Flüstertüte von Bernd Gieseking: App dafür, Corona! Bernd Gieseking Im Moment macht ein „skandinavischer“ Witz die Runde. Ich erzähle ihn gern mit Finnen. Treffen sich zwei Finnen. Stöhnt der eine: „Wann ist endlich Schluss mit der 2-Meter Abstandsregel? Wann können wir wieder zurück zu unseren vier Metern?“ Was machen eigentlich Singles in diesen Zeiten? Wie kommen die zu sehr wahrscheinlich sehr ersehnten Partnern? „Ich möchte dich küssen!“ „Nicht ohne Schnelltest!“ Schon Händchenhalten „ohne“ wäre unvernünftig. Ich lebe zum Glück in einer soliden Partnerschaft. Ohne Kinder übrigens. Ich kann mich also nicht beim Homeschooling blamieren. Wir zwei wären jetzt turnusmäßig auf Gomera. Eine zauberhafte kanarische Insel. Während ich das schreibe, tobt das Sturmtief Klaus um mich herum. Als es am Donnerstag zu stürmen begann, war ich zum Schnelltest auf Kanzlers Weide. Die Mitarbeiter arbeiten zwar überdacht, was denn Test betrifft, aber unter dem Dach wehte es genauso wie auf dem Kamm des Wiehengebirges. Andere Mitarbeiter standen in Sturm und Regen und wiesen die verwirrten „Kunden“ auf den „Parcours zur Tortur“, zum Nasenabstrich. Aber alle sind absolut freundlich und hilfsbereit. Das habe ich genauso erlebt am Eingang zur Wesseling-Klinik, wo Mitarbeiter seit Monaten draußen den Zutritt coronakonform kontrollieren. Die alle sind unfassbar freundlich, bei jedem Wetter. Sie tragen seit Monaten„Zwiebellook“, vier bis fünf Lagen. Dicken Dank an alle, die diese wichtigen Dinge tun. Normalerweise hätte ich das gar nicht erlebt, aber mein Vater war schwer erkrankt und kommt grad wieder auf die Beine – kurz persönlich: Hermann, besser dich! – darum aus direktem Erleben: All die vielen in Krankenhäusern und Heimen, von Einlasskontrolle bis zur Gefäßchirurgie, machen einen unglaublichen Job in diesen Zeiten. Freundlich, kompetent und jederzeit hilfsbereit. Toll! Und die tragen den ganzen Tag die Maske. Das sind die einen, denen wir Dank schulden. Aber was machen wir mit den anderen, den Ludern und Verlotterten dieser Republik? Den Löbels und Nüßleins? Gefühlt treten grad reihenweise CDU- und CSU-Abgeordnete zurück, die am Handel mit ebendiesen FFP2 Masken verdient haben. Mit Mandatsverlust ist deren Handeln nicht genug gestraft. In der Presse hieß es: „Löbel räumte einen Fehler ein“. Geht’s noch? Der CDU-Mann faselte anfangs sogar noch von „marktüblich bemessener Vergütung“. Sein Motto lautet „Taschen auf beim Maskenkauf“. Die Pandemie machten mindestens diese zwei für sich zum „Tischlein deck dich!“ Man wünscht ihnen nun den „Knüppel aus dem Sack“. Zu ihren Rücktritten mussten beide Politiker von ihren Parteien getragen werden. Ob weitere folgen? Da möchtest du nicht Generalsekretär oder Pressesprecher sein. Letzte Woche wurde im MT-Kommentar von Anja Peper vorgeschlagen, ich solle als Pressesprecher des Ministeriums arbeiten und zusammen mit Konfusion Corona-Regeln verständlich erklären. Aber ein Pressesprecher muss manchmal Dinge verkaufen, von denen er vorher nicht ahnte, dass es die gibt. Konfusion, der große ostwestfälische Weise sagt: „Wenn ich wüsste, was ich alles nicht weiß!“ Der CDU- Fraktionsvorsitzende Ralph Brinkhaus, ebenfalls Ostwestfale, denkt nun das gleiche. Brinkhaus träumt jetzt von einer parteiinternen Korruptions-Warn-App. Aber nicht mal die Corona App funktioniert zufriedenstellend, und die ist schon neun Monate aktiv. Smudo von Fanta 4 hat mit Freunden die App „Luca“ entwickelt, als Alternative. Das scheint ein großer Wurf zu sein. Ohne App geht jedenfalls gar nichts mehr, auch bei mir. Ich werde den eher ostwestfälisch-analogen Titel „Ab dafür!“ für meinen Jahresrückblick 2021 pimpen in „App dafür, Corona“.

Flüstertüte von Bernd Gieseking: App dafür, Corona!

Bernd Gieseking © Ursula Koch

Im Moment macht ein „skandinavischer“ Witz die Runde. Ich erzähle ihn gern mit Finnen. Treffen sich zwei Finnen. Stöhnt der eine: „Wann ist endlich Schluss mit der 2-Meter Abstandsregel? Wann können wir wieder zurück zu unseren vier Metern?“ Was machen eigentlich Singles in diesen Zeiten? Wie kommen die zu sehr wahrscheinlich sehr ersehnten Partnern? „Ich möchte dich küssen!“ „Nicht ohne Schnelltest!“ Schon Händchenhalten „ohne“ wäre unvernünftig.

Ich lebe zum Glück in einer soliden Partnerschaft. Ohne Kinder übrigens. Ich kann mich also nicht beim Homeschooling blamieren. Wir zwei wären jetzt turnusmäßig auf Gomera. Eine zauberhafte kanarische Insel. Während ich das schreibe, tobt das Sturmtief Klaus um mich herum. Als es am Donnerstag zu stürmen begann, war ich zum Schnelltest auf Kanzlers Weide. Die Mitarbeiter arbeiten zwar überdacht, was denn Test betrifft, aber unter dem Dach wehte es genauso wie auf dem Kamm des Wiehengebirges. Andere Mitarbeiter standen in Sturm und Regen und wiesen die verwirrten „Kunden“ auf den „Parcours zur Tortur“, zum Nasenabstrich. Aber alle sind absolut freundlich und hilfsbereit.

Das habe ich genauso erlebt am Eingang zur Wesseling-Klinik, wo Mitarbeiter seit Monaten draußen den Zutritt coronakonform kontrollieren. Die alle sind unfassbar freundlich, bei jedem Wetter. Sie tragen seit Monaten„Zwiebellook“, vier bis fünf Lagen. Dicken Dank an alle, die diese wichtigen Dinge tun. Normalerweise hätte ich das gar nicht erlebt, aber mein Vater war schwer erkrankt und kommt grad wieder auf die Beine – kurz persönlich: Hermann, besser dich! – darum aus direktem Erleben: All die vielen in Krankenhäusern und Heimen, von Einlasskontrolle bis zur Gefäßchirurgie, machen einen unglaublichen Job in diesen Zeiten. Freundlich, kompetent und jederzeit hilfsbereit. Toll! Und die tragen den ganzen Tag die Maske.

Das sind die einen, denen wir Dank schulden. Aber was machen wir mit den anderen, den Ludern und Verlotterten dieser Republik? Den Löbels und Nüßleins? Gefühlt treten grad reihenweise CDU- und CSU-Abgeordnete zurück, die am Handel mit ebendiesen FFP2 Masken verdient haben. Mit Mandatsverlust ist deren Handeln nicht genug gestraft. In der Presse hieß es: „Löbel räumte einen Fehler ein“. Geht’s noch? Der CDU-Mann faselte anfangs sogar noch von „marktüblich bemessener Vergütung“. Sein Motto lautet „Taschen auf beim Maskenkauf“. Die Pandemie machten mindestens diese zwei für sich zum „Tischlein deck dich!“ Man wünscht ihnen nun den „Knüppel aus dem Sack“. Zu ihren Rücktritten mussten beide Politiker von ihren Parteien getragen werden. Ob weitere folgen? Da möchtest du nicht Generalsekretär oder Pressesprecher sein. Letzte Woche wurde im MT-Kommentar von Anja Peper vorgeschlagen, ich solle als Pressesprecher des Ministeriums arbeiten und zusammen mit Konfusion Corona-Regeln verständlich erklären. Aber ein Pressesprecher muss manchmal Dinge verkaufen, von denen er vorher nicht ahnte, dass es die gibt.

Konfusion, der große ostwestfälische Weise sagt: „Wenn ich wüsste, was ich alles nicht weiß!“ Der CDU- Fraktionsvorsitzende Ralph Brinkhaus, ebenfalls Ostwestfale, denkt nun das gleiche. Brinkhaus träumt jetzt von einer parteiinternen Korruptions-Warn-App. Aber nicht mal die Corona App funktioniert zufriedenstellend, und die ist schon neun Monate aktiv. Smudo von Fanta 4 hat mit Freunden die App „Luca“ entwickelt, als Alternative. Das scheint ein großer Wurf zu sein. Ohne App geht jedenfalls gar nichts mehr, auch bei mir. Ich werde den eher ostwestfälisch-analogen Titel „Ab dafür!“ für meinen Jahresrückblick 2021 pimpen in „App dafür, Corona“.

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