Polarisierendes Kunstwerk Seit das Keilstück 1987 in der Oberen Altstadt aufgestellt wurde, war es häufig Stein des Anstoßes, bis hin zum Wahlkampfthema. Sein Schöpfer, der Bildhauer Wilfried Hagebölling, wurde am 9. Juni 80 Jahre alt. Er hat es wieder einmal auf die Titelseite des MT geschafft: der Kunstschweißer Hagebölling mit seinem von ihm „Keilstück“ benannten Hundeklo! Aber dieses Hundeklo ist kein Hundeklo, dieses Hundeklo ist ein Kunstwerk, ein fleißiges, tätiges obendrein: Seit nun 40 Jahren fängt es die Restenergien des Martinikirchhofes ein! Mit welchem Erfolg, das zeigt sich, wenn man hin und wieder in sein Inneres schaut, denn natürlich werden diese Energien bei jeder Säuberung abgefahren – aber wohin? Und was geschieht dort mit ihnen? Zugleich ist dieses Hundeklo ein Denkmal der Intoleranz. Ein Kunstwerk bleibt auch dann ein Kunstwerk, wenn es zeitweilig, beispielsweise in eine Sonderausstellung, oder dauerhaft, zum Beispiel durch Verkauf, an einen anderen Ort versetzt wird. Das würden sich viele Mindener auch für das von ihnen an seinem jetzigen Standort ungeliebte Hundeklo wünschen. Würde es in den Grünanlagen am Schwichowwall, im Glacis oder vor dem Rathaus einen neuen Standort finden, so könnte mancher Mindener es auch als Kunstwerk anerkennen. Das aber verhindert sein Schöpfer. Er verlangt Toleranz von den Mindenern, die genau diese Toleranz jetzt seit 40 Jahren tolerieren, aber er selbst ist nicht so tolerant, dass er seiner Schöpfung das Prädikat „Kunstwerk“ auch an einem anderen Ort zuerkennen würde. Und so ist sein Keilstück dazu verdammt weiterhin als Hundeklo Restenergien einzufangen – aber gibt es noch welche? Hans Dieter Seckelmann, Minden

Polarisierendes Kunstwerk

Seit das Keilstück 1987 in der Oberen Altstadt aufgestellt wurde, war es häufig Stein des Anstoßes, bis hin zum Wahlkampfthema. Sein Schöpfer, der Bildhauer Wilfried Hagebölling, wurde am 9. Juni 80 Jahre alt.

Er hat es wieder einmal auf die Titelseite des MT geschafft: der Kunstschweißer Hagebölling mit seinem von ihm „Keilstück“ benannten Hundeklo! Aber dieses Hundeklo ist kein Hundeklo, dieses Hundeklo ist ein Kunstwerk, ein fleißiges, tätiges obendrein: Seit nun 40 Jahren fängt es die Restenergien des Martinikirchhofes ein! Mit welchem Erfolg, das zeigt sich, wenn man hin und wieder in sein Inneres schaut, denn natürlich werden diese Energien bei jeder Säuberung abgefahren – aber wohin? Und was geschieht dort mit ihnen?

Zugleich ist dieses Hundeklo ein Denkmal der Intoleranz. Ein Kunstwerk bleibt auch dann ein Kunstwerk, wenn es zeitweilig, beispielsweise in eine Sonderausstellung, oder dauerhaft, zum Beispiel durch Verkauf, an einen anderen Ort versetzt wird. Das würden sich viele Mindener auch für das von ihnen an seinem jetzigen Standort ungeliebte Hundeklo wünschen. Würde es in den Grünanlagen am Schwichowwall, im Glacis oder vor dem Rathaus einen neuen Standort finden, so könnte mancher Mindener es auch als Kunstwerk anerkennen. Das aber verhindert sein Schöpfer. Er verlangt Toleranz von den Mindenern, die genau diese Toleranz jetzt seit 40 Jahren tolerieren, aber er selbst ist nicht so tolerant, dass er seiner Schöpfung das Prädikat „Kunstwerk“ auch an einem anderen Ort zuerkennen würde. Und so ist sein Keilstück dazu verdammt weiterhin als Hundeklo Restenergien einzufangen – aber gibt es noch welche?

Hans Dieter Seckelmann, Minden

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