bieten hat.„Haben Sie Becher für „to go“?“ „Nein der ist nur hier zum Verzehr.“ Zum Glück hatte mein Zug nach Basel tatsächlich die jetzt nun angezeigten 15 Minuten Verspätung. Außer Atem dachte ich: Jetzt hätte mein ursprünglich geplanter Zug um 10.48 Uhr ab Minden, doch noch zum Umstieg gereicht!

Giesekings Flüstertüte: Hindernislauf auf dem Weg nach Basel

Bernd Gieseking © Ursula Koch

Ich hatte jetzt zwei Gastspiele in Basel, die schon dreimal wegen Corona verschoben waren. Ja, es gibt Auftritte. Aber eher vereinzelt, denn auch die Zuschauer kommen noch eher vereinzelt. Aber egal, ich fahre dahin, wo ich eingeladen werde. Eine alte Bühnenregel lautet: „Wenn unten doppelt so viele sind, wie auf der Bühne, wird gespielt.“ Das ist bei Solisten schnell erreicht.

Meine Reise nach Basel begann in Minden, 10.48 Uhr. Umstieg Hannover, dort Abfahrt 11.41 Uhr. Ich schaute um 8 ins Internet. Keine Verspätung. Um 8.30 schaute ich wieder: Innerhalb dieser halben Stunde hatten sich 36 Minuten Verspätung ergeben. Ankunft Hannover nun 11.54. „Umstieg kritisch“, sagte die Bahninfo. Kein Wunder, wenn 13 Minuten vor Ankunft aus Minden die Abfahrt nach Basel liegen soll. „Umstieg kritisch“ fand ich extrem optimistisch. Aber man kann sich nicht mal drauf verlassen, dass die Verspätung auch wirklich eingehalten wird. Nun Wechsel auf Westfalenbahn. 10.08 Uhr los.

Hannover. Ich habe als Vielreiser eine BahnComfort-Karte, damit darf ich in die „DB Lounge“, mit Kaffee, Kaltgetränken und Zeitungen. Und noch wichtiger: Toiletten! Ich stand vor dem Aufzug zur Lounge und drückte. Nichts rührte sich. Schließlich entdeckte ich das kleine Blatt in Hüfthöhe: Die DB Lounge wird umgebaut! Daneben eine Zeichnung, der Fußweg zum Intercity-Hotel, da sei sie vorübergehend. Also raus. Draußen Regen. Im Regen über den Bahnhofsvorplatz. Dort war eine große Baustelle, um die ich weitläufig drumrum musste. Etwas viel Aufwand für einen Toilettengang und einen Kaffee, dachte ich kurz. Im Intercity-Hotel in den 6. Stock! Alle Aufzüge oben! Ungeduldig wartete ich unten. Ich hatte ein Anliegen. Ein drängendes.

Dann endlich die Tür zur Lounge. Hier musste ich noch drei Rätsel lösen. Der Torwächter sagte: „Ihre Fahrkarte bitte oder Ihre Bahncard.“ Ah, dann die Fahrkarte. Ich kramte und zeigte. „Sie haben den Super Sparpreis. Der berechtigt nicht zum Zutritt in die Lounge. Ich müsste schon Ihre Bahncard sehen.“ Ich kramte erneut, zeigte und wollte zur Toilette. Erst müsse ich mich noch anmelden. „Mit Luca?“ „Nein, nur die Corona Warn-App.“ „Die hab‘ ich nicht. Ich hab‘ nur Luca und bin doppelt geimpft.“ „Dann müssten Sie sich bitte schriftlich anmelden.“

Als ich das Formular ausgefüllt hatte, schaute ich zur Uhr. Ich musste zurück! Schnell noch ein Kaffee. Der war heiß! Zu heiß! Die Drückekannen der DB sind qualitativ das Beste, was das Unternehmen zu bieten hat.„Haben Sie Becher für „to go“?“ „Nein der ist nur hier zum Verzehr.“ Zum Glück hatte mein Zug nach Basel tatsächlich die jetzt nun angezeigten 15 Minuten Verspätung. Außer Atem dachte ich: Jetzt hätte mein ursprünglich geplanter Zug um 10.48 Uhr ab Minden, doch noch zum Umstieg gereicht!

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