Was soll das Herunterspielen? Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, plädiert für eine differenzierte Bewertung der Corona-Infektionszahlen und kritisiert die momentan gesetzte Inzidenzzahl. Was soll dieses Herunterspielen? Schon am Anfang der Pandemie hat das alles schlimmer gemacht. Statt damals schnell zu handeln und Flugverkehr einzustellen, wurden wir mit Grippe-Vergleichen beschwindelt. Dabei ist es doch so logisch: Wuhan hätte kein Krankenhaus für 10.000 Leute bauen müssen, wenn das neue Virus nur eine Grippe ist. Und jetzt wieder. Nur ein Prozent Sterblichkeit? Als wäre das wenig. Ich komme aus der Arzneimittelentwicklung und was macht man mit einem Medikament, das 1 von 100 Patienten tötet? Es kommt auf den Müll, egal wie super es die anderen 99 heilt. In Wirklichkeit steigt die Sterberate natürlich auch weit über ein Prozent, wenn es mehr Infektionen gibt. Weil bei Füllung der Intensivstationen die Behandlungsqualität sinkt. Und die Intensivstationen werden in vier Wochen voll sein. Diese Entwicklung war vorhersagbar. Sicher auch für Streeck. Und Naturwissenschaftler stellen sich immer wieder die Frage, wieso macht er das? Wieso befürwortet er weitere Lockerungen vor dem Herbst. Wo doch alle wissen, Herbst und Winter wird die schlimmste Zeit? Es ist einfach nicht logisch. Es lief doch gut, auch für die Wirtschaft. Jetzt kommen wir wieder ins exponentielle Wachstum, die Fall-Nachverfolgung durch Gesundheitsämter ist in Berlin schon nicht mehr möglich, also ist die Infektionskette außer Kontrolle. Reinhardt sagt, er halte einen erneuten Lockdown für falsch (einen echten Lockdown hatten wir übrigens nie), aber ab einem Punkt bleibt nur die Wahl zwischen (lokalen) Shutdowns oder Bergamo. Und wenn wir alle erst mal jemanden kennen, der an COVID erstickt ist oder an einer der zahlreichen Spätfolgen leidet, gehen wir dann noch shoppen, ins Restaurant oder Autohaus? Also warum dieses Herunterspielen? Es gefährdet die Wirtschaft und bringt welchen Nutzen? Warum nicht einfach aufmuntern: Leute, nur noch diesen Winter zusammenreißen, dann gibt es fast sicher eine Impfung. Und nächstes Jahr ist alles schon viel entspannter. Und in drei Jahren lachen wir über die Fotos mit den Masken. Nadine Thies-Zimmermann, Porta Westfalica

Was soll das Herunterspielen?

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, plädiert für eine differenzierte Bewertung der Corona-Infektionszahlen und kritisiert die momentan gesetzte Inzidenzzahl.

Was soll dieses Herunterspielen? Schon am Anfang der Pandemie hat das alles schlimmer gemacht. Statt damals schnell zu handeln und Flugverkehr einzustellen, wurden wir mit Grippe-Vergleichen beschwindelt. Dabei ist es doch so logisch: Wuhan hätte kein Krankenhaus für 10.000 Leute bauen müssen, wenn das neue Virus nur eine Grippe ist. Und jetzt wieder. Nur ein Prozent Sterblichkeit? Als wäre das wenig. Ich komme aus der Arzneimittelentwicklung und was macht man mit einem Medikament, das 1 von 100 Patienten tötet? Es kommt auf den Müll, egal wie super es die anderen 99 heilt. In Wirklichkeit steigt die Sterberate natürlich auch weit über ein Prozent, wenn es mehr Infektionen gibt. Weil bei Füllung der Intensivstationen die Behandlungsqualität sinkt. Und die Intensivstationen werden in vier Wochen voll sein. Diese Entwicklung war vorhersagbar. Sicher auch für Streeck.

Und Naturwissenschaftler stellen sich immer wieder die Frage, wieso macht er das? Wieso befürwortet er weitere Lockerungen vor dem Herbst. Wo doch alle wissen, Herbst und Winter wird die schlimmste Zeit? Es ist einfach nicht logisch. Es lief doch gut, auch für die Wirtschaft.

Jetzt kommen wir wieder ins exponentielle Wachstum, die Fall-Nachverfolgung durch Gesundheitsämter ist in Berlin schon nicht mehr möglich, also ist die Infektionskette außer Kontrolle. Reinhardt sagt, er halte einen erneuten Lockdown für falsch (einen echten Lockdown hatten wir übrigens nie), aber ab einem Punkt bleibt nur die Wahl zwischen (lokalen) Shutdowns oder Bergamo. Und wenn wir alle erst mal jemanden kennen, der an COVID erstickt ist oder an einer der zahlreichen Spätfolgen leidet, gehen wir dann noch shoppen, ins Restaurant oder Autohaus?

Also warum dieses Herunterspielen? Es gefährdet die Wirtschaft und bringt welchen Nutzen? Warum nicht einfach aufmuntern: Leute, nur noch diesen Winter zusammenreißen, dann gibt es fast sicher eine Impfung. Und nächstes Jahr ist alles schon viel entspannter. Und in drei Jahren lachen wir über die Fotos mit den Masken.

Nadine Thies-Zimmermann, Porta Westfalica

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