Vertane Chance? Die Skulptur Pegelschlange hätte Mitte Oktober in der Stadtblänke feierlich eingeweiht werden sollen. Zwei Anwohner haben Klage gegen die Genehmigung durch die Bezirksregierung Detmold eingereicht. Nun bleibt die Skulptur zunächst eingelagert. An den Autobahnen weisen Hinweistafeln auf Sehenswürdigkeiten in der Region hin. In OWL wird vorwiegend auf historische Innenstädte, Bauwerke und auf Kunst verwiesen. Hier zeigt sich, dass Kunst und Geschichte identitätsprägend sind. Dabei muss Kunst anregen, fokussieren, ja auch provozieren. Kunst, die nur gefallen will, verfehlt ihren Zweck. Kunst trifft nicht immer den Zeitgeist (zum Beispiel van Gogh), leistet aber einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der Gesellschaft. 1977, bei der ersten Skulpturenausstellung in Münster, fanden die Objekte nicht viel Zustimmung. Nach einer Party versuchten Studenten sogar, die großen Kugeln in den Aasee zu rollen. Später wurden die Kunstwerke mit Plakaten beklebt, mit Graffiti beschmiert. Die Stadt reinigte die Skulpturen und informierte die Bürger über den Kontext. Heute sind die Skulpturenausstellungen international renommierte Events und Münster zählt zu den beliebtesten Städten Deutschlands. Minden tut sich schwer mit zeitgemäßer Kunst. Das Keilstück hat eine traurige Berühmtheit erzielt. Anders als in Münster unternahmen die Verantwortlichen nichts, als der Künstler diffamiert, das Werk beschmiert und beklebt wurde. Schlimmer noch, das Objekt wurde durch das Aufstellen von Müllbehältern und Fahrradständern bewusst abgewertet. Die Stadt vermied es bis heute, Informationen zum Kontext des Werkes mit dem Aufstellungsort zu geben. Nun ergibt sich eine neue Chance. Mit der Pegelschlange soll an zentraler Stelle ein modernes Werk aufgestellt werden. Der Platz und das Objekt sind gut gewählt, es wird auf das zentrale Thema des 21. Jahrhunderts – dem Klimawandel – hingewiesen. Sicherlich war das Prozedere der Auswahl nicht optimal, aber ist die Vorsicht nach den Erfahrungen mit dem Keilstück nicht nachvollziehbar? Ich hoffe, dass Minden die Chance nutzt und künftig nicht nur mit einer historischen Innenstadt, sondern sich auch wie Münster, Bielefeld und Herford mit Kunst und Kultur als tolerante, weltoffene, moderne Stadt präsentieren kann. Alfons Bomholt, Minden

Vertane Chance?

Die Skulptur Pegelschlange hätte Mitte Oktober in der Stadtblänke feierlich eingeweiht werden sollen. Zwei Anwohner haben Klage gegen die Genehmigung durch die Bezirksregierung Detmold eingereicht. Nun bleibt die Skulptur zunächst eingelagert.

An den Autobahnen weisen Hinweistafeln auf Sehenswürdigkeiten in der Region hin. In OWL wird vorwiegend auf historische Innenstädte, Bauwerke und auf Kunst verwiesen. Hier zeigt sich, dass Kunst und Geschichte identitätsprägend sind. Dabei muss Kunst anregen, fokussieren, ja auch provozieren. Kunst, die nur gefallen will, verfehlt ihren Zweck.

Kunst trifft nicht immer den Zeitgeist (zum Beispiel van Gogh), leistet aber einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der Gesellschaft. 1977, bei der ersten Skulpturenausstellung in Münster, fanden die Objekte nicht viel Zustimmung. Nach einer Party versuchten Studenten sogar, die großen Kugeln in den Aasee zu rollen. Später wurden die Kunstwerke mit Plakaten beklebt, mit Graffiti beschmiert. Die Stadt reinigte die Skulpturen und informierte die Bürger über den Kontext. Heute sind die Skulpturenausstellungen international renommierte Events und Münster zählt zu den beliebtesten Städten Deutschlands.

Minden tut sich schwer mit zeitgemäßer Kunst. Das Keilstück hat eine traurige Berühmtheit erzielt. Anders als in Münster unternahmen die Verantwortlichen nichts, als der Künstler diffamiert, das Werk beschmiert und beklebt wurde. Schlimmer noch, das Objekt wurde durch das Aufstellen von Müllbehältern und Fahrradständern bewusst abgewertet. Die Stadt vermied es bis heute, Informationen zum Kontext des Werkes mit dem Aufstellungsort zu geben.

Nun ergibt sich eine neue Chance. Mit der Pegelschlange soll an zentraler Stelle ein modernes Werk aufgestellt werden. Der Platz und das Objekt sind gut gewählt, es wird auf das zentrale Thema des 21. Jahrhunderts – dem Klimawandel – hingewiesen. Sicherlich war das Prozedere der Auswahl nicht optimal, aber ist die Vorsicht nach den Erfahrungen mit dem Keilstück nicht nachvollziehbar?

Ich hoffe, dass Minden die Chance nutzt und künftig nicht nur mit einer historischen Innenstadt, sondern sich auch wie Münster, Bielefeld und Herford mit Kunst und Kultur als tolerante, weltoffene, moderne Stadt präsentieren kann.

Alfons Bomholt, Minden

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