Royale Mächte Georg Friedrich von Preußen finanziert ein Buch, das wenig schmeichelhaft mit seinem Vorfahren umgeht. Dennoch lässt er eine Entschädigungsklage nicht fallen. Abweichend vom MT berichtet die "SZ", dass es Kaiser Wilhelm II war, der erheblich dazu beigetragen hat, Deutschland und die Welt in den Ersten Weltkrieg zu stürzen, die "taz" stellt fest, dass die Forderungen nach Restitution zutiefst unmoralisch bleiben und „Der Spiegel" berichtet in Ausgabe 3/21 umfassend darüber, dass Wilhelm II, ein Antisemit, unverblümt gegen Juden gehetzt hat. Mit Abdankung Wilhelm II am 9. November 1918 war die royale Macht in Deutschland beendet. Politisch geht es um weit mehr als um die Anbiederung bei den Nazis. Politisch geht es um die DNA des vormaligen Herrscherhauses und die Unverträglichkeit von Demokratie mit royalem Dünkel und Gehabe. Von Demokraten darf man Distanzierung erwarten. Der Großvater des in Rede stehenden Kronprinzen Wilhelm, Wilhelm I, auch " Kartätschenprinz " genannt, ist derjenige, der als Prinz entscheidend dazu beigetragen hat, dass die junge deutsche Freiheits- und Demokratiebewegung von 1848/49 in Berlin und dem damaligen Baden blutig niedergeschlagen wurde und der trotzdem immer noch, hoch oben über der Porta thronend, den Mindenern den Weg nach Berlin weist. Der Vater des Kronprinzen Wilhelm, Wilhelm II, hat 1914 nicht nur die Welt in einen schrecklichen Vernichtungskrieg getrieben, sondern als Weimarer Reaktionär mit dem Kronprinzen zusammen auch erheblich dazu beigetragen, dass die Weimarer Republik, die Erste Demokratie auf deutschen Boden, gescheitert ist. Beide sind Totengräber der Ersten Republik. Dass das vormals regierende preußische Königshaus dann dem Nationalsozialismus auch noch aufs Pferd geholfen hat, ist in der Wissenschaft unumstritten. Gestritten wird nur über die Mittel und die Wege. Für Politik und Kirche muss die Hohenzollern-DNA zweifelsfreier Anlass sein, dem vormals regierenden Herrscherhaus den Stempel der "personae non gratae" aufzudrücken, anstatt den heutigen Repräsentanten dieser DNA mit Grußworten auf Buchpräsentationen und Theaterstücken über die Wanderschaft der Kaiserkrone die große Bühne zu bereiten. Hans Ulrich Gräf, Minden
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Royale Mächte

Georg Friedrich von Preußen finanziert ein Buch, das wenig schmeichelhaft mit seinem Vorfahren umgeht. Dennoch lässt er eine Entschädigungsklage nicht fallen.

Abweichend vom MT berichtet die "SZ", dass es Kaiser Wilhelm II war, der erheblich dazu beigetragen hat, Deutschland und die Welt in den Ersten Weltkrieg zu stürzen, die "taz" stellt fest, dass die Forderungen nach Restitution zutiefst unmoralisch bleiben und „Der Spiegel" berichtet in Ausgabe 3/21 umfassend darüber, dass Wilhelm II, ein Antisemit, unverblümt gegen Juden gehetzt hat.

Mit Abdankung Wilhelm II am 9. November 1918 war die royale Macht in Deutschland beendet. Politisch geht es um weit mehr als um die Anbiederung bei den Nazis. Politisch geht es um die DNA des vormaligen Herrscherhauses und die Unverträglichkeit von Demokratie mit royalem Dünkel und Gehabe. Von Demokraten darf man Distanzierung erwarten. Der Großvater des in Rede stehenden Kronprinzen Wilhelm, Wilhelm I, auch " Kartätschenprinz " genannt, ist derjenige, der als Prinz entscheidend dazu beigetragen hat, dass die junge deutsche Freiheits- und Demokratiebewegung von 1848/49 in Berlin und dem damaligen Baden blutig niedergeschlagen wurde und der trotzdem immer noch, hoch oben über der Porta thronend, den Mindenern den Weg nach Berlin weist.

Der Vater des Kronprinzen Wilhelm, Wilhelm II, hat 1914 nicht nur die Welt in einen schrecklichen Vernichtungskrieg getrieben, sondern als Weimarer Reaktionär mit dem Kronprinzen zusammen auch erheblich dazu beigetragen, dass die Weimarer Republik, die Erste Demokratie auf deutschen Boden, gescheitert ist. Beide sind Totengräber der Ersten Republik.

Dass das vormals regierende preußische Königshaus dann dem Nationalsozialismus auch noch aufs Pferd geholfen hat, ist in der Wissenschaft unumstritten. Gestritten wird nur über die Mittel und die Wege. Für Politik und Kirche muss die Hohenzollern-DNA zweifelsfreier Anlass sein, dem vormals regierenden Herrscherhaus den Stempel der "personae non gratae" aufzudrücken, anstatt den heutigen Repräsentanten dieser DNA mit Grußworten auf Buchpräsentationen und Theaterstücken über die Wanderschaft der Kaiserkrone die große Bühne zu bereiten.

Hans Ulrich Gräf, Minden

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