Zu kompliziert, zu unattraktiv Der Kreis Minden-Lübbecke hat das Erstellen eines umfangreichen Mobilitätskonzeptes auf den Weg gebracht. Als jemand, der in den letzten Jahren recht viel in Süddeutschland und der Schweiz mit dem Öffentlichen Verkehr gefahren ist, möchte ich zum geplanten Mobilitätskonzept einiges anmerken, dabei beschränke ich mich auf die Stadt Minden. 1. Liniennetzplan: Das Mindener Stadtbus-Netz ist zu kompliziert. Zu viele Linien bilden ein Wirrwarr. Eventuell sollte man verschiedene Linien miteinander verbinden, statt alle am ZOB zu beginnen. So wäre es als Beispiel möglich, ohne umzusteigen von Hahlen nach Dankersen zu fahren, oder von Leteln zum Klinikum/Porta-Markt oder von der Nordstadt nach Meißen. Wichtige Punkte wie ZOB und Bahnhof sollten möglichst von vielen Linien bedient werden. 2. Einfacher Taktfahrplan: Nach wie vor benötigt man in Minden einen Fahrplan, den viele nicht lesen können. Es gibt zu viele Abweichungen an Schultagen oder Ferientagen. (Wer hat die Schulferien im Kopf, wenn er keine schulpflichtigen Kinder hat?) Ein Taktfahrplan muss möglichst von morgens bis abends zur gleichen Minute fahren, mindestens im Stundentakt, besser im Halbstundentakt. 3. Preis: Der ÖPNV darf nicht als zu teuer empfunden werden, eine Einzelfahrt ist in Minden recht teuer, die Abopreise sind dagegen attraktiv, allerdings sind die verschiedenen Tickets und Abos sehr unübersichtlich, insgesamt gibt es im hiesigen Tarifgebiet 50 verschiedene Tarife. Wichtig für die Politik: Der ÖPNV ist nie kostendeckend, es bleibt immer ein Zuschussgeschäft (selbst in der Schweiz). 4. Mentalität: Im Gegensatz zu Süddeutschland oder der Schweiz hat es der ÖPNV im norddeutschen ländlichen Raum schwer. Das Auto ist nach wie vor das Fortbewegungsmittel Nummer Eins. Zu lange bestand aber auch kein gutes ÖPNV-Angebot und auch das heutige Angebot ist nicht optimal. Man braucht daher einen langen Atem, bis die Bevölkerung zum Umsteigen zu bewegen ist. Es bleibt zu hoffen, dass das neue Mobilitätskonzept ein Erfolg wird. Möge es nicht bloß ein Konzept werden, welches am grünen Tisch von klugen Menschen ohne ÖPNV-Erfahrungen entwickelt wird, sondern hoffentlich werden die ÖPNV-Nutzer mit einbezogen. Herbert Plattner, Minden

Zu kompliziert, zu unattraktiv

Der Kreis Minden-Lübbecke hat das Erstellen eines umfangreichen Mobilitätskonzeptes auf den Weg gebracht.

Als jemand, der in den letzten Jahren recht viel in Süddeutschland und der Schweiz mit dem Öffentlichen Verkehr gefahren ist, möchte ich zum geplanten Mobilitätskonzept einiges anmerken, dabei beschränke ich mich auf die Stadt Minden.

1. Liniennetzplan: Das Mindener Stadtbus-Netz ist zu kompliziert. Zu viele Linien bilden ein Wirrwarr. Eventuell sollte man verschiedene Linien miteinander verbinden, statt alle am ZOB zu beginnen. So wäre es als Beispiel möglich, ohne umzusteigen von Hahlen nach Dankersen zu fahren, oder von Leteln zum Klinikum/Porta-Markt oder von der Nordstadt nach Meißen. Wichtige Punkte wie ZOB und Bahnhof sollten möglichst von vielen Linien bedient werden.

2. Einfacher Taktfahrplan: Nach wie vor benötigt man in Minden einen Fahrplan, den viele nicht lesen können. Es gibt zu viele Abweichungen an Schultagen oder Ferientagen. (Wer hat die Schulferien im Kopf, wenn er keine schulpflichtigen Kinder hat?) Ein Taktfahrplan muss möglichst von morgens bis abends zur gleichen Minute fahren, mindestens im Stundentakt, besser im Halbstundentakt.

3. Preis: Der ÖPNV darf nicht als zu teuer empfunden werden, eine Einzelfahrt ist in Minden recht teuer, die Abopreise sind dagegen attraktiv, allerdings sind die verschiedenen Tickets und Abos sehr unübersichtlich, insgesamt gibt es im hiesigen Tarifgebiet 50 verschiedene Tarife. Wichtig für die Politik: Der ÖPNV ist nie kostendeckend, es bleibt immer ein Zuschussgeschäft (selbst in der Schweiz).

4. Mentalität: Im Gegensatz zu Süddeutschland oder der Schweiz hat es der ÖPNV im norddeutschen ländlichen Raum schwer. Das Auto ist nach wie vor das Fortbewegungsmittel Nummer Eins. Zu lange bestand aber auch kein gutes ÖPNV-Angebot und auch das heutige Angebot ist nicht optimal. Man braucht daher einen langen Atem, bis die Bevölkerung zum Umsteigen zu bewegen ist.

Es bleibt zu hoffen, dass das neue Mobilitätskonzept ein Erfolg wird. Möge es nicht bloß ein Konzept werden, welches am grünen Tisch von klugen Menschen ohne ÖPNV-Erfahrungen entwickelt wird, sondern hoffentlich werden die ÖPNV-Nutzer mit einbezogen.

Herbert Plattner, Minden

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