Völlige Konzeptlosigkeit Betr.: „'Übereilter Aktionismus'“, MT vom 9. MaiDer Jugendamtselternbereit weist in seiner Stellungnahme zur Portaner Verwaltungsvorlage zu den künftigen Grundschulstandorten zu Recht auf die konzeptlose und intransparente Vorgehensweise hin und stellt sich damit an die Seite der Betroffenen. Die Überschrift „Übereilter Aktionismus“ scheint allerdings ein Widerspruch zur Dauer der Schulentwicklungsplanungen zu sein, die den Stadtrat, den Bürgermeister und seine Verwaltung in Porta Westfalica seit Mitte 2015 beschäftigen.Bereits im Herbst 2015 regte sich der erste Widerstand in Neesen gegen die substanzlosen Beratungsvorlagen und -vorschläge. Die Grundschule Neesen sollte in das Gebäude der ehemaligen Förderschule in Lerbeck umziehen. Die Aufgabe des innovativen und anerkannten Schulstandortes Neesen fand in großen Teilen der Neeser Eltern- und Bürgerschaft keine Akzeptanz. Es gründete sich die Interessengemeinschaft „Grundschule im Ort“, die eine Kostenermittlung für die Gebäude in Neesen und Lerbeck forderte, da die von der Verwaltung ermittelten Umbaukosten für das Lerbecker Gebäude mit 900 000 Euro erkennbar viel zu niedrig angesetzt waren.Mit der Vorstellung der Stadtverwaltung, das Gebäude Lerbeck zu favorisieren, ermittelte ein Ingenieurbüro dann Baukosten in Höhe von rund 3,5 Millionen Euro für jeden Standort, dabei wurden zum Beispiel für Neesen unnötige Baumaßnahmen eingerechnet und Kosten für die umfangreiche Schulwegsicherung für Lerbeck nicht kalkuliert. Auch wurden Nutzungsnachteile des Neeser Gebäudes doppelt bis dreifach gewertet. Immer neue Argumente wurden bemüht, die einer genaueren Prüfung kaum standhielten. So müssten laut Aussagen des Bürgermeisters Flächenüberhänge im Schulbereich abgebaut werden. Die Grundschule Neesen, die nach Feststellung der Gutachter Dr. Garbe & Lexis auch für die absehbare Zukunft über ein ausreichendes Raumprogramm verfügt, soll aber in das überdimensionierte Gebäude nach Lerbeck umziehen und damit den Flächenüberhang erheblich vergrößern. Der Bürgermeister stellte dann am 1. März 2017 (Aschermittwoch!) im Forum des Gymnasiums die Grundschulplanung vor. Kleinenbremen sollte als Teilstandort der Grundschule Neesen am Standort Kleinenbremen verbleiben, die Grundschule Veltheim nach Eisbergen eingegliedert werden. Die anwesenden Kleinenbremer gingen beruhigt nach Hause, die Veltheimer mussten realisieren, dass die Schließung „ihrer“ Schule beschlossen werden sollte.Kaum einen Monat später machte eine neue Verwaltungsvorlage die Runde, in der die Schließung des Standorts Kleinenbremen und die Eingliederung der Kleinenbremer Kinder in die Schule nach Eisbergen vorgeschlagen wird, damit dort dreizügig ausgebaut werden kann.Das alles ist kein „übereilter Aktionismus“, sondern dokumentiert eine völlige Konzeptlosigkeit der Verantwortlichen über einen langen Zeitraum. Wen wundert dies, werden doch die Betroffenen vor Ort nicht in den Prozess eingebunden, so wie beispielsweise in Minden. Viele sind bereit, an der Erarbeitung und Umsetzung eines tragfähigen und von einer großen Mehrheit akzeptierten Lösung mitzuarbeiten. Eine Projektgruppe aus Elternvertretern, Lehrkräften, sachkundigen Bürgern, Verwaltungskräften und politisch Verantwortlichen könnte in einem breit angelegten Beteiligungsverfahren ein tragfähiges Handlungskonzept für eine Entscheidung des Stadtrates erarbeiten. Dies bedarf allerdings ein höheres Maß an Selbstkritik und Einsichtsfähigkeit der Verantwortlichen.Jochen Heuer, Porta Westfalica

Völlige Konzeptlosigkeit

Betr.: „'Übereilter Aktionismus'“, MT vom 9. Mai

Der Jugendamtselternbereit weist in seiner Stellungnahme zur Portaner Verwaltungsvorlage zu den künftigen Grundschulstandorten zu Recht auf die konzeptlose und intransparente Vorgehensweise hin und stellt sich damit an die Seite der Betroffenen. Die Überschrift „Übereilter Aktionismus“ scheint allerdings ein Widerspruch zur Dauer der Schulentwicklungsplanungen zu sein, die den Stadtrat, den Bürgermeister und seine Verwaltung in Porta Westfalica seit Mitte 2015 beschäftigen.

Bereits im Herbst 2015 regte sich der erste Widerstand in Neesen gegen die substanzlosen Beratungsvorlagen und -vorschläge. Die Grundschule Neesen sollte in das Gebäude der ehemaligen Förderschule in Lerbeck umziehen. Die Aufgabe des innovativen und anerkannten Schulstandortes Neesen fand in großen Teilen der Neeser Eltern- und Bürgerschaft keine Akzeptanz. Es gründete sich die Interessengemeinschaft „Grundschule im Ort“, die eine Kostenermittlung für die Gebäude in Neesen und Lerbeck forderte, da die von der Verwaltung ermittelten Umbaukosten für das Lerbecker Gebäude mit 900 000 Euro erkennbar viel zu niedrig angesetzt waren.

Mit der Vorstellung der Stadtverwaltung, das Gebäude Lerbeck zu favorisieren, ermittelte ein Ingenieurbüro dann Baukosten in Höhe von rund 3,5 Millionen Euro für jeden Standort, dabei wurden zum Beispiel für Neesen unnötige Baumaßnahmen eingerechnet und Kosten für die umfangreiche Schulwegsicherung für Lerbeck nicht kalkuliert. Auch wurden Nutzungsnachteile des Neeser Gebäudes doppelt bis dreifach gewertet. Immer neue Argumente wurden bemüht, die einer genaueren Prüfung kaum standhielten. So müssten laut Aussagen des Bürgermeisters Flächenüberhänge im Schulbereich abgebaut werden. Die Grundschule Neesen, die nach Feststellung der Gutachter Dr. Garbe & Lexis auch für die absehbare Zukunft über ein ausreichendes Raumprogramm verfügt, soll aber in das überdimensionierte Gebäude nach Lerbeck umziehen und damit den Flächenüberhang erheblich vergrößern.

Der Bürgermeister stellte dann am 1. März 2017 (Aschermittwoch!) im Forum des Gymnasiums die Grundschulplanung vor. Kleinenbremen sollte als Teilstandort der Grundschule Neesen am Standort Kleinenbremen verbleiben, die Grundschule Veltheim nach Eisbergen eingegliedert werden. Die anwesenden Kleinenbremer gingen beruhigt nach Hause, die Veltheimer mussten realisieren, dass die Schließung „ihrer“ Schule beschlossen werden sollte.

Kaum einen Monat später machte eine neue Verwaltungsvorlage die Runde, in der die Schließung des Standorts Kleinenbremen und die Eingliederung der Kleinenbremer Kinder in die Schule nach Eisbergen vorgeschlagen wird, damit dort dreizügig ausgebaut werden kann.

Das alles ist kein „übereilter Aktionismus“, sondern dokumentiert eine völlige Konzeptlosigkeit der Verantwortlichen über einen langen Zeitraum. Wen wundert dies, werden doch die Betroffenen vor Ort nicht in den Prozess eingebunden, so wie beispielsweise in Minden. Viele sind bereit, an der Erarbeitung und Umsetzung eines tragfähigen und von einer großen Mehrheit akzeptierten Lösung mitzuarbeiten. Eine Projektgruppe aus Elternvertretern, Lehrkräften, sachkundigen Bürgern, Verwaltungskräften und politisch Verantwortlichen könnte in einem breit angelegten Beteiligungsverfahren ein tragfähiges Handlungskonzept für eine Entscheidung des Stadtrates erarbeiten. Dies bedarf allerdings ein höheres Maß an Selbstkritik und Einsichtsfähigkeit der Verantwortlichen.

Jochen Heuer, Porta Westfalica

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