Sympathie gewinnt Bereits seit einiger Zeit gibt es Diskussionen, ob in Kinderbuchklassikern wie „Pippi Langstrumpf“ oder „Jim Knopf“ rassistische Begriffe stehen bleiben dürfen (MT vom 12. Februar). Jetzt bin ich über 80 Jahre und da sagt ein Irgendwer, ich sei Rassist, weil ich den schwarzen Ami, der mir 1945 eine Banane schenkte, mochte? Farbenblind bin ich wohl auch, ist doch Herr Obama weder schwarz noch farbig und Herr Trump nicht weiß, allenfalls leicht „ferkelrosa“. Und dass Weiß nicht das Gelbe vom Ei ist, haben so Typen wie unter anderem Pilatus (Jesus), Spanier (Sephardim, Azteken), portugiesische Eroberer (Brasilien) oder - neuzeitlicher - Hitler, Mussolini und Trump bewiesen. Rassistisch ist die Einordnung von Menschen als Ware (Sklavenhandel) oder in eine Farbpalette, weiß, gelb, schwarz. Ehrlich: Was interessiert mich die Hautfarbe, die Staatsangehörigkeit oder der Migrationshintergrund eines Menschen, wenn der mordet? Mörder ist Mörder! Ebenso rassistisch ist die Ausgrenzung von Volksteilen: Bei Zigeunern gibt es etwa 20 Ethnien, nicht nur Sinti und Roma. Wie: Nicht Deutsche, nur Ostfriesen und Bayern, Westfalen? Nö. Ach ja, ist Alexandra rassistisch, weil sie den Zigeunerjungen so sehnsuchtsvoll anhimmelt? Und albern, ja kindisch wird es, wenn das Zigeunerschnitzel wegfällt, aber das Jägerschnitzel oder der „Hasenbraten“ bleiben. Warten wir es ab: Bald werden sich Jäger und Tierfreunde diskriminiert fühlen. Eingrenzung (Deutsche gleich Nazis) und Anglizismus (Tucholsky lässt grüßen) hat schon begonnen! Das verstehe ich genau so wenig, wie die Anrede eines Prof. Dr. Dr. nur noch mit Nachnahmen und zunehmend „du“. Bald sagt man distanzlos zum Bundespräsidenten: „Hör mal, Frank Walter...“ Ich allerdings nicht! Fazit: All die Unterschiede, die wir machen, ob Mann/Frau, dick/dünn, schwarz/weiß, groß/klein, Ami/Russe, homo/hetero, Zigeuner/Slawe, reich/arm, doof/schlau, behindert oder nicht, sind überflüssig wie ein Kropf und nur in unserem Hirn rassistisch! Für mich gab und gibt es nur einen Unterschied: Sympathisch oder nicht! Damit bin ich leidlich durchs lange Leben gekommen. Enttäuschungen gab es auch, aber die hielten sich in engen Grenzen - vielleicht ja nur deshalb! Joachim Vlecken, Porta Westfalica

Sympathie gewinnt

Bereits seit einiger Zeit gibt es Diskussionen, ob in Kinderbuchklassikern wie „Pippi Langstrumpf“ oder „Jim Knopf“ rassistische Begriffe stehen bleiben dürfen (MT vom 12. Februar).

Jetzt bin ich über 80 Jahre und da sagt ein Irgendwer, ich sei Rassist, weil ich den schwarzen Ami, der mir 1945 eine Banane schenkte, mochte? Farbenblind bin ich wohl auch, ist doch Herr Obama weder schwarz noch farbig und Herr Trump nicht weiß, allenfalls leicht „ferkelrosa“. Und dass Weiß nicht das Gelbe vom Ei ist, haben so Typen wie unter anderem Pilatus (Jesus), Spanier (Sephardim, Azteken), portugiesische Eroberer (Brasilien) oder - neuzeitlicher - Hitler, Mussolini und Trump bewiesen.

Rassistisch ist die Einordnung von Menschen als Ware (Sklavenhandel) oder in eine Farbpalette, weiß, gelb, schwarz. Ehrlich: Was interessiert mich die Hautfarbe, die Staatsangehörigkeit oder der Migrationshintergrund eines Menschen, wenn der mordet? Mörder ist Mörder!

Ebenso rassistisch ist die Ausgrenzung von Volksteilen: Bei Zigeunern gibt es etwa 20 Ethnien, nicht nur Sinti und Roma. Wie: Nicht Deutsche, nur Ostfriesen und Bayern, Westfalen? Nö. Ach ja, ist Alexandra rassistisch, weil sie den Zigeunerjungen so sehnsuchtsvoll anhimmelt? Und albern, ja kindisch wird es, wenn das Zigeunerschnitzel wegfällt, aber das Jägerschnitzel oder der „Hasenbraten“ bleiben. Warten wir es ab: Bald werden sich Jäger und Tierfreunde diskriminiert fühlen. Eingrenzung (Deutsche gleich Nazis) und Anglizismus (Tucholsky lässt grüßen) hat schon begonnen! Das verstehe ich genau so wenig, wie die Anrede eines Prof. Dr. Dr. nur noch mit Nachnahmen und zunehmend „du“. Bald sagt man distanzlos zum Bundespräsidenten: „Hör mal, Frank Walter...“ Ich allerdings nicht!

Fazit: All die Unterschiede, die wir machen, ob Mann/Frau, dick/dünn, schwarz/weiß, groß/klein, Ami/Russe, homo/hetero, Zigeuner/Slawe, reich/arm, doof/schlau, behindert oder nicht, sind überflüssig wie ein Kropf und nur in unserem Hirn rassistisch! Für mich gab und gibt es nur einen Unterschied: Sympathisch oder nicht! Damit bin ich leidlich durchs lange Leben gekommen. Enttäuschungen gab es auch, aber die hielten sich in engen Grenzen - vielleicht ja nur deshalb!

Joachim Vlecken, Porta Westfalica

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