Zusätzlicher Druck Die Aufhebung der Impfpriorisierung am 7. Juni sorgt bereits vorab für Anspannung. Sollte nicht genügend Impfstoff zur Verfügung stehen, befürchtete Anke Richter-Scheer, Leiterin des Hiller Impfzentrums, dass die Stimmung weiter kippen könnte. Die zusätzliche Nachfrage nach Impfstoff und der Druck, der jetzt im Kessel ist, wurden durch verschiedene Mechanismen erzeugt, an denen Medien, Regierende und ihre sogenannten Experten beteiligt waren oder sind: Zunächst einmal wird seit über einem Jahr unermüdlich vor den Gefahren durch "das Virus" gewarnt und Angst verbreitet. Angebracht wären statt dessen Umsicht, Rücksicht und ein gewisses Ausmaß an Vorsicht. Seit überraschend kurzfristig Impfstoffe auf dem Markt sind, wird zusätzlich moralischer Druck ausgeübt: Impfen, erfahren wir, sei Nächstenliebe und ein selbstverständlicher Akt der Solidarität. Und seit einigen Wochen werden nach dem Willen des Corona-Kabinetts Grundrechte und Teilhabemöglichkeiten am gesellschaftlichen Leben in wechselndem Ausmaß vom Impfstatus oder Ergebnis eines Labortests abhängig gemacht. Es wurde die Behauptung aufgestellt, ein regulärer Schulbetrieb sei erst nach "Durchimpfen" der Schulkinder möglich und der Eindruck vermittelt, das Recht auf Schulbildung würde langfristig an einen Impfpass oder regelmäßige Corona-Tests geknüpft. Wenn man auf diesen Druck verzichtet, der zurzeit auf Menschen ausgeübt wird, die eigentlich keine Corona-Schutzimpfung wollen, müsste man vermutlich deutlich weniger Menschen abweisen, die sich aus freier Überzeugung impfen lassen wollen. Dass Grundrechte voraussetzungslos für alle Menschen gelten und gesellschaftliche Teilhabe niemandem verwehrt werden darf, war in unaufgeregteren Zeiten Konsens in Deutschland. Martin Möller, Porta Westfalica

Zusätzlicher Druck

Die Aufhebung der Impfpriorisierung am 7. Juni sorgt bereits vorab für Anspannung. Sollte nicht genügend Impfstoff zur Verfügung stehen, befürchtete Anke Richter-Scheer, Leiterin des Hiller Impfzentrums, dass die Stimmung weiter kippen könnte.

Die zusätzliche Nachfrage nach Impfstoff und der Druck, der jetzt im Kessel ist, wurden durch verschiedene Mechanismen erzeugt, an denen Medien, Regierende und ihre sogenannten Experten beteiligt waren oder sind:

Zunächst einmal wird seit über einem Jahr unermüdlich vor den Gefahren durch "das Virus" gewarnt und Angst verbreitet. Angebracht wären statt dessen Umsicht, Rücksicht und ein gewisses Ausmaß an Vorsicht. Seit überraschend kurzfristig Impfstoffe auf dem Markt sind, wird zusätzlich moralischer Druck ausgeübt: Impfen, erfahren wir, sei Nächstenliebe und ein selbstverständlicher Akt der Solidarität.

Und seit einigen Wochen werden nach dem Willen des Corona-Kabinetts Grundrechte und Teilhabemöglichkeiten am gesellschaftlichen Leben in wechselndem Ausmaß vom Impfstatus oder Ergebnis eines Labortests abhängig gemacht. Es wurde die Behauptung aufgestellt, ein regulärer Schulbetrieb sei erst nach "Durchimpfen" der Schulkinder möglich und der Eindruck vermittelt, das Recht auf Schulbildung würde langfristig an einen Impfpass oder regelmäßige Corona-Tests geknüpft.

Wenn man auf diesen Druck verzichtet, der zurzeit auf Menschen ausgeübt wird, die eigentlich keine Corona-Schutzimpfung wollen, müsste man vermutlich deutlich weniger Menschen abweisen, die sich aus freier Überzeugung impfen lassen wollen. Dass Grundrechte voraussetzungslos für alle Menschen gelten und gesellschaftliche Teilhabe niemandem verwehrt werden darf, war in unaufgeregteren Zeiten Konsens in Deutschland.

Martin Möller, Porta Westfalica

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