Unausgewogene Berichterstattung? Einem Ehepaar aus Holzhausen bereiten die Pläne einer ICE-Schnellverbindung zwischen Hannover und Bielefeld Sorgen. Mehrere Streckenentwürfe führen genau dort entlang, wo ihr Haus steht. Die Berichte, die das MT über das ICE-Projekt Bielefeld-Hannover veröffentlicht, stehen ausnahmslos in einem unkritischen, ablehnenden Kontext. Der Duktus der redaktionellen Berichte ist regelmäßig gekennzeichnet durch vielfältige Projekt-Kritik. Von einer ausgewogenen, unabhängigen und objektiven Berichterstattung kann daher auch hier vorliegend keine Rede sein. Das MT macht ohne hinreichende Kennzeichnung Meinung und entfernt sich dabei zunehmend von den Grundsätzen journalistischer Werte. Dabei kann es doch nur darum gehen, Gemeinwohlinteressen und Individualinteressen, vor dem Hintergrund staatlicher Mobilitätsentwicklung, hinreichend umfassend und kritisch gegeneinander abzuwägen. Es kann nicht befriedigen, wenn die in Rede stehende Hofstelle, einem Trassenneubau zu Opfer fällt. Es ist aber auch kein Weltuntergang, wenn die Befürchtung eintritt. In welche Schutzklasse Hofstellen fallen mögen, mag für die Betroffenen wichtig sein. Wichtiger dürfte hingegen sein, wie wir die erzwungene Verkehrs- und Mobilitätswende in erforderlicher Zeit realisieren können. Die Anpassung der Verkehre an die CO2-Entlastung der Atmosphäre ist das höhere Gut, im Vergleich. Ein Bewusstsein dafür zu schaffen, was im nationalen Interesse höchste Priorität genießen muss, geht dem MT völlig ab. Ich hoffe auf ein Umdenken beim MT. Hans Ulrich Gräf, Minden Darauf antwortet MT-Chefredakteur Benjamin Piel: Wenn mitten durch das Verbreitungsgebiet eines Mediums eine mögliche Bahnstrecke geplant wird, dann gehört es für Journalisten zum Normalsten, mit den unterschiedlichen Planungen, Absichten und Pro-Argumenten, aber auch mit möglichen Auswirkungen, Befürchtungen und Kritik an solch einem Projekt umzugehen und diese Aspekte abzubilden. Dem MT vorzuwerfen, es bilde nur die Seite der Kritiker ab, ist schlicht falsch. Nur zwei von vielen Fakten, die dagegen sprechen: Enak Ferlemann (CDU), der Beauftragte der Bundesregierung für den Schienenverkehr, sagt in einem großen Interview im MT: „Wir haben das vom Kopf auf die Füße gestellt und nach dem ermittelten Bedarf einen Fahrplan für 2030 erstellt. Wir erwarten aufgrund von empirischen Daten, dass Menschen bei einer Fahrzeit von vier Stunden zwischen Bonn und Berlin vom Flugzeug auf die Bahn umsteigen. Das wollen wir. Die Fahrgastzahlen im Nah- und Fernverkehr sollen verdoppelt werden." Und der Autor dieser Zeilen kommentierte: „Es ist ernüchternd, wie sehr Menschen bereit sind, im Klein-Klein zu versacken. Warum nicht mal den Blick weiten? (…) Die Zeichen der Zeit erkennen? (…) Beim Bau der Trasse, die durch Porta führen würde, geht es nicht um ein paar läppische Minuten. Es geht um den Teil eines großen Plans, in Deutschland schnell und emissionsarm von einem Zentrum ins nächste zu kommen. Ohne schnelle Bahn keine tiefgreifende Verkehrswende. Und die ist nötig!"

Unausgewogene Berichterstattung?

Einem Ehepaar aus Holzhausen bereiten die Pläne einer ICE-Schnellverbindung zwischen Hannover und Bielefeld Sorgen. Mehrere Streckenentwürfe führen genau dort entlang, wo ihr Haus steht.

Die Berichte, die das MT über das ICE-Projekt Bielefeld-Hannover veröffentlicht, stehen ausnahmslos in einem unkritischen, ablehnenden Kontext. Der Duktus der redaktionellen Berichte ist regelmäßig gekennzeichnet durch vielfältige Projekt-Kritik. Von einer ausgewogenen, unabhängigen und objektiven Berichterstattung kann daher auch hier vorliegend keine Rede sein. Das MT macht ohne hinreichende Kennzeichnung Meinung und entfernt sich dabei zunehmend von den Grundsätzen journalistischer Werte.

Dabei kann es doch nur darum gehen, Gemeinwohlinteressen und Individualinteressen, vor dem Hintergrund staatlicher Mobilitätsentwicklung, hinreichend umfassend und kritisch gegeneinander abzuwägen. Es kann nicht befriedigen, wenn die in Rede stehende Hofstelle, einem Trassenneubau zu Opfer fällt. Es ist aber auch kein Weltuntergang, wenn die Befürchtung eintritt. In welche Schutzklasse Hofstellen fallen mögen, mag für die Betroffenen wichtig sein. Wichtiger dürfte hingegen sein, wie wir die erzwungene Verkehrs- und Mobilitätswende in erforderlicher Zeit realisieren können. Die Anpassung der Verkehre an die CO2-Entlastung der Atmosphäre ist das höhere Gut, im Vergleich.

Ein Bewusstsein dafür zu schaffen, was im nationalen Interesse höchste Priorität genießen muss, geht dem MT völlig ab. Ich hoffe auf ein Umdenken beim MT.

Hans Ulrich Gräf, Minden

Darauf antwortet MT-Chefredakteur Benjamin Piel:

Wenn mitten durch das Verbreitungsgebiet eines Mediums eine mögliche Bahnstrecke geplant wird, dann gehört es für Journalisten zum Normalsten, mit den unterschiedlichen Planungen, Absichten und Pro-Argumenten, aber auch mit möglichen Auswirkungen, Befürchtungen und Kritik an solch einem Projekt umzugehen und diese Aspekte abzubilden. Dem MT vorzuwerfen, es bilde nur die Seite der Kritiker ab, ist schlicht falsch. Nur zwei von vielen Fakten, die dagegen sprechen: Enak Ferlemann (CDU), der Beauftragte der Bundesregierung für den Schienenverkehr, sagt in einem großen Interview im MT: „Wir haben das vom Kopf auf die Füße gestellt und nach dem ermittelten Bedarf einen Fahrplan für 2030 erstellt. Wir erwarten aufgrund von empirischen Daten, dass Menschen bei einer Fahrzeit von vier Stunden zwischen Bonn und Berlin vom Flugzeug auf die Bahn umsteigen. Das wollen wir. Die Fahrgastzahlen im Nah- und Fernverkehr sollen verdoppelt werden." Und der Autor dieser Zeilen kommentierte: „Es ist ernüchternd, wie sehr Menschen bereit sind, im Klein-Klein zu versacken. Warum nicht mal den Blick weiten? (…) Die Zeichen der Zeit erkennen? (…) Beim Bau der Trasse, die durch Porta führen würde, geht es nicht um ein paar läppische Minuten. Es geht um den Teil eines großen Plans, in Deutschland schnell und emissionsarm von einem Zentrum ins nächste zu kommen. Ohne schnelle Bahn keine tiefgreifende Verkehrswende. Und die ist nötig!"

Copyright © Mindener Tageblatt 2022
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Mehr zum Thema