Reformen nötig Die Polizei Essen-Mülheim stand in den vergangenen Monaten immer wieder wegen Rassismus- und Gewaltvorwürfen in den Schlagzeilen. Der Minister weint, der Essener Polizeipräsident dementiert. Chatgruppen mit rechten oder anderen diffamierenden und diskriminierenden Themen bei Uniformträgern, deren Aufgabe es ist, rechtsstaatliche Prinzipien zu garantieren – ein Skandal! Wer aber glaubt, dass Polizisten und Polizistinnen mit ihrer Ernennung automatisch ohne jeden Fehl und Tadel wären, dass sich bei ihnen nie Einstellungen verfestigen können, die dem Berufsbild nicht zuträglich sind, der glorifiziert (oder träumt). Ob bei der Verfolgung von Straftätern, beim Einsatz in größeren Gefahrenlagen oder gegen Hooligans beziehungsweise andere gewalttätige Gruppen wie zum Beispiel beim G20-Gipfel: Polizisten müssen sich aufeinander 100-prozentig verlassen können. Ein intensiver Gruppenzusammenhalt kann lebensrettend sein. Das birgt Gefahren, muss aber nicht zwangsläufig zu Extremismus führen. Wenn jedoch Führungsstrukturen auch außerhalb geschlossener Einsätze keinen Raum für Mitwirkung, für Kritik und Innovation bieten, wenn Mitarbeiter ausschließlich im Top-Down-System geführt werden, Beurteilungen und damit Beförderungsmöglichkeiten nicht transparent sind, Vorgesetzte nur danach schielen, wie sie der nächst höheren Ebene „gefallen“ können, dann baut sich Frust und Missmut auf. Wenn ich jede Woche meinen Kopf hinhalten soll, weil politische oder polizeiliche Entscheidungsträger „keinen Mumm im Ärmel“ haben, mag der eine oder die andere auf krumme Gedanken kommen. Dass der braune Sumpf sich hier gern als Identifikationsobjekt anbietet, scheint man nun auch in den Ministerien erkannt zu haben. Eine verbesserte Personal(vor)auswahl allein heilt dieses Problem nicht. Die verkrusteten Strukturen bedürfen neben begleitender staatsbürgerlicher Bildung auch dringend weitere Reformen im Bereich der Personalführung. Manchmal reicht es schon, die Vorgesetzten rotieren zu lassen. Eine angemessene Personalstärke schadet sicher auch nicht. Oder will man weiter die Anzahl der Verwarnungsgelder zum Maßstab erheben? Thomas Krone, Minden

Reformen nötig

Die Polizei Essen-Mülheim stand in den vergangenen Monaten immer wieder wegen Rassismus- und Gewaltvorwürfen in den Schlagzeilen.

Der Minister weint, der Essener Polizeipräsident dementiert. Chatgruppen mit rechten oder anderen diffamierenden und diskriminierenden Themen bei Uniformträgern, deren Aufgabe es ist, rechtsstaatliche Prinzipien zu garantieren – ein Skandal! Wer aber glaubt, dass Polizisten und Polizistinnen mit ihrer Ernennung automatisch ohne jeden Fehl und Tadel wären, dass sich bei ihnen nie Einstellungen verfestigen können, die dem Berufsbild nicht zuträglich sind, der glorifiziert (oder träumt).

Ob bei der Verfolgung von Straftätern, beim Einsatz in größeren Gefahrenlagen oder gegen Hooligans beziehungsweise andere gewalttätige Gruppen wie zum Beispiel beim G20-Gipfel: Polizisten müssen sich aufeinander 100-prozentig verlassen können. Ein intensiver Gruppenzusammenhalt kann lebensrettend sein.

Das birgt Gefahren, muss aber nicht zwangsläufig zu Extremismus führen. Wenn jedoch Führungsstrukturen auch außerhalb geschlossener Einsätze keinen Raum für Mitwirkung, für Kritik und Innovation bieten, wenn Mitarbeiter ausschließlich im Top-Down-System geführt werden, Beurteilungen und damit Beförderungsmöglichkeiten nicht transparent sind, Vorgesetzte nur danach schielen, wie sie der nächst höheren Ebene „gefallen“ können, dann baut sich Frust und Missmut auf. Wenn ich jede Woche meinen Kopf hinhalten soll, weil politische oder polizeiliche Entscheidungsträger „keinen Mumm im Ärmel“ haben, mag der eine oder die andere auf krumme Gedanken kommen. Dass der braune Sumpf sich hier gern als Identifikationsobjekt anbietet, scheint man nun auch in den Ministerien erkannt zu haben.

Eine verbesserte Personal(vor)auswahl allein heilt dieses Problem nicht. Die verkrusteten Strukturen bedürfen neben begleitender staatsbürgerlicher Bildung auch dringend weitere Reformen im Bereich der Personalführung. Manchmal reicht es schon, die Vorgesetzten rotieren zu lassen. Eine angemessene Personalstärke schadet sicher auch nicht. Oder will man weiter die Anzahl der Verwarnungsgelder zum Maßstab erheben?

Thomas Krone, Minden

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