Unausgewogene Berichterstattung? Auf dem muslimischen Teil des Hauptfriedhofs in Iserlohn hatten Unbekannte rund 30 Grabsteine umgeworfen und teilweise zerstört. Natürlich ist die Schändung von Gräbern in Iserlohn aufs Schärfste zu verurteilen. Jede Grabschändung ist ein Verbrechen gegen die Menschenwürde. Dieser Artikel wirft jedoch ein paar Fragen auf: Der Integrationsminister von NRW spricht in diesem Zusammenhang von antimuslimischen Rassismus. Seit wann gibt es denn eine muslimische Rasse? Seit Jahren wird doch auch zutreffend gelehrt, dass es gar keine Menschenrassen gibt. Das Wort Rasse soll doch sogar aus der Verfassung gestrichen werden. Und woher weiß der Minister überhaupt, dass die Täter von religiösen Motiven getrieben wurden, zumal diese bisher ja noch gar nicht ermittelt wurden.Im selben Artikel wird berichtet, dass in der Silvesternacht 24 Gräber in Düsseldorf verwüstet wurden und unter anderem Kreuze umgestoßen wurden. Warum gibt es hier keine Verurteilung von antichrislichem Rassismus, wenn es denn so etwas geben sollte? Interessant wäre auch die Frage, ob auch hier der Staatsschutz ermittelt. Der Angriff auf christliche Gräber stellt doch keinen geringeren Wert da als die Schändung von Gräbern anderer Religionen. Irgendwie scheint hier die Ausgewogenheit verloren gegangen zu sein. Matthias Herbusch, MindenDarauf antwortet MT-Chefredakteur Benjamin Piel: Sie sind der Ansicht, dass in der Berichterstattung eine Wertung liegt. Aus meiner Sicht handelt es sich um Gewichtung. Selbstredend ist es singulär betrachtet nicht weniger schlimm, den Grabstein eines christlichen Verstorbenen umzuwerfen als den eines muslimischen Verstorbenen. Allerdings gibt esHunderttausende christliche Grabsteine, aber nur verhältnismäßig wenige muslimische Gräberfelder. Jedes in Iserlohn liegt auf dem Friedhof so, dass einzufälliger Angriff, wie berichtet, so gut wie ausgeschlossen, ein gezielter dagegen wahrscheinlich ist. Das könnte bei der Attacke gegen die christlichenGrabsteine theoretisch auch der Fall sein, die Wahrscheinlichkeit ist aber geringer. Ein anderer Punkt ist, dass Angriffe gegen Minderheiten immer schmerzhafter und härter sind. Denn die Mehrheit ist per Definition wehrhafter. Aus meiner Sicht sollte jedenfalls nicht der eine gegen den anderen Angriffausgespielt werden. Noch ein Wort zum Fachbegriff „antimuslimischer Rassismus“: Damit ist mehr gemeint als Islamfeindlichkeit. Das Wort kennzeichnet vielmehr eine Denkweise, die pauschal die gesamte Gruppe aller Muslime – trotz aller Unterschiede zwischen deren Mitgliedern – gleichsetzt und abwertet. Ob ein Muslim tatsächlich religiös ist oder handelt, spielt in diesem Zusammenhang gar keine Rolle mehr. Übrigens ist ja auch der Antisemitismus rassistisch. Und zwarnicht, weil Juden eine Rasse wären, sondern weil der Rassist zu Unrecht davon ausgeht, es gäbe eine solche Rasse.

Unausgewogene Berichterstattung?

Auf dem muslimischen Teil des Hauptfriedhofs in Iserlohn hatten Unbekannte rund 30 Grabsteine umgeworfen und teilweise zerstört.

Natürlich ist die Schändung von Gräbern in Iserlohn aufs Schärfste zu verurteilen. Jede Grabschändung ist ein Verbrechen gegen die Menschenwürde. Dieser Artikel wirft jedoch ein paar Fragen auf:

Der Integrationsminister von NRW spricht in diesem Zusammenhang von antimuslimischen Rassismus. Seit wann gibt es denn eine muslimische Rasse? Seit Jahren wird doch auch zutreffend gelehrt, dass es gar keine Menschenrassen gibt. Das Wort Rasse soll doch sogar aus der Verfassung gestrichen werden. Und woher weiß der Minister überhaupt, dass die Täter von religiösen Motiven getrieben wurden, zumal diese bisher ja noch gar nicht ermittelt wurden.

Im selben Artikel wird berichtet, dass in der Silvesternacht 24 Gräber in Düsseldorf verwüstet wurden und unter anderem Kreuze umgestoßen wurden. Warum gibt es hier keine Verurteilung von antichrislichem Rassismus, wenn es denn so etwas geben sollte? Interessant wäre auch die Frage, ob auch hier der Staatsschutz ermittelt. Der Angriff auf christliche Gräber stellt doch keinen geringeren Wert da als die Schändung von Gräbern anderer Religionen. Irgendwie scheint hier die Ausgewogenheit verloren gegangen zu sein.

Matthias Herbusch, Minden

Darauf antwortet MT-Chefredakteur Benjamin Piel:

Sie sind der Ansicht, dass in der Berichterstattung eine Wertung liegt. Aus meiner Sicht handelt es sich um Gewichtung. Selbstredend ist es singulär betrachtet nicht weniger schlimm, den Grabstein eines christlichen Verstorbenen umzuwerfen als den eines muslimischen Verstorbenen. Allerdings gibt es
Hunderttausende christliche Grabsteine, aber nur verhältnismäßig wenige muslimische Gräberfelder. Jedes in Iserlohn liegt auf dem Friedhof so, dass ein
zufälliger Angriff, wie berichtet, so gut wie ausgeschlossen, ein gezielter dagegen wahrscheinlich ist. Das könnte bei der Attacke gegen die christlichen
Grabsteine theoretisch auch der Fall sein, die Wahrscheinlichkeit ist aber geringer. Ein anderer Punkt ist, dass Angriffe gegen Minderheiten immer schmerzhafter und härter sind. Denn die Mehrheit ist per Definition wehrhafter. Aus meiner Sicht sollte jedenfalls nicht der eine gegen den anderen Angriff
ausgespielt werden.

Noch ein Wort zum Fachbegriff „antimuslimischer Rassismus“: Damit ist mehr gemeint als Islamfeindlichkeit. Das Wort kennzeichnet vielmehr eine Denkweise, die pauschal die gesamte Gruppe aller Muslime – trotz aller Unterschiede zwischen deren Mitgliedern – gleichsetzt und abwertet. Ob ein Muslim tatsächlich religiös ist oder handelt, spielt in diesem Zusammenhang gar keine Rolle mehr. Übrigens ist ja auch der Antisemitismus rassistisch. Und zwar
nicht, weil Juden eine Rasse wären, sondern weil der Rassist zu Unrecht davon ausgeht, es gäbe eine solche Rasse.

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