Menschenrechte realisieren Die Initiative Seebrücke ist unzufrieden mit der Zahl der Menschen, die aus griechischen Lagern gerettet werden konnten. Die Lokalgruppe Minden fordert in einem offenen Brief unter anderem eine Wiederaufnahme staatlich organisierter Seenotrettung und die Entkriminalisierung der zivilen Seenotrettung. „Welcome to Europe – Human Rights Graveyard“ – „Willkommen in Europa auf dem Friedhof der Menschenrechte!“ Dieser Spruch ist noch immer an der Außenmauer der Brandruine von Moria zu lesen. Wie ist das möglich, dass in der EU, die sich laut Artikel 2 des Vertrags über die Europäische Union auf Werte wie Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte gründet, die Politik Verrat begeht an ihren eigenen Wertevorstellungen? Die Rechte der geflüchteten Menschen drohen mehr und mehr der Gleichgültigkeit anheimzufallen. Erregte vor ein paar Jahren das alltägliche Sterben von Männern, Frauen und Kindern vor unserer Haustür noch Entsetzen und Fassungslosigkeit, schaut die europäische Öffentlichkeit heute kaum noch hin. Stattdessen überbieten sich deutsche und europäische Politiker und Politikerinnen mit Vorschlägen, wie man die Tore Europas vor ungebetenen Schutzsuchenden endgültig verschließen könnte. Angestrebt wird, Flüchtlinge von der EU fernzuhalten und in Drittstaaten außerhalb Europas zu bringen. Dabei schreckt die EU vor keinem Partner zurück. So lässt sie Flüchtlinge von der libyschen Küstenwache, die von brutalen Milizen durchsetzt ist, abfangen, wo ihnen Folter, Versklavung, Vergewaltigung oder Mord drohen. In vielen Städten in Deutschland (und in anderen europäischen Städten) haben sich Organisationen wie die „Seebrücke – sicherer Hafen“ gegründet, um ihre Bereitschaft zu zeigen, mehr Flüchtlinge aufzunehmen und eine starke Gegenstimme zur Abschottungspolitik der Bundesregierung zu bilden. Es ist eine humanitäre und notwendige Sache, dass es die Seebrücke in Minden gibt. Ein Traum wäre es, stünde dann eines Tages auf den Mauern der Hafeneinfahrt: „Welcome to Europe – Human Rights Realization.“ Christiane Haselau, Porta Westfalica

Menschenrechte realisieren

Die Initiative Seebrücke ist unzufrieden mit der Zahl der Menschen, die aus griechischen Lagern gerettet werden konnten. Die Lokalgruppe Minden fordert in einem offenen Brief unter anderem eine Wiederaufnahme staatlich organisierter Seenotrettung und die Entkriminalisierung der zivilen Seenotrettung.

„Welcome to Europe – Human Rights Graveyard“ – „Willkommen in Europa auf dem Friedhof der Menschenrechte!“ Dieser Spruch ist noch immer an der Außenmauer der Brandruine von Moria zu lesen.

Wie ist das möglich, dass in der EU, die sich laut Artikel 2 des Vertrags über die Europäische Union auf Werte wie Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte gründet, die Politik Verrat begeht an ihren eigenen Wertevorstellungen?

Die Rechte der geflüchteten Menschen drohen mehr und mehr der Gleichgültigkeit anheimzufallen. Erregte vor ein paar Jahren das alltägliche Sterben von Männern, Frauen und Kindern vor unserer Haustür noch Entsetzen und Fassungslosigkeit, schaut die europäische Öffentlichkeit heute kaum noch hin. Stattdessen überbieten sich deutsche und europäische Politiker und Politikerinnen mit Vorschlägen, wie man die Tore Europas vor ungebetenen Schutzsuchenden endgültig verschließen könnte. Angestrebt wird, Flüchtlinge von der EU fernzuhalten und in Drittstaaten außerhalb Europas zu bringen. Dabei schreckt die EU vor keinem Partner zurück. So lässt sie Flüchtlinge von der libyschen Küstenwache, die von brutalen Milizen durchsetzt ist, abfangen, wo ihnen Folter, Versklavung, Vergewaltigung oder Mord drohen.

In vielen Städten in Deutschland (und in anderen europäischen Städten) haben sich Organisationen wie die „Seebrücke – sicherer Hafen“ gegründet, um ihre Bereitschaft zu zeigen, mehr Flüchtlinge aufzunehmen und eine starke Gegenstimme zur Abschottungspolitik der Bundesregierung zu bilden. Es ist eine humanitäre und notwendige Sache, dass es die Seebrücke in Minden gibt. Ein Traum wäre es, stünde dann eines Tages auf den Mauern der Hafeneinfahrt: „Welcome to Europe – Human Rights Realization.“

Christiane Haselau, Porta Westfalica

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