Verfrühte Berichterstattung? Gegen zwei Erzieherinnen der Evangelischen Kindertageseinrichtung Meißen wurden Vorwürfe erhoben, gegen mindestens eine von ihnen soll Anzeige erstattet worden sein. Die beiden sollen die Hände von Kindern beim Mittagessen mit Tape am Tisch fixiert haben. Die Kita Meißen ist uns seit vielen Jahren bekannt, unsere Kinder haben sie besucht und wir hatten nie einen Grund, an der Integrität der Einrichtung und ihrer Mitarbeitenden zu zweifeln. Krude Erziehungs-"Praktiken", wie sie nun im Raum stehen, sind uns nie aufgefallen.Nun werden heftige Vorwürfe erhoben, die zum Teil schwer nachvollziehbar sind. Dank Presse und Öffentlichkeit diskutiert jetzt ganz OWL diese Vorwürfe, deren Wahrheitsgehalt offenbar noch ungeklärt ist. Wäre es nicht klüger und angemessener gewesen, erst einmal mit den zuständigen Institutionen Licht ins Dunkel zu bringen, die Anschuldigungen aufzuklären und dann erst zu berichten? Den Druck, der jetzt auf den beschuldigten Erzieherinnen lastet, mag man sich gar nicht ausmalen. Eine Vorverurteilung finde nicht statt, heißt es, wohl sehen wir hier aber eine beispiellose öffentliche Bloßstellung, von der etwas haften bleiben wird. Die angebliche Transparenz in der öffentlichen Kommunikation führt hier unserer Ansicht nach nur zu einer unangemessenen Polarisierung.Dr Stephan Rapp und Juliane Peithmann-Rapp, Minden Darauf antwortet MT-Chefredakteur Benjamin Piel: Fälle wie dieser stellen Journalistinnen und Journalisten regelmäßig vor eine große Herausforderung. Vor allem, weil es sich um etwas handelt, das nicht irgendwo weit weg passiert sein soll. Sondern in der eigenen Stadt und damit im Nahbereich des Berichtenden. Das macht die ohnehin gegebene medienethische Verantwortung zu einer noch größeren Verpflichtung zu Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit. Ziel des MT war es von Beginn an, so transparent wie nötig angesichts des Gewichts der Vorwürfe und so vorsichtig wie nötig vor dem Hintergrund der Sensibilität des Themas Kindergarten zu berichten. Gar nicht zu berichten, war dagegen keine Option – und das war übrigens auch ausdrücklich nicht das Ansinnen des Kirchenkreises als Träger der Einrichtung. Nicht zu berichten, angesichts der Tatsache, dass zwei Erzieherinnen vom Dienst freigestellt wurden und eine emotionale Debatte innerhalb der Kita lief und läuft, wäre auch nicht die bessere Wahl gewesen. Denn dann hätte sich das Thema uneingeordnet und mithin wild verbreitet. Aufgabe eines Lokalmediums ist es ja gerade, Fakten zu prüfen und einzuordnen, nicht vorzuverurteilen, sondern darzustellen, was als sicher gelten kann. Aber eben auch, was nicht sicher ist. So werden wir auch weiterhin vorgehen.
Anzeige Werbung

Verfrühte Berichterstattung?

Gegen zwei Erzieherinnen der Evangelischen Kindertageseinrichtung Meißen wurden Vorwürfe erhoben, gegen mindestens eine von ihnen soll Anzeige erstattet worden sein. Die beiden sollen die Hände von Kindern beim Mittagessen mit Tape am Tisch fixiert haben.

Die Kita Meißen ist uns seit vielen Jahren bekannt, unsere Kinder haben sie besucht und wir hatten nie einen Grund, an der Integrität der Einrichtung und ihrer Mitarbeitenden zu zweifeln. Krude Erziehungs-"Praktiken", wie sie nun im Raum stehen, sind uns nie aufgefallen.

Nun werden heftige Vorwürfe erhoben, die zum Teil schwer nachvollziehbar sind. Dank Presse und Öffentlichkeit diskutiert jetzt ganz OWL diese Vorwürfe, deren Wahrheitsgehalt offenbar noch ungeklärt ist. Wäre es nicht klüger und angemessener gewesen, erst einmal mit den zuständigen Institutionen Licht ins Dunkel zu bringen, die Anschuldigungen aufzuklären und dann erst zu berichten? Den Druck, der jetzt auf den beschuldigten Erzieherinnen lastet, mag man sich gar nicht ausmalen. Eine Vorverurteilung finde nicht statt, heißt es, wohl sehen wir hier aber eine beispiellose öffentliche Bloßstellung, von der etwas haften bleiben wird. Die angebliche Transparenz in der öffentlichen Kommunikation führt hier unserer Ansicht nach nur zu einer unangemessenen Polarisierung.

Dr Stephan Rapp und Juliane Peithmann-Rapp, Minden

Darauf antwortet MT-Chefredakteur Benjamin Piel:

Fälle wie dieser stellen Journalistinnen und Journalisten regelmäßig vor eine große Herausforderung. Vor allem, weil es sich um etwas handelt, das nicht irgendwo weit weg passiert sein soll. Sondern in der eigenen Stadt und damit im Nahbereich des Berichtenden. Das macht die ohnehin gegebene medienethische Verantwortung zu einer noch größeren Verpflichtung zu Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit. Ziel des MT war es von Beginn an, so transparent wie nötig angesichts des Gewichts der Vorwürfe und so vorsichtig wie nötig vor dem Hintergrund der Sensibilität des Themas Kindergarten zu berichten. Gar nicht zu berichten, war dagegen keine Option – und das war übrigens auch ausdrücklich nicht das Ansinnen des Kirchenkreises als Träger der Einrichtung. Nicht zu berichten, angesichts der Tatsache, dass zwei Erzieherinnen vom Dienst freigestellt wurden und eine emotionale Debatte innerhalb der Kita lief und läuft, wäre auch nicht die bessere Wahl gewesen. Denn dann hätte sich das Thema uneingeordnet und mithin wild verbreitet. Aufgabe eines Lokalmediums ist es ja gerade, Fakten zu prüfen und einzuordnen, nicht vorzuverurteilen, sondern darzustellen, was als sicher gelten kann. Aber eben auch, was nicht sicher ist. So werden wir auch weiterhin vorgehen.

Anzeige Werbung
Copyright © Mindener Tageblatt 2022
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Mehr zum Thema