Wir sind eben nicht alle gleich Die Diskussion, ob Vereine die Mitgliedschaft vom Geschlecht abhängig machen dürfen, kocht immer wieder einmal hoch. Eine Leserin widerspricht Äußerungen einer Leserbrief-Schreiberin. "Wir brauchen keine Männer, die sich um die Emanzipation von Frauen kümmern" - da möchte ich widersprechen. Selbstverständlich brauchen wir Männer, die sich für Gleichberechtigung einsetzen. Ohne deren Unterstützung hätten wir wohl heute noch kein Frauen-Wahlrecht. Die Argumentation, Frauen sollten sich aus dem Männerkram doch um ihretwillen besser raus halten, weil ihnen - wenn sie "ehrlich" sind - naturgegeben andere Dinge untereinander doch viel mehr "Spaß" machen, ist ja nicht neu. Zum Beispiel Kinderhüten statt Firmen leiten. Hier halt "Mädelsabende" statt altehrwürdiger militärischer Traditionspflege. Ich hätte auf beides keine Lust, aber deshalb spreche ich das anderen Frauen nicht ab. Wir sind eben nicht alle gleich. Es gibt diverse gute Gründe, warum Männer- oder Frauen-Gruppen unter sich bleiben möchten. Bei gemeinnützigen Vereinen fragt der Bundesfinanzhof heutzutage halt vermehrt nach sachlichen Argumenten dafür. Denn die ausgeschlossenen Personengruppen finanzieren die Vorteile der Gemeinnützigkeit mit. Viele sehen einen Grund in der Pflege geschichtlicher Traditionen - ohne Zweifel auch ein großes Ziel des Bürgerbataillons. Zur "Gesamtheit der wehrfähigen Bürger Mindens" zählten halt früher keine Frauen (heute dürften sie sich bei "Bürger" ja mit-gemeint fühlen). Allerdings - mit den Männern, die vor hunderten von Jahren die Mauern der Stadt verteidigt haben, dürften die heutigen auch nicht mehr viel gemein haben. Zwangsverpflichtung gibt es nicht mehr. Kollegen mit Herzschrittmachern oder künstlichen Hüften waren damals wohl auch nicht dabei. Auch keine Trans-Männer. Und eine Steuerbefreiung ist für den besten Schützen auch nicht mehr zu erwarten. Bei historischen Traditionen müssen wir also sowieso überlegen, wie wir sie in der heutigen Zeit angemessen ehren und pflegen können. "Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern das Weitertragen des Feuers." (Jean Jaurès) Zumindest der Diskussion, warum ausgerechnet Frauen (oder auch Männer) den Vereinszielen nicht zuträglich sind, wird sich wohl über kurz oder lang jeder Verein mit großer öffentlicher Präsenz und/oder Gemeinnützigkeit stellen müssen. Selbst der katholischen Kirche geht es da nicht besser. Stefanie Meihöfer, Minden

Wir sind eben nicht alle gleich

Die Diskussion, ob Vereine die Mitgliedschaft vom Geschlecht abhängig machen dürfen, kocht immer wieder einmal hoch. Eine Leserin widerspricht Äußerungen einer Leserbrief-Schreiberin.

"Wir brauchen keine Männer, die sich um die Emanzipation von Frauen kümmern" - da möchte ich widersprechen. Selbstverständlich brauchen wir Männer, die sich für Gleichberechtigung einsetzen. Ohne deren Unterstützung hätten wir wohl heute noch kein Frauen-Wahlrecht. Die Argumentation, Frauen sollten sich aus dem Männerkram doch um ihretwillen besser raus halten, weil ihnen - wenn sie "ehrlich" sind - naturgegeben andere Dinge untereinander doch viel mehr "Spaß" machen, ist ja nicht neu. Zum Beispiel Kinderhüten statt Firmen leiten. Hier halt "Mädelsabende" statt altehrwürdiger militärischer Traditionspflege. Ich hätte auf beides keine Lust, aber deshalb spreche ich das anderen Frauen nicht ab. Wir sind eben nicht alle gleich.

Es gibt diverse gute Gründe, warum Männer- oder Frauen-Gruppen unter sich bleiben möchten. Bei gemeinnützigen Vereinen fragt der Bundesfinanzhof heutzutage halt vermehrt nach sachlichen Argumenten dafür. Denn die ausgeschlossenen Personengruppen finanzieren die Vorteile der Gemeinnützigkeit mit. Viele sehen einen Grund in der Pflege geschichtlicher Traditionen - ohne Zweifel auch ein großes Ziel des Bürgerbataillons. Zur "Gesamtheit der wehrfähigen Bürger Mindens" zählten halt früher keine Frauen (heute dürften sie sich bei "Bürger" ja mit-gemeint fühlen). Allerdings - mit den Männern, die vor hunderten von Jahren die Mauern der Stadt verteidigt haben, dürften die heutigen auch nicht mehr viel gemein haben. Zwangsverpflichtung gibt es nicht mehr. Kollegen mit Herzschrittmachern oder künstlichen Hüften waren damals wohl auch nicht dabei. Auch keine Trans-Männer. Und eine Steuerbefreiung ist für den besten Schützen auch nicht mehr zu erwarten. Bei historischen Traditionen müssen wir also sowieso überlegen, wie wir sie in der heutigen Zeit angemessen ehren und pflegen können.

"Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern das Weitertragen des Feuers." (Jean Jaurès) Zumindest der Diskussion, warum ausgerechnet Frauen (oder auch Männer) den Vereinszielen nicht zuträglich sind, wird sich wohl über kurz oder lang jeder Verein mit großer öffentlicher Präsenz und/oder Gemeinnützigkeit stellen müssen. Selbst der katholischen Kirche geht es da nicht besser.

Stefanie Meihöfer, Minden

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