Parkinson-Risiko durch Milch? Der Gütersloher Arzt Bodo Melnik hat Belege für einen Zusammenhang zwischen Milchkonsum und der Parkinsonkrankheit vorgelegt, so ein MT-Artikel vom 18. Februar. Einem Leser, der selbst aktiv in der Parkinson Gruppe Minden ist, ist dieser Artikel nicht differenziert genug. Morbus Parkinson ist eine Krankheit, über deren Ursache und Therapie wenig bekannt ist. Vermutet wird seit Längerem ein Zusammenhang mit der Aufnahme von Umweltgiften über die Nahrungskette. In MT-Artikel wurde die These aufgestellt, dass Milchkonsum die Entstehung von Parkinson durch eine überhöhte Bildung von Alpha-Synuklein im Darm begünstigt. Es ist aber länger bekannt, dass sich Parkinson über den Darm entwickeln kann. In der Fachzeitschrift Neurology wird berichtet, dass die Rate an Parkinson zu erkranken bei drei oder mehr Portionen fettreduzierter Milchprodukte pro Tag um 34 Prozent höher sei. Allerdings muss man mit diesen kausalen Schlüssen sehr vorsichtig sein. In den Studien wurde nämlich der relative Risikoanstieg und nicht der absolute Anstieg angegeben. In absoluten Zahlen sieht das Risiko anders aus. Von den 100 Personen erkranken 25 Jahre später nur rund 0,6 Prozent an Parkinson. Forscher der Uni Basel haben aktuell durch pathologische Untersuchungen am Gewebe von Parkinsonpatienten die These widerlegt, dass erhöhte Werte von Alpha-Synuklein die Entstehung von Parkinson begünstigt. In mikroskopischen Untersuchungen wurde unerwartet nur eine verschwindend kleine Menge an Fibrillen in den Lewykörperchen nachgewiesen. Diese Forschung zeigt nachhaltig, dass die These der überhöhten Alpha-Synuclein-Fibrillen als Ursache der Parkinsonkrankheit hinterfragt werden muss. Leider ist im MT-Artikel nur wenig (entgegen der Überschrift) vom Zusammenhang Parkinson und Milch beschrieben worden. Soll man nun keine fettarme Milch trinken, wenn man sich um Parkinson sorgt? Da die kausale Frage ungeklärt ist und der absolute Effekt – wenn es ihn gibt – klein ist, sollte man sich keine großen Sorgen machen und einfach entspannt trinken, was einem schmeckt. Jürgen Reipert, Minden

Parkinson-Risiko durch Milch?

Der Gütersloher Arzt Bodo Melnik hat Belege für einen Zusammenhang zwischen Milchkonsum und der Parkinsonkrankheit vorgelegt, so ein MT-Artikel vom 18. Februar. Einem Leser, der selbst aktiv in der Parkinson Gruppe Minden ist, ist dieser Artikel nicht differenziert genug.

Morbus Parkinson ist eine Krankheit, über deren Ursache und Therapie wenig bekannt ist. Vermutet wird seit Längerem ein Zusammenhang mit der Aufnahme von Umweltgiften über die Nahrungskette. In MT-Artikel wurde die These aufgestellt, dass Milchkonsum die Entstehung von Parkinson durch eine überhöhte Bildung von Alpha-Synuklein im Darm begünstigt. Es ist aber länger bekannt, dass sich Parkinson über den Darm entwickeln kann. In der Fachzeitschrift Neurology wird berichtet, dass die Rate an Parkinson zu erkranken bei drei oder mehr Portionen fettreduzierter Milchprodukte pro Tag um 34 Prozent höher sei. Allerdings muss man mit diesen kausalen Schlüssen sehr vorsichtig sein. In den Studien wurde nämlich der relative Risikoanstieg und nicht der absolute Anstieg angegeben. In absoluten Zahlen sieht das Risiko anders aus. Von den 100 Personen erkranken 25 Jahre später nur rund 0,6 Prozent an Parkinson.

Forscher der Uni Basel haben aktuell durch pathologische Untersuchungen am Gewebe von Parkinsonpatienten die These widerlegt, dass erhöhte Werte von Alpha-Synuklein die Entstehung von Parkinson begünstigt. In mikroskopischen Untersuchungen wurde unerwartet nur eine verschwindend kleine Menge an Fibrillen in den Lewykörperchen nachgewiesen. Diese Forschung zeigt nachhaltig, dass die These der überhöhten Alpha-Synuclein-Fibrillen als Ursache der Parkinsonkrankheit hinterfragt werden muss.

Leider ist im MT-Artikel nur wenig (entgegen der Überschrift) vom Zusammenhang Parkinson und Milch beschrieben worden. Soll man nun keine fettarme Milch trinken, wenn man sich um Parkinson sorgt? Da die kausale Frage ungeklärt ist und der absolute Effekt – wenn es ihn gibt – klein ist, sollte man sich keine großen Sorgen machen und einfach entspannt trinken, was einem schmeckt.

Jürgen Reipert, Minden

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