Rufmord ist auch Mord Betr.: Berichte über entlassenen Waldorf-LehrerWer die Berichte zum Waldorflehrer untersucht hat, wird zu dem Schluss kommen, dass die erzwungene Entlassung des Lehrers mit unserem Grundgesetz nicht vereinbar ist. Der Lehrer hat sich nachweislich im Rahmen des Artikels 5 (Meinungsfreiheit) bewegt und sich in keinem Lebensbereich justiziabel etwas zu Schulden kommen lassen. Im Gegenteil: Er gilt seit 20 Jahren als beliebter und fachkundiger Lehrer. Da ihm nichts vorzuwerfen war, ist er seit seiner im Juni 2015 verabredeten Hetzjagd durch „Kontaktschuld“ und Stigmatisierung öffentlich geächtet und gehetzt wie ein Tier zur Strecke gebracht worden. „Kontaktschuld“ ist die Schuld, die man willkürlich dadurch angehängt bekommt, wenn man mit einem bereits öffentlich Geächteten persönlich in irgendeiner Weise in Verbindung gebracht werden kann, ohne, dass irgendwelche Vergehen nachgewiesen werden können. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Verbindung zufällig ist, seit Jahrzehnten zurückliegt oder, wie im vorliegenden Falle, es sich um bestattete Leichen handelt.Die zweite Kralle ist neben dem Anhängen von „Kontaktschuld“ die Kettenstigmatisierung, die mit denjenigen Begriffen erfolgt, die für eine öffentliche Ächtung geeignet erscheinen wie „rechtsextrem“ und Völkisch (früher „Kommunist“ oder „Linker“). Die Begriffe sind zunächst bloße Hülsen, die erst mit der Ideologisierung aufgefüllt, dann für den Betreffenden sehr gefährlich werden können. Da es nie um eine sachliche Auseinandersetzung geht, ist der Betreffende dem Treiben hilflos ausgeliefert. Durch die öffentliche Ächtung wird er zunehmend gesellschaftlich in die Isolation gedrängt und in vielen Fällen massiv in seiner wirtschaftlichen Existenz bedroht, was beabsichtigt ist beziehungsweise billigend in Kauf genommen wird. Erst kürzlich hat ein bloß durch „Kontaktschuld“ öffentlich geächteter Musiker einen Herzinfarkt erlitten, von dem er sich nicht mehr erholt hat. Rufmord ist auch Mord!In einem Leserbrief wird der „schmerzhafte Image-Verlust“ der Schule beklagt, wobei der Autor hofft, dass „die Folgen nicht allzu drastisch“ sein werden. Doch der Schlusssatz eines eben erschienenen Artikels von „NRW rechtsaußen“ verrät, dass der Lehrer nur als das erste „dankbare“ Opfer angesehen wird: „Die Auflösung des Arbeitsverhältnisses ... kann nur der notwendige Anfang einer Auseinandersetzung um extrem rechte Ideologie sein, und nicht ihr Abschluss, wie es die um Ruhe bemühte Waldorfschule vielleicht möchte.“ Damit wird deutlich, dass die Freiheit und die Unabhängigkeit der Waldorfschule nun verstärkt einer beständigen Bedrohung ausgesetzt sein wird. Die Mindener stehen vor der Entscheidung, ob sie mithelfen wollen, den verbrieften Schutz der persönlichen Ehre durch die Wiederherstellung des guten Rufes des Lehrers zu gewähren oder ob wir das Feld weiter den politischen Hexenjägern überlassen.Ralf Koneckis-Bienas, Dortmund

Rufmord ist auch Mord

Betr.: Berichte über entlassenen Waldorf-Lehrer

Wer die Berichte zum Waldorflehrer untersucht hat, wird zu dem Schluss kommen, dass die erzwungene Entlassung des Lehrers mit unserem Grundgesetz nicht vereinbar ist. Der Lehrer hat sich nachweislich im Rahmen des Artikels 5 (Meinungsfreiheit) bewegt und sich in keinem Lebensbereich justiziabel etwas zu Schulden kommen lassen. Im Gegenteil: Er gilt seit 20 Jahren als beliebter und fachkundiger Lehrer. Da ihm nichts vorzuwerfen war, ist er seit seiner im Juni 2015 verabredeten Hetzjagd durch „Kontaktschuld“ und Stigmatisierung öffentlich geächtet und gehetzt wie ein Tier zur Strecke gebracht worden. „Kontaktschuld“ ist die Schuld, die man willkürlich dadurch angehängt bekommt, wenn man mit einem bereits öffentlich Geächteten persönlich in irgendeiner Weise in Verbindung gebracht werden kann, ohne, dass irgendwelche Vergehen nachgewiesen werden können. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Verbindung zufällig ist, seit Jahrzehnten zurückliegt oder, wie im vorliegenden Falle, es sich um bestattete Leichen handelt.

Die zweite Kralle ist neben dem Anhängen von „Kontaktschuld“ die Kettenstigmatisierung, die mit denjenigen Begriffen erfolgt, die für eine öffentliche Ächtung geeignet erscheinen wie „rechtsextrem“ und Völkisch (früher „Kommunist“ oder „Linker“). Die Begriffe sind zunächst bloße Hülsen, die erst mit der Ideologisierung aufgefüllt, dann für den Betreffenden sehr gefährlich werden können. Da es nie um eine sachliche Auseinandersetzung geht, ist der Betreffende dem Treiben hilflos ausgeliefert. Durch die öffentliche Ächtung wird er zunehmend gesellschaftlich in die Isolation gedrängt und in vielen Fällen massiv in seiner wirtschaftlichen Existenz bedroht, was beabsichtigt ist beziehungsweise billigend in Kauf genommen wird. Erst kürzlich hat ein bloß durch „Kontaktschuld“ öffentlich geächteter Musiker einen Herzinfarkt erlitten, von dem er sich nicht mehr erholt hat. Rufmord ist auch Mord!

In einem Leserbrief wird der „schmerzhafte Image-Verlust“ der Schule beklagt, wobei der Autor hofft, dass „die Folgen nicht allzu drastisch“ sein werden. Doch der Schlusssatz eines eben erschienenen Artikels von „NRW rechtsaußen“ verrät, dass der Lehrer nur als das erste „dankbare“ Opfer angesehen wird: „Die Auflösung des Arbeitsverhältnisses ... kann nur der notwendige Anfang einer Auseinandersetzung um extrem rechte Ideologie sein, und nicht ihr Abschluss, wie es die um Ruhe bemühte Waldorfschule vielleicht möchte.“ Damit wird deutlich, dass die Freiheit und die Unabhängigkeit der Waldorfschule nun verstärkt einer beständigen Bedrohung ausgesetzt sein wird. Die Mindener stehen vor der Entscheidung, ob sie mithelfen wollen, den verbrieften Schutz der persönlichen Ehre durch die Wiederherstellung des guten Rufes des Lehrers zu gewähren oder ob wir das Feld weiter den politischen Hexenjägern überlassen.

Ralf Koneckis-Bienas, Dortmund

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