Schritt in die Artenarmut Betr.: VogelgrippeDie „Saison“ der Vogelgrippe ist mal wieder zu Ende. Wir sollten uns mal so unsere Gedanken machen. Erstmals nachgewiesen wurde die Vogelgrippe 1878 in Italien, im übrigen Europa 1930 und in Deutschland in Sachsen am 4. April 2006, am 3. August 2006 in Dresden, am 17. November 2014 in Mecklenburg-Vorpommern, am 16. November 2016 in Xanten. Jedes Jahr wiederholen sich die gleichen Vorgänge.Das Weihnachtsgeschäft läuft, die Geflügelställe sind zum Bersten voll, die Preise fallen wegen des Überangebotes an Geflügelfleisch. Die 30 000 Puten, 100 000 Hähnchen und Enten müssen auf den Markt, aber bei der Dimension fallen die Preise ins Uferlose. Und schon findet man eine verendete Ente oder auch einen Schwan. Dann kommt das Löffler-Institut und findet den Erreger H5N8. Und schon gilt für die ganze Republik die Aufstallpflicht für Geflügel.In Niedersachsen werden 30 000 Puten und 100 000 Hühner und Hähnchen sowie Enten und Gänse gekeult, weil bei einem Tier der Erreger H5N8 nachgewiesen wird. Und wo geschieht dies immer wieder und jedes Jahr aufs Neue? Bei der Massentierhaltung. Aber wie kann das überhaupt sein? Die Ställe sind komplett abgeriegelt, die Frischluftzufuhr wird gefiltert und ohne Schutzanzug und Schleusendesinfektion ist ein Betreten über Desinfektionsmatten in solchen Ställen gar nicht möglich. Bei der dann durchgeführten Keulung wird alles bis zum Wellensittich vernichtet.Der Bevölkerung wird berichtet, dass Zugvögel aus Süd-Ost-Asien den Erreger mitbringen. Schon in der Schule haben wir gelernt, dass unsere Zugvögel in den Süden Europas oder nach Afrika fliegen und dort überwintern. Aber wie kommt nun der Erreger in den hermetisch abgeriegelten Stall? Hierfür gibt es keine plausible Erklärung. Der kleine Tierhalter wird von der Obrigkeit unter Androhung von Strafen dazu verpflichtet, sein Geflügel in Ställen unterzubringen. Egal ob zwei oder zwanzig Hühner, Enten, Puten, Fasane, Gänse - alles Geflügel muss aufgestallt werden. Hier beginnt die massive Tierquälerei. Die Tiere in der Hobbyhaltung oder der Rassegeflügelzüchter sind die Freiheit gewöhnt. Wenn sie ständig eingesperrt werden, werden sie krank oder verhaltensgestört. Es ist sehr einfach, die Aufstallpflicht zu erlassen und damit löst sich das Problem von selbst. Eine Ausnahme ist eine nach oben und zu den Seiten geschlossene Voliere. Aber auch das nutzt nichts. Der nächste Fall zeigt, dass wieder 30 000 Puten zur Vernichtung freigegeben wurden. In der Nordwestzeitung vom 30. März wird berichtet, dass 560 000 gesunde Putenküken getötet wurden. Die Staatsanwaltschaft soll prüfen auf den Verdacht einer Straftat.Hat sich das Löffler-Institut schon mal Gedanken gemacht, wie der Erreger in den Hochsicherheitstrakt einer Mastanstalt kommen kann? Liegt es am Futter? Wie werden unsere Felder bestellt? Liegt es an der Düngung mit Gülle? Kuhdung wird mit Hühnermist angereichert, bei Bedarf aus dem Ausland dazu gekauft, der Inhalt der Biogasanlagen wird auf die Felder gebracht, die zur Futtergewinnung bestellt werden. Hier müsste bei der Bekämpfung der Vogelgrippe angefangen werden. Viele Rassegeflügelzüchter geben auf, um ihren Mitgeschöpfen das Aufstallen zu ersparen. So wird die Artenvielfalt immer weniger. Aber auch die Massentierhaltung wird Probleme bekommen, wenn die Kleintierzüchter aussterben. Um Genreserven zu erhalten, hat das Löffler-Institut bereits Geflügel-Sperma eingefroren. Das Bundeslandwirtschaftsministerium finanziert die Spermagewinnung mit 100 000 Euro, ordnet dann das Aufstallen an und übersieht, dass bereits viele Geflügelzüchter aufgegeben haben. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz - ein Schritt in die Artenarmut.Erich Lindsiepe, Porta Westfalica

Schritt in die Artenarmut

Betr.: Vogelgrippe

Die „Saison“ der Vogelgrippe ist mal wieder zu Ende. Wir sollten uns mal so unsere Gedanken machen. Erstmals nachgewiesen wurde die Vogelgrippe 1878 in Italien, im übrigen Europa 1930 und in Deutschland in Sachsen am 4. April 2006, am 3. August 2006 in Dresden, am 17. November 2014 in Mecklenburg-Vorpommern, am 16. November 2016 in Xanten. Jedes Jahr wiederholen sich die gleichen Vorgänge.

Das Weihnachtsgeschäft läuft, die Geflügelställe sind zum Bersten voll, die Preise fallen wegen des Überangebotes an Geflügelfleisch. Die 30 000 Puten, 100 000 Hähnchen und Enten müssen auf den Markt, aber bei der Dimension fallen die Preise ins Uferlose. Und schon findet man eine verendete Ente oder auch einen Schwan. Dann kommt das Löffler-Institut und findet den Erreger H5N8. Und schon gilt für die ganze Republik die Aufstallpflicht für Geflügel.

In Niedersachsen werden 30 000 Puten und 100 000 Hühner und Hähnchen sowie Enten und Gänse gekeult, weil bei einem Tier der Erreger H5N8 nachgewiesen wird. Und wo geschieht dies immer wieder und jedes Jahr aufs Neue? Bei der Massentierhaltung. Aber wie kann das überhaupt sein? Die Ställe sind komplett abgeriegelt, die Frischluftzufuhr wird gefiltert und ohne Schutzanzug und Schleusendesinfektion ist ein Betreten über Desinfektionsmatten in solchen Ställen gar nicht möglich. Bei der dann durchgeführten Keulung wird alles bis zum Wellensittich vernichtet.

Der Bevölkerung wird berichtet, dass Zugvögel aus Süd-Ost-Asien den Erreger mitbringen. Schon in der Schule haben wir gelernt, dass unsere Zugvögel in den Süden Europas oder nach Afrika fliegen und dort überwintern.

Aber wie kommt nun der Erreger in den hermetisch abgeriegelten Stall? Hierfür gibt es keine plausible Erklärung. Der kleine Tierhalter wird von der Obrigkeit unter Androhung von Strafen dazu verpflichtet, sein Geflügel in Ställen unterzubringen. Egal ob zwei oder zwanzig Hühner, Enten, Puten, Fasane, Gänse - alles Geflügel muss aufgestallt werden. Hier beginnt die massive Tierquälerei. Die Tiere in der Hobbyhaltung oder der Rassegeflügelzüchter sind die Freiheit gewöhnt. Wenn sie ständig eingesperrt werden, werden sie krank oder verhaltensgestört. Es ist sehr einfach, die Aufstallpflicht zu erlassen und damit löst sich das Problem von selbst.

Eine Ausnahme ist eine nach oben und zu den Seiten geschlossene Voliere. Aber auch das nutzt nichts. Der nächste Fall zeigt, dass wieder 30 000 Puten zur Vernichtung freigegeben wurden. In der Nordwestzeitung vom 30. März wird berichtet, dass 560 000 gesunde Putenküken getötet wurden. Die Staatsanwaltschaft soll prüfen auf den Verdacht einer Straftat.

Hat sich das Löffler-Institut schon mal Gedanken gemacht, wie der Erreger in den Hochsicherheitstrakt einer Mastanstalt kommen kann? Liegt es am Futter? Wie werden unsere Felder bestellt? Liegt es an der Düngung mit Gülle? Kuhdung wird mit Hühnermist angereichert, bei Bedarf aus dem Ausland dazu gekauft, der Inhalt der Biogasanlagen wird auf die Felder gebracht, die zur Futtergewinnung bestellt werden. Hier müsste bei der Bekämpfung der Vogelgrippe angefangen werden.

Viele Rassegeflügelzüchter geben auf, um ihren Mitgeschöpfen das Aufstallen zu ersparen. So wird die Artenvielfalt immer weniger. Aber auch die Massentierhaltung wird Probleme bekommen, wenn die Kleintierzüchter aussterben. Um Genreserven zu erhalten, hat das Löffler-Institut bereits Geflügel-Sperma eingefroren. Das Bundeslandwirtschaftsministerium finanziert die Spermagewinnung mit 100 000 Euro, ordnet dann das Aufstallen an und übersieht, dass bereits viele Geflügelzüchter aufgegeben haben. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz - ein Schritt in die Artenarmut.

Erich Lindsiepe, Porta Westfalica

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