Unbequeme Wahrheiten In einem Leserbrief äußerte dessen Verfasser sich zu Problemen, die corona-ungeimpfte Mitmenschen nach seiner Ansicht verursachen. Daraufhin möchte ein anderer Leser seine Sicht der Dinge äußern. Kurz vorweg: Ich bin zweifach geimpft und sehr skeptisch gegenüber der vielschichtigen Querdenker-Szene. Was sie mich jedoch bei der heftigen Debatte von „Mainstream“ (dort) bis „Gemeinschaftsschädlinge“ (in manchen Bevölkerungsgruppen) lehrt, ist eine allgemeine Anfrage an ein aktuelles „Weiter so“ in vielen unserer Lebensbereiche. Zweifellos sind Corona-Impfungen, Masken und Tests klassische (und auch sehr lukrative) Antworten unseres etablierten Gesundheitssystems auf die reale Krise. Ich sehe Letzteres aber auch als einen verantwortlichen Verursacher der Krise. Im Einzelfall wird wohl nahezu jeder Arzt seine Patienten im besonderen Falle auf die klaren Notwendigkeiten von gesunder Ernährung, viel Bewegung, das Rauchen möglichst einzustellen und Übergewicht zu reduzieren, hinweisen. Allerdings wird er sich dabei vielleicht im besten Falle als ein Don Quichotte, im Normalfall wohl eher als ein Gefangener unseres umfassenden Systems des „Weiter so“ erleben. Die Medizin bietet Tabletten als Therapie und der Patient erwartet solches auch. Ist der große Parkplatz vor jeder Arztpraxis nicht auch eine Einladung zur Bewegungsarmut? Die derzeitige Nahrungsmittelindustrie zelebriert den Überkonsum von Zucker über Fleisch bis zu Bio-Produkten, vieles mit Unmengen an Chemie. Die Bewegungshungrigen werden per Flieger nach Mallorca oder in die übrige Welt gelockt. Dort kann man sich dann ein Auto mieten. Das alles ist gar nicht mal so teuer - und es belässt vor allem alles beim Alten. Die – zumindest kleine Wahrheit – wäre, und da mögen Teile der oben genannten Szene uns vielleicht ein wenig die Augen öffnen: Gesundheit gibt es nicht aus der Retorte, sondern ist in den meisten Fällen auch sehr selbst gemacht und bestimmte Herausforderungen verlangen damit nach eigener Verhaltensänderung. Das ist die wohl unbequeme Wahrheit beziehungsweise Frage, der sich ehrlicherweise jeder selbst oder eventuell auch mit Hilfe stellen muss. Bewegung, Ernährung und eine vermittelbare Wahrnehmung von eigener Physis und Psyche dürften wichtige Schlüssel dazu - letztlich auch gegen Corona und das, was da noch folgen mag – sein. Wolfgang Kokoschka, Minden

Unbequeme Wahrheiten

In einem Leserbrief äußerte dessen Verfasser sich zu Problemen, die corona-ungeimpfte Mitmenschen nach seiner Ansicht verursachen. Daraufhin möchte ein anderer Leser seine Sicht der Dinge äußern.

Kurz vorweg: Ich bin zweifach geimpft und sehr skeptisch gegenüber der vielschichtigen Querdenker-Szene. Was sie mich jedoch bei der heftigen Debatte von „Mainstream“ (dort) bis „Gemeinschaftsschädlinge“ (in manchen Bevölkerungsgruppen) lehrt, ist eine allgemeine Anfrage an ein aktuelles „Weiter so“ in vielen unserer Lebensbereiche.

Zweifellos sind Corona-Impfungen, Masken und Tests klassische (und auch sehr lukrative) Antworten unseres etablierten Gesundheitssystems auf die reale Krise. Ich sehe Letzteres aber auch als einen verantwortlichen Verursacher der Krise. Im Einzelfall wird wohl nahezu jeder Arzt seine Patienten im besonderen Falle auf die klaren Notwendigkeiten von gesunder Ernährung, viel Bewegung, das Rauchen möglichst einzustellen und Übergewicht zu reduzieren, hinweisen. Allerdings wird er sich dabei vielleicht im besten Falle als ein Don Quichotte, im Normalfall wohl eher als ein Gefangener unseres umfassenden Systems des „Weiter so“ erleben. Die Medizin bietet Tabletten als Therapie und der Patient erwartet solches auch. Ist der große Parkplatz vor jeder Arztpraxis nicht auch eine Einladung zur Bewegungsarmut?

Die derzeitige Nahrungsmittelindustrie zelebriert den Überkonsum von Zucker über Fleisch bis zu Bio-Produkten, vieles mit Unmengen an Chemie. Die Bewegungshungrigen werden per Flieger nach Mallorca oder in die übrige Welt gelockt. Dort kann man sich dann ein Auto mieten. Das alles ist gar nicht mal so teuer - und es belässt vor allem alles beim Alten.

Die – zumindest kleine Wahrheit – wäre, und da mögen Teile der oben genannten Szene uns vielleicht ein wenig die Augen öffnen: Gesundheit gibt es nicht aus der Retorte, sondern ist in den meisten Fällen auch sehr selbst gemacht und bestimmte Herausforderungen verlangen damit nach eigener Verhaltensänderung. Das ist die wohl unbequeme Wahrheit beziehungsweise Frage, der sich ehrlicherweise jeder selbst oder eventuell auch mit Hilfe stellen muss. Bewegung, Ernährung und eine vermittelbare Wahrnehmung von eigener Physis und Psyche dürften wichtige Schlüssel dazu - letztlich auch gegen Corona und das, was da noch folgen mag – sein.

Wolfgang Kokoschka, Minden

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