Rettung oder Gnadenschuss? Die Feuerwehr hat in Neuss ein Wildschwein vor dem Ertrinken in einem Swimmingpool bewahrt. Das Wesen mit Verstand greift massiv in die Natur ein, vernichtet Lebensräume von Pflanzen und Tieren aus purem Eigennutz, setzt die Regulierung durch die Evolution außer Kraft und empört sich über Tiere, Pflanzen und Viren, die als Folge zu Störenfrieden für uns werden. Wir sind mit zwei total gegensätzlichen Wesenseigenschaften ausgestattet. Wenn wir uns durch vereinzelte Wildtiere bedroht fühlen, fordern wir kategorisch deren Abschuss. Wenn männliche Küken geschreddert oder vergast werden, scheinen wir das hinzunehmen, weil sie weniger Geld bringen. Wer aber ein entzückendes, flauschiges, männliches Küken in der Hand halten durfte, zeigt starke positive Gefühle. Wir wissen, dass die massive Verbreitung der Wildschweine, deren Lebensräume wir zerstückelt haben, dringend reguliert werden muss. Der Mensch ist gezwungen, die Rolle der Fressfeinde zu übernehmen. Und nun kommt wieder unser Gefühl ins Spiel: Ein Wildschwein bricht durch die Eisdecke eines Pools, weil die Nähe zum Menschen zur schlechten Notwendigkeit geworden ist. Die aberwitzige Rettungsaktion der Feuerwehr bedeutet extremen Stress für das Tier. Die Erlösung durch einen Jäger wäre gnädig und vernünftig gewesen. Hannelore Hoffmann, Minden

Rettung oder Gnadenschuss?

Die Feuerwehr hat in Neuss ein Wildschwein vor dem Ertrinken in einem Swimmingpool bewahrt.

Das Wesen mit Verstand greift massiv in die Natur ein, vernichtet Lebensräume von Pflanzen und Tieren aus purem Eigennutz, setzt die Regulierung durch die Evolution außer Kraft und empört sich über Tiere, Pflanzen und Viren, die als Folge zu Störenfrieden für uns werden.

Wir sind mit zwei total gegensätzlichen Wesenseigenschaften ausgestattet. Wenn wir uns durch vereinzelte Wildtiere bedroht fühlen, fordern wir kategorisch deren Abschuss. Wenn männliche Küken geschreddert oder vergast werden, scheinen wir das hinzunehmen, weil sie weniger Geld bringen. Wer aber ein entzückendes, flauschiges, männliches Küken in der Hand halten durfte, zeigt starke positive Gefühle.

Wir wissen, dass die massive Verbreitung der Wildschweine, deren Lebensräume wir zerstückelt haben, dringend reguliert werden muss. Der Mensch ist gezwungen, die Rolle der Fressfeinde zu übernehmen. Und nun kommt wieder unser Gefühl ins Spiel: Ein Wildschwein bricht durch die Eisdecke eines Pools, weil die Nähe zum Menschen zur schlechten Notwendigkeit geworden ist. Die aberwitzige Rettungsaktion der Feuerwehr bedeutet extremen Stress für das Tier. Die Erlösung durch einen Jäger wäre gnädig und vernünftig gewesen.

Hannelore Hoffmann, Minden

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