Streitbare Krone Nach neun Monaten Zwangspause durch die Pandemie starten die Proben zum Kleinenbremer Theaterstück „Kirche & Krone“ im August neu. Geplant sind später fünf Aufführungen. Dass die Kleinenbremer Bürgermeisterin gut beraten ist, wenn sie sich öffentlich für das Theaterstück "Kirche und Krone" einsetzt, bezweifle ich. Es handelt sich nicht um irgendeine Krone. Es handelt sich um die für Wilhelm II 1889 angefertigte Krone, auch Hohenzollernkrone genannt, die für die (nie erfolgte) Krönung Wilhelms zum König von Preußen angefertigt wurde. Gegenwärtig sind die Restitutionsansprüche der Hohenzollern an das Land Brandenburg und die Bundesrepublik Deutschland gerichtsanhängig. Entschädigt werden kann nicht, wenn die Hohenzollern, hier zuerst der Kronprinz, dem Nationalsozialismus erheblichen Vorschub geleistet haben. Die Historiker Prof. Dr. Machtan, Dr. Malinowski und Prof. Dr. Conze kommen in ihren aktuellen Publikationen zum dezidierten Ergebnis, dass davon ausgegangen werden muss, dass die Hohenzollern den Nazis den Weg geebnet haben, weil sie die Republik hassten und das Ziel verfolgten, die Monarchie neu zu errichten. Da wirkt der Hinweis auf das Erstarken des Rechtspopulismus wie eine Entschuldigung dafür, dass das Theaterstück genau diesen fördert. In diesem reaktionären Milieu und unter dem SA-Sturmführer Wolrad zu Schaumburg Lippe hat Kurt von Plettenberg seinen Dienst in Berlin, Potsdam und Bückeburg versehen. Dafür, dass er Widerstandskämpfer war und am 10. März 1945 in Berlin Selbstmord begangen haben soll, gibt es keinerlei Belege, weder Dokumente noch Augen- und Zeitzeugen. Es gibt aber zweifelsfreie Belege dafür, dass er den Nationalsozialismus gewollt und unterstützt hat. Ein Blick in die Memoiren und Nachlässe des Reichsfinanzministers von Krosigk, der mit Ehrengard von Plettenberg verheiratet war, belegen das eindrucksvoll. Beatrix von Storch, im Bundesvorstand der AfD, ist die Enkelin des Reichsfinanzministers und mit Plettenberg verwandt. Ob die Nähe zu von Krosigk, der über zwölf Jahre Hitlers Kriege finanziert, die eroberten Gebiete ausgeplündert hat und dem reaktionären monarchischen Umfeld in Potsdam und Bückeburg der kirchlichen Würdigung geeignet ist, bezweifle ich sehr. Hans Ulrich Gräf, Minden

Streitbare Krone

Nach neun Monaten Zwangspause durch die Pandemie starten die Proben zum Kleinenbremer Theaterstück „Kirche & Krone“ im August neu. Geplant sind später fünf Aufführungen.

Dass die Kleinenbremer Bürgermeisterin gut beraten ist, wenn sie sich öffentlich für das Theaterstück "Kirche und Krone" einsetzt, bezweifle ich. Es handelt sich nicht um irgendeine Krone. Es handelt sich um die für Wilhelm II 1889 angefertigte Krone, auch Hohenzollernkrone genannt, die für die (nie erfolgte) Krönung Wilhelms zum König von Preußen angefertigt wurde. Gegenwärtig sind die Restitutionsansprüche der Hohenzollern an das Land Brandenburg und die Bundesrepublik Deutschland gerichtsanhängig. Entschädigt werden kann nicht, wenn die Hohenzollern, hier zuerst der Kronprinz, dem Nationalsozialismus erheblichen Vorschub geleistet haben.

Die Historiker Prof. Dr. Machtan, Dr. Malinowski und Prof. Dr. Conze kommen in ihren aktuellen Publikationen zum dezidierten Ergebnis, dass davon ausgegangen werden muss, dass die Hohenzollern den Nazis den Weg geebnet haben, weil sie die Republik hassten und das Ziel verfolgten, die Monarchie neu zu errichten. Da wirkt der Hinweis auf das Erstarken des Rechtspopulismus wie eine Entschuldigung dafür, dass das Theaterstück genau diesen fördert. In diesem reaktionären Milieu und unter dem SA-Sturmführer Wolrad zu Schaumburg Lippe hat Kurt von Plettenberg seinen Dienst in Berlin, Potsdam und Bückeburg versehen. Dafür, dass er Widerstandskämpfer war und am 10. März 1945 in Berlin Selbstmord begangen haben soll, gibt es keinerlei Belege, weder Dokumente noch Augen- und Zeitzeugen. Es gibt aber zweifelsfreie Belege dafür, dass er den Nationalsozialismus gewollt und unterstützt hat. Ein Blick in die Memoiren und Nachlässe des Reichsfinanzministers von Krosigk, der mit Ehrengard von Plettenberg verheiratet war, belegen das eindrucksvoll. Beatrix von Storch, im Bundesvorstand der AfD, ist die Enkelin des Reichsfinanzministers und mit Plettenberg verwandt. Ob die Nähe zu von Krosigk, der über zwölf Jahre Hitlers Kriege finanziert, die eroberten Gebiete ausgeplündert hat und dem reaktionären monarchischen Umfeld in Potsdam und Bückeburg der kirchlichen Würdigung geeignet ist, bezweifle ich sehr.

Hans Ulrich Gräf, Minden

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