Rechenfehler Finanziell ist die Sanierung des Mindener Rathauskomplexes aus dem Ruder gelaufen. Nun hat das Rechnungsprüfungsamt einen Bericht vorgelegt. Die Rathaussanierung macht deutlich, dass in Minden offensichtlich ein spezielles Verständnis über die gesetzlich vorgeschriebene wirtschaftliche Haushaltsführung (siehe Paragrafen 1, 10 und 75 Gemeindeordnung Nordrhein-Westfalen) besteht. Der einfache Bürger fragt sich, welchen Teil dieser Vorschriften hat der Verwaltungsvorstand der Stadt nicht verstanden? Da wird beschlossen Spültischgarnituren zu beschaffen, die inklusive Wartungsvertrag über vier Jahre 120.000 Euro kosten. Diese Armaturen sind in der Lage Leitungswasser aufzusprudeln und dadurch werden 3.000 Euro an Mineralwasser für die Beschäftigten und 4.500 Euro für Sitzungsbewirtung eingespart. Also ich habe nicht Mathematik studiert, aber ich kann etwas rechnen. Wenn ich jährlich Einsparungen von 7.500 Euro beim Kauf von Mineralwasser habe, aber 16.000 Euro jährlich an Wartungskosten für die Spültischgarnituren, bedeutet das ein Minus von 8.500 Euro im Jahr. Wenn ich zugrunde lege, dass die Gesamtkosten der Spültischgarnituren 120.000 Euro über vier Jahre betragen, dann könnte die Stadt 16 Jahre lang Mineralwasser für 7.500 Euro pro Jahr beschaffen. Dann ist der Wartungsvertrag vermutlich schon dreimal verlängert worden, was zusätzliche Kosten bedeutet. Zur Erneuerung der Spiegelwand orientiert die Stadt sich am Spiegelsaal von Versailles. Das ist angemessen, denn Ludwig der IX hatte auch nicht genug Geld zur Verfügung und das Volk musste bezahlen. Warum sollte Minden da anders handeln? Natürlich ist auch mir klar, dass bei der Sanierung des Rathauses viele Unwägbarkeiten auftreten, die zusätzliche Ausgaben erfordern, aber die allein diese zwei Beispiele zeigen deutlich, dass sparsame Haushaltsführung für die Stadt Minden offensichtlich ein Fremdwort ist. Dass die von uns gewählten Politiker sich nicht besonders kritisch (von wenigen Ausnahmen abgesehen) äußern, überrascht in Minden wahrscheinlich niemanden mehr. Übrigens wird mir jetzt schon übel, wenn ich daran denke, dass eine Multifunktionsarena gebaut werden soll. Martin Janke, Minden

Rechenfehler

Finanziell ist die Sanierung des Mindener Rathauskomplexes aus dem Ruder gelaufen. Nun hat das Rechnungsprüfungsamt einen Bericht vorgelegt.

Die Rathaussanierung macht deutlich, dass in Minden offensichtlich ein spezielles Verständnis über die gesetzlich vorgeschriebene wirtschaftliche Haushaltsführung (siehe Paragrafen 1, 10 und 75 Gemeindeordnung Nordrhein-Westfalen) besteht. Der einfache Bürger fragt sich, welchen Teil dieser Vorschriften hat der Verwaltungsvorstand der Stadt nicht verstanden?

Da wird beschlossen Spültischgarnituren zu beschaffen, die inklusive Wartungsvertrag über vier Jahre 120.000 Euro kosten. Diese Armaturen sind in der Lage Leitungswasser aufzusprudeln und dadurch werden 3.000 Euro an Mineralwasser für die Beschäftigten und 4.500 Euro für Sitzungsbewirtung eingespart. Also ich habe nicht Mathematik studiert, aber ich kann etwas rechnen. Wenn ich jährlich Einsparungen von 7.500 Euro beim Kauf von Mineralwasser habe, aber 16.000 Euro jährlich an Wartungskosten für die Spültischgarnituren, bedeutet das ein Minus von 8.500 Euro im Jahr. Wenn ich zugrunde lege, dass die Gesamtkosten der Spültischgarnituren 120.000 Euro über vier Jahre betragen, dann könnte die Stadt 16 Jahre lang Mineralwasser für 7.500 Euro pro Jahr beschaffen. Dann ist der Wartungsvertrag vermutlich schon dreimal verlängert worden, was zusätzliche Kosten bedeutet.

Zur Erneuerung der Spiegelwand orientiert die Stadt sich am Spiegelsaal von Versailles. Das ist angemessen, denn Ludwig der IX hatte auch nicht genug Geld zur Verfügung und das Volk musste bezahlen. Warum sollte Minden da anders handeln? Natürlich ist auch mir klar, dass bei der Sanierung des Rathauses viele Unwägbarkeiten auftreten, die zusätzliche Ausgaben erfordern, aber die allein diese zwei Beispiele zeigen deutlich, dass sparsame Haushaltsführung für die Stadt Minden offensichtlich ein Fremdwort ist. Dass die von uns gewählten Politiker sich nicht besonders kritisch (von wenigen Ausnahmen abgesehen) äußern, überrascht in Minden wahrscheinlich niemanden mehr.

Übrigens wird mir jetzt schon übel, wenn ich daran denke, dass eine Multifunktionsarena gebaut werden soll.

Martin Janke, Minden

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