Unreflektiert berichtet? Ein Leser wirft dem MT fehlende Objektivität vor, wenn es um die Berichterstattung rund um die Trassendiskussion für die ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecke geht. Die Bahn sprach in diesem Zusammenhang erstmals konkret davon, dass im Zuge des Deutschlandtakts Wohnhäuser weichen könnten. Der Nutzen der neuen Bahntrasse muss die dadurch ausgelöste Belastung von Mensch und Natur rechtfertigen. Es kann also nur um das vertretbare Maß des Eingriffs gehen, nicht um den Eingriff selbst und nicht darum, Belastungen dort hinzuschieben, wo sie keine Lobby haben. Es geht um die Mobilitäts- und Verkehrswendewende, um ein gesellschaftlich existenzielles Projekt. Ich würde deshalb abwarten, bis technisch geeignete, abgewogene Trassenvorschläge, auf dem Tisch liegen.Ich habe den Eindruck, das MT arbeitet in der Berichterstattung mit einer Wünschelrute, die eher dem politischen Opportunismus und den bekannten Souffleuren gehorcht, als der vermuteten Wasserader. Beim Bau des Mindener Kanalhafens hatten wir ein vergleichbares Szenario. Hier wurde der Widerstand ausgebremst. Hier hat das MT die unrealistischen Prognosen der Hafengesellschaft übernommen und das Projekt bis zur Realisierung gesundgeschrieben. Dass der Hafen, gemessen am Anspruch der Umschläge, eine Fehlinvestition ist, lässt sich nicht mehr verbergen. Bei der Bahntrasse bläst das MT dem Widerstand ins Segel. Die politischen Protagonisten sind wohlgelitten, die Presse findet immer wieder neue Haare in der Suppe des Projekts, die Parteien treiben in Berlin den Schienenausbau und dessen Beschleunigung voran und sabotieren die Bundesgesetze lokal, vor Ort, die sie in Berlin beschlossen haben. Und das MT zieht den Karren unreflektiert immer wieder in die gleiche Richtung. Pro Ausbau, kontra Neubau. Wenn da kein System erkennbar ist, habe ich nicht lange genug gelebt.Ich erwarte mehr Objektivität und nicht die Verbreitung der Vorstellungen eines vormaligen SPD-Staatssekretärs, dessen Spätwerk offenbar darin besteht, Minden unter allen Umständen und gegen alle Widerstände einen Bahnhof zu erhalten, koste es, was es wolle. Hans Ulrich Gräf, Minden Darauf antwortet MT-Chefredakteur Benjamin Piel: Eine merkwürdige Sicht der Dinge, Herr Gräf, dem MT Einseitigkeit vorzuwerfen. Der von Ihnen kritisierte Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, welchen Preis ein Ausbau der bestehenden Bahnstrecke haben könnte. Von Gegnern des Trassen-Neubaus wird regelmäßig ins Feld geführt, es sei doch ein Leichtes, die bestehende Strecke auszubauen und ergo vom Bau einer neuen Trasse Abstand zu nehmen. Der von Ihnen kritisierte Beitrag macht deutlich, dass es so einfach aber vermutlich auch nicht ist und dass dafür unter Umständen sogar Wohnhäuser abgerissen werden müssten. Es wirkt schon reichlich bemüht, ausgerechnet diesen Berichterstattungsgegenstand in die angebliche Richtung „pro Ausbau, kontra Neubau“ drehen zu wollen.

Unreflektiert berichtet?

Ein Leser wirft dem MT fehlende Objektivität vor, wenn es um die Berichterstattung rund um die Trassendiskussion für die ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecke geht. Die Bahn sprach in diesem Zusammenhang erstmals konkret davon, dass im Zuge des Deutschlandtakts Wohnhäuser weichen könnten.

Der Nutzen der neuen Bahntrasse muss die dadurch ausgelöste Belastung von Mensch und Natur rechtfertigen. Es kann also nur um das vertretbare Maß des Eingriffs gehen, nicht um den Eingriff selbst und nicht darum, Belastungen dort hinzuschieben, wo sie keine Lobby haben. Es geht um die Mobilitäts- und Verkehrswendewende, um ein gesellschaftlich existenzielles Projekt. Ich würde deshalb abwarten, bis technisch geeignete, abgewogene Trassenvorschläge, auf dem Tisch liegen.

Ich habe den Eindruck, das MT arbeitet in der Berichterstattung mit einer Wünschelrute, die eher dem politischen Opportunismus und den bekannten Souffleuren gehorcht, als der vermuteten Wasserader. Beim Bau des Mindener Kanalhafens hatten wir ein vergleichbares Szenario. Hier wurde der Widerstand ausgebremst. Hier hat das MT die unrealistischen Prognosen der Hafengesellschaft übernommen und das Projekt bis zur Realisierung gesundgeschrieben. Dass der Hafen, gemessen am Anspruch der Umschläge, eine Fehlinvestition ist, lässt sich nicht mehr verbergen.

Bei der Bahntrasse bläst das MT dem Widerstand ins Segel. Die politischen Protagonisten sind wohlgelitten, die Presse findet immer wieder neue Haare in der Suppe des Projekts, die Parteien treiben in Berlin den Schienenausbau und dessen Beschleunigung voran und sabotieren die Bundesgesetze lokal, vor Ort, die sie in Berlin beschlossen haben. Und das MT zieht den Karren unreflektiert immer wieder in die gleiche Richtung. Pro Ausbau, kontra Neubau. Wenn da kein System erkennbar ist, habe ich nicht lange genug gelebt.

Ich erwarte mehr Objektivität und nicht die Verbreitung der Vorstellungen eines vormaligen SPD-Staatssekretärs, dessen Spätwerk offenbar darin besteht, Minden unter allen Umständen und gegen alle Widerstände einen Bahnhof zu erhalten, koste es, was es wolle.

Hans Ulrich Gräf, Minden

Darauf antwortet MT-Chefredakteur Benjamin Piel:

Eine merkwürdige Sicht der Dinge, Herr Gräf, dem MT Einseitigkeit vorzuwerfen. Der von Ihnen kritisierte Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, welchen Preis ein Ausbau der bestehenden Bahnstrecke haben könnte. Von Gegnern des Trassen-Neubaus wird regelmäßig ins Feld geführt, es sei doch ein Leichtes, die bestehende Strecke auszubauen und ergo vom Bau einer neuen Trasse Abstand zu nehmen. Der von Ihnen kritisierte Beitrag macht deutlich, dass es so einfach aber vermutlich auch nicht ist und dass dafür unter Umständen sogar Wohnhäuser abgerissen werden müssten. Es wirkt schon reichlich bemüht, ausgerechnet diesen Berichterstattungsgegenstand in die angebliche Richtung „pro Ausbau, kontra Neubau“ drehen zu wollen.

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