Untergrabene Arbeitsmoral 122 Menschen bekommen monatlich 1.200 Euro zu ihrem normalen Einkommen geschenkt. So will der Verein Mein Grundeinkommen erforschen, wie das ihr Leben verändert (MT vom 2. Juni). Dies Thema brennt ja schon lange den Wirtschaftsforschern auf den Nägeln. Es gibt sowohl Befürworter sowie auch heftige Kritik und Zweifel bezüglich dieses Vorhabens, zumal die Finanzierung noch völlig unklar ist. Da sich jedoch die Einkommensschere zwischen Arm und Reich weiterhin mehr und mehr öffnet, wäre auch der Gedanke einer Umverteilung einer näheren Betrachtung wert. Der Armutsforscher Christoph Butterwegge meint zum bedingungslosen Grundeinkommen, dass Gleiches gleich und Ungleiches ungleich behandelt werden müsse. Ein regelmäßiger Geldbetrag reicht wohl nicht aus, um gesellschaftliche Teilhabe zu gewährleisten beziehungsweise die Integration zu fördern. Ohne Arbeit leben zu können, sprich, dafür auch noch Geld zu bekommen, funktionierte bisher nur, wenn man Jahrzehnte ununterbrochen gearbeitet hat und dann mit dem, was sich Rente nennt, belohnt wird (einem Geldbetrag, der oftmals die Höhe dieses sogenannten " Grundbetrags" nicht übersteigt) oder aber man wurde mit einem goldenen Löffel im Mund geboren. Sicher wird sich unsere Arbeitswelt in Zukunft peu á peu verändern, doch war dies nicht seit jeher schon so? Die Menschheit hat sich damit stets arrangiert, im Gegenteil es wurden völlig neue Perspektiven geschaffen mit zum Teil noch besseren Chancen mehr Geld zu verdienen. Ich denke, wirkliche Selbstbestätigung bekommt man meist durch eigene Leistung, sprich die Arbeit. Und solange unser Staat mehrheitlich mit den Steuergeldern der arbeitenden Bevölkerung gespeist wird, (und nicht aus Spenden) sollten diese auch die Früchte ernten dürfen und nicht mit noch mehr Abgaben belastet werden, welche ihre Lebensqualität sukzessive schmälert. Es ist wohl ein gewaltiger gesellschaftlicher Drahtseilakt, Menschen mit Einkommen durch Arbeit und Menschen mit einem bedingungslosen Einkommen gleich zu behandeln. Dies könnte erheblich die Arbeitsmoral untergraben, so nach dem Motto: „Mein Job bewegt sich am Rande der Egalität." Galen Scheidler, Graal-Müritz

Untergrabene Arbeitsmoral

122 Menschen bekommen monatlich 1.200 Euro zu ihrem normalen Einkommen geschenkt. So will der Verein Mein Grundeinkommen erforschen, wie das ihr Leben verändert (MT vom 2. Juni).

Dies Thema brennt ja schon lange den Wirtschaftsforschern auf den Nägeln. Es gibt sowohl Befürworter sowie auch heftige Kritik und Zweifel bezüglich dieses Vorhabens, zumal die Finanzierung noch völlig unklar ist. Da sich jedoch die Einkommensschere zwischen Arm und Reich weiterhin mehr und mehr öffnet, wäre auch der Gedanke einer Umverteilung einer näheren Betrachtung wert.

Der Armutsforscher Christoph Butterwegge meint zum bedingungslosen Grundeinkommen, dass Gleiches gleich und Ungleiches ungleich behandelt werden müsse. Ein regelmäßiger Geldbetrag reicht wohl nicht aus, um gesellschaftliche Teilhabe zu gewährleisten beziehungsweise die Integration zu fördern. Ohne Arbeit leben zu können, sprich, dafür auch noch Geld zu bekommen, funktionierte bisher nur, wenn man Jahrzehnte ununterbrochen gearbeitet hat und dann mit dem, was sich Rente nennt, belohnt wird (einem Geldbetrag, der oftmals die Höhe dieses sogenannten " Grundbetrags" nicht übersteigt) oder aber man wurde mit einem goldenen Löffel im Mund geboren.

Sicher wird sich unsere Arbeitswelt in Zukunft peu á peu verändern, doch war dies nicht seit jeher schon so? Die Menschheit hat sich damit stets arrangiert, im Gegenteil es wurden völlig neue Perspektiven geschaffen mit zum Teil noch besseren Chancen mehr Geld zu verdienen. Ich denke, wirkliche Selbstbestätigung bekommt man meist durch eigene Leistung, sprich die Arbeit. Und solange unser Staat mehrheitlich mit den Steuergeldern der arbeitenden Bevölkerung gespeist wird, (und nicht aus Spenden) sollten diese auch die Früchte ernten dürfen und nicht mit noch mehr Abgaben belastet werden, welche ihre Lebensqualität sukzessive schmälert. Es ist wohl ein gewaltiger gesellschaftlicher Drahtseilakt, Menschen mit Einkommen durch Arbeit und Menschen mit einem bedingungslosen Einkommen gleich zu behandeln. Dies könnte erheblich die Arbeitsmoral untergraben, so nach dem Motto: „Mein Job bewegt sich am Rande der Egalität."

Galen Scheidler, Graal-Müritz

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