Verantwortung der Medien Ein Leser stellt den redaktionellen Wert der Berichterstattung des MTs zur Corona-Pandemie infrage. Ausgabe MT vom 8. Januar: Teaser auf der Titelseite: „Keine angespannte Lage im Krematorium“ – dann auf Seite 2 die dicke Überschrift: „Noch ohne Sonderschichten“. Liebes MT – was soll das? Nicht jeder Mensch kann mit der nunmehr monatelangen Corona-Angst umgehen. Viele Menschen erleben täglichen psychischen Stress auf Basis neuester Horrormeldungen. Wo also liegt der redaktionelle Wert dieses Artikels, Krematorien im Zuge einer Pandemie zu erwähnen ohne journalistische Relevanz? Einmal drüber nachgedacht, die angespannte Lage auf behutsame Art etwas zu beruhigen? Die Zahl der Gesamtinfizierten braucht niemand. Als Tageszeitung gäbe es ja auch hier mehrere Möglichkeiten. Die Zahl 7.977 nennen oder als prozentualen Anteil der Einwohnerzahl im Kreis Minden Lübbecke. Das wären bei circa 310.000 Einwohnern ein Anteil von 2,57 Prozent Gesamtinfizierte. Aber so eine kleine Zahl schockt ja niemanden, da nehmen wir lieber die andere, liest sich besser. Mein Vorschlag wäre komplett mal darauf verzichten und den Menschen wieder ihre seelische Ruhe einkehren lassen. Irgendwann muss damit mal Schluss sein. Vorschlag: jetzt. Der Inzidenzwert ist wichtig, da hier auch politische Entscheidungen dazu getroffen werden – alles Relevante kann darauf reduziert werden. Besser: Den prozentualen Wert, der aktuell tatsächlich Infizierten in Bezug auf die Einwohner im Kreis daneben schreiben. Circa 1.700 oder anders: 0,55 Prozent. Eine beruhigendere Zahl. Meine Bitte: Überlegen Sie, was Sie schreiben den ganzen Tag. Was sein muss und was gegebenenfalls weniger reißerisch sein muss. Oder vielleicht komplett entfallen kann. Ich habe das Gefühl, dass viele Menschen dies in diesen Zeiten begrüßen würden. Wer es vermisst, findet im Internet genug solcher „Click-Bait“ (einfach mal nach dem Begriff suchen im Internet). Aber das ist ja nicht die Art und Weise des MTs. Oder? Sebastian Lacour, Hille

Verantwortung der Medien

Ein Leser stellt den redaktionellen Wert der Berichterstattung des MTs zur Corona-Pandemie infrage.

Ausgabe MT vom 8. Januar: Teaser auf der Titelseite: „Keine angespannte Lage im Krematorium“ – dann auf Seite 2 die dicke Überschrift: „Noch ohne Sonderschichten“.

Liebes MT – was soll das? Nicht jeder Mensch kann mit der nunmehr monatelangen Corona-Angst umgehen. Viele Menschen erleben täglichen psychischen Stress auf Basis neuester Horrormeldungen. Wo also liegt der redaktionelle Wert dieses Artikels, Krematorien im Zuge einer Pandemie zu erwähnen ohne journalistische Relevanz?

Einmal drüber nachgedacht, die angespannte Lage auf behutsame Art etwas zu beruhigen? Die Zahl der Gesamtinfizierten braucht niemand. Als Tageszeitung gäbe es ja auch hier mehrere Möglichkeiten. Die Zahl 7.977 nennen oder als prozentualen Anteil der Einwohnerzahl im Kreis Minden Lübbecke. Das wären bei circa 310.000 Einwohnern ein Anteil von 2,57 Prozent Gesamtinfizierte. Aber so eine kleine Zahl schockt ja niemanden, da nehmen wir lieber die andere, liest sich besser. Mein Vorschlag wäre komplett mal darauf verzichten und den Menschen wieder ihre seelische Ruhe einkehren lassen. Irgendwann muss damit mal Schluss sein. Vorschlag: jetzt.

Der Inzidenzwert ist wichtig, da hier auch politische Entscheidungen dazu getroffen werden – alles Relevante kann darauf reduziert werden. Besser: Den prozentualen Wert, der aktuell tatsächlich Infizierten in Bezug auf die Einwohner im Kreis daneben schreiben. Circa 1.700 oder anders: 0,55 Prozent. Eine beruhigendere Zahl.

Meine Bitte: Überlegen Sie, was Sie schreiben den ganzen Tag. Was sein muss und was gegebenenfalls weniger reißerisch sein muss. Oder vielleicht komplett entfallen kann. Ich habe das Gefühl, dass viele Menschen dies in diesen Zeiten begrüßen würden. Wer es vermisst, findet im Internet genug solcher „Click-Bait“ (einfach mal nach dem Begriff suchen im Internet). Aber das ist ja nicht die Art und Weise des MTs. Oder?

Sebastian Lacour, Hille

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