Stellung beziehen In einem Leserbrief befürwortete dessen Verfasser die umstrittene Aktion Dutzender Schauspielerinnen und Schauspieler, die unter dem Hashtag #allesdichtmachen die Corona-Politik der Bundesregierung kritisiert haben. Welche Diskussion Herr Biere verfolgt hat? Ich weiß es nicht. Die, die ich mitbekommen habe, war sehr auf Fakten aufgebaut. Fakt ist, dass die Medien nicht Panikmache betreiben, sondern informieren. Ich als Biologin, die auch Fachliteratur lese, kann sagen, dass seit Beginn der Pandemie die Gefahr in Medien eher untertrieben wurde. Oder haben Sie schon mal etwas von Lewy Bodies in Zusammenhang mit Corona gehört? Und das ist nur ein Beispiel. Covid-19 ist nicht die Grippe, es sieht auf molekularer Ebene ganz anders aus und verhält sich auch anders. Es ist gefährlicher. Da gibt es keine zwei Fachmeinungen. Und ja, einige Videos waren für sich genommen okay. Wie einige Recherchearbeiten (zum Beispiel Tagesspiegel) nahe legen, waren viele der Künstler über die Richtung der Aktion auch nicht richtig informiert. Aber das Video von Liefers lässt dann doch keinen Interpretationsspielraum mehr zu. Hier wird der Vorwurf von gleichgeschalteter Presse erhoben. Das ist doch einfach Quatsch. Es haben im Gegenteil die Streecks, die Verharmloser überproportional viel Presse erhalten. Ohne die wären wir doch wirtschaftlich und menschlich besser durch den Winter gekommen. Das muss doch auch Nicht-Naturwissenschaftlern im Rückblick klar sein. Wenn die Medien hauptsächlich das Gleiche berichten, liegt es daran, dass es einfach der Wahrheit entspricht. Dann kann ein Medium nicht anders berichten, ohne zu lügen. Liefers delegitimiert die Presse mit seinen Vorwürfen. Das ist etwas, das auch Querdenker und Neuen-Rechte tun, die sich das wiederum von den Nazis abgeschaut haben. Und das ist gefährlich. Ein Gespräch mit Geschichtswissenschaftler und es werden schnell weitere Parallelen zu den 1920er/30er Jahren klar. Die Aktion hat Bedeutung über die Pandemie hinaus. Für wen „Wehret den Anfängen“ nicht nur leere Worthülsen sind, der muss sich laut und deutlich gegen diese Art von Wissenschafts- und Pressefeindlichkeit stellen. Nadine Thies-Zimmermann, Porta Westfalica

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In einem Leserbrief befürwortete dessen Verfasser die umstrittene Aktion Dutzender Schauspielerinnen und Schauspieler, die unter dem Hashtag #allesdichtmachen die Corona-Politik der Bundesregierung kritisiert haben.

Welche Diskussion Herr Biere verfolgt hat? Ich weiß es nicht. Die, die ich mitbekommen habe, war sehr auf Fakten aufgebaut. Fakt ist, dass die Medien nicht Panikmache betreiben, sondern informieren. Ich als Biologin, die auch Fachliteratur lese, kann sagen, dass seit Beginn der Pandemie die Gefahr in Medien eher untertrieben wurde. Oder haben Sie schon mal etwas von Lewy Bodies in Zusammenhang mit Corona gehört? Und das ist nur ein Beispiel. Covid-19 ist nicht die Grippe, es sieht auf molekularer Ebene ganz anders aus und verhält sich auch anders. Es ist gefährlicher. Da gibt es keine zwei Fachmeinungen.

Und ja, einige Videos waren für sich genommen okay. Wie einige Recherchearbeiten (zum Beispiel Tagesspiegel) nahe legen, waren viele der Künstler über die Richtung der Aktion auch nicht richtig informiert. Aber das Video von Liefers lässt dann doch keinen Interpretationsspielraum mehr zu. Hier wird der Vorwurf von gleichgeschalteter Presse erhoben. Das ist doch einfach Quatsch. Es haben im Gegenteil die Streecks, die Verharmloser überproportional viel Presse erhalten. Ohne die wären wir doch wirtschaftlich und menschlich besser durch den Winter gekommen. Das muss doch auch Nicht-Naturwissenschaftlern im Rückblick klar sein.

Wenn die Medien hauptsächlich das Gleiche berichten, liegt es daran, dass es einfach der Wahrheit entspricht. Dann kann ein Medium nicht anders berichten, ohne zu lügen. Liefers delegitimiert die Presse mit seinen Vorwürfen. Das ist etwas, das auch Querdenker und Neuen-Rechte tun, die sich das wiederum von den Nazis abgeschaut haben. Und das ist gefährlich. Ein Gespräch mit Geschichtswissenschaftler und es werden schnell weitere Parallelen zu den 1920er/30er Jahren klar.

Die Aktion hat Bedeutung über die Pandemie hinaus. Für wen „Wehret den Anfängen“ nicht nur leere Worthülsen sind, der muss sich laut und deutlich gegen diese Art von Wissenschafts- und Pressefeindlichkeit stellen.

Nadine Thies-Zimmermann, Porta Westfalica

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