Gedanken zum Hin und Her in der Corona-Pandemie: Sorry, aber ich komme nicht mehr mit Monika Jäger Die vergangenen Monate waren ein dauerndes Aus-pegeln. Ostersamstag ergatterte ich nach vielen Versuchen einen Impftermin, mit schlechtem Gewissen (bestimmt haben es andere nötiger, aber wenn es doch jetzt diese Aktion gibt!) Mein Kollege war unterdessen einfach einem Gerücht gefolgt und hatte den Stoff schon im Arm. War ich zu vorsichtig? Meine Tochter bekam kurz danach in Niedersachsen eine von den Fehl-Einladungen zur Impfung. Wir diskutierten lange über Ethik und Moral und ob sie hingehen sollte. Die Entscheidung – ebenfalls eine aus dem Bauch heraus: „Nicht, dass es hinterher heißt, du warst doch schon eingeladen.“ Kurz darauf wurde sie wegen ihres Berufs für eine vorgezogene Impfung eingestuft und war schneller dran als gedacht. Auch meine Bekannten zogen an mir vorbei, als es immer mehr Sonderaktionen gab. Meine Nachbarin fragte mich: „Hat dich auch dein Hausarzt angerufen und dir eine Impfung angeboten?“ Hat er nicht. Warum eigentlich nicht? Bin wohl keine Risikopatientin. Oder nicht Risiko genug? Egal. Unter Freunden (virtuelle Treffen!) war das Hauptthema: Wie ging es uns nach der ersten Impfung? Eine 40-Jährige wurde mit Astrazeneca versorgt. Kurz danach: Nachrichten von den seltenen Fällen von Blutgerinnseln. Sie sorgte sich. Zwei (jüngere!) Freunde bekamen Corona und wurden sehr krank. Der Vater einer Freundin starb – mit Corona. Kollegen erkrankten. Die Mutter eines Bekannten starb – mit Corona. Und immer die Frage: Wie kam das? Warum er oder sie? Am Tag nach meiner Zweitimpfung (zweimal Astra) wurde die neue Regel verkündet: mischen! In Niedersachsen war das schon vorher so – wusste ich durch meine Tochter. Nun gut, dann bin ich wohl etwas weniger gut dran als die nach mir, fühlte ich. Wenigstens fertig geimpft, sagte ich mir. Jetzt bekommen die Menschen in Israel die dritte Impfung. Die Zahlen steigen wieder, und ich will doch erst noch in den Urlaub. Und es fühlt sich unendlich seltsam an, wenn man sich bei einem Treffen tief in die Augen schaut, zur Maske deutet und fragt: „Sollen wir ohne?“ – „Bin zweimal geimpft“ – Na denn“. „Normal“ ist tatsächlich mehr als offene Restaurants. Normal wäre, wenn ich nach dem Aufstehen einfach mal weiß, wo ich stehe. Und mein inneres Radar mal ausruhen kann.

Gedanken zum Hin und Her in der Corona-Pandemie: Sorry, aber ich komme nicht mehr mit

mob © Alex Lehn

Die vergangenen Monate waren ein dauerndes Aus-pegeln. Ostersamstag ergatterte ich nach vielen Versuchen einen Impftermin, mit schlechtem Gewissen (bestimmt haben es andere nötiger, aber wenn es doch jetzt diese Aktion gibt!) Mein Kollege war unterdessen einfach einem Gerücht gefolgt und hatte den Stoff schon im Arm. War ich zu vorsichtig?

Meine Tochter bekam kurz danach in Niedersachsen eine von den Fehl-Einladungen zur Impfung. Wir diskutierten lange über Ethik und Moral und ob sie hingehen sollte. Die Entscheidung – ebenfalls eine aus dem Bauch heraus: „Nicht, dass es hinterher heißt, du warst doch schon eingeladen.“ Kurz darauf wurde sie wegen ihres Berufs für eine vorgezogene Impfung eingestuft und war schneller dran als gedacht. Auch meine Bekannten zogen an mir vorbei, als es immer mehr Sonderaktionen gab. Meine Nachbarin fragte mich: „Hat dich auch dein Hausarzt angerufen und dir eine Impfung angeboten?“ Hat er nicht. Warum eigentlich nicht? Bin wohl keine Risikopatientin. Oder nicht Risiko genug? Egal.

Unter Freunden (virtuelle Treffen!) war das Hauptthema: Wie ging es uns nach der ersten Impfung? Eine 40-Jährige wurde mit Astrazeneca versorgt. Kurz danach: Nachrichten von den seltenen Fällen von Blutgerinnseln. Sie sorgte sich. Zwei (jüngere!) Freunde bekamen Corona und wurden sehr krank. Der Vater einer Freundin starb – mit Corona. Kollegen erkrankten. Die Mutter eines Bekannten starb – mit Corona. Und immer die Frage: Wie kam das? Warum er oder sie?

Am Tag nach meiner Zweitimpfung (zweimal Astra) wurde die neue Regel verkündet: mischen! In Niedersachsen war das schon vorher so – wusste ich durch meine Tochter. Nun gut, dann bin ich wohl etwas weniger gut dran als die nach mir, fühlte ich. Wenigstens fertig geimpft, sagte ich mir. Jetzt bekommen die Menschen in Israel die dritte Impfung. Die Zahlen steigen wieder, und ich will doch erst noch in den Urlaub. Und es fühlt sich unendlich seltsam an, wenn man sich bei einem Treffen tief in die Augen schaut, zur Maske deutet und fragt: „Sollen wir ohne?“ – „Bin zweimal geimpft“ – Na denn“.

„Normal“ ist tatsächlich mehr als offene Restaurants. Normal wäre, wenn ich nach dem Aufstehen einfach mal weiß, wo ich stehe. Und mein inneres Radar mal ausruhen kann.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Meinung