Massiv verschenkte Chance Betr. "Der Rahmen steht - und die Mauer auch", MT vom 26. Februar Ich verfolge von Hamburg aus, was sich in meiner alten Heimatstadt Minden tut. Und bin baff erstaunt, wie leichtfertig man offensichtlich bereit ist, historische Chancen zu verspielen. Die Stadt ist also wildentschlossen, am Rampenloch Wohnraum zu schaffen? Ich halte das für einen gravierenden Fehler. Vielleicht muss man aus einer externen Perspektive auf die Stadt schauen, um zu erkennen, welches Potenzial das Rampenloch birgt? In einem Gastbeitrag für die in Minden ansässigen Quartierplaner habe ich das Gelände kürzlich mit der Hamburger HafenCity verglichen: strukturell identische Ausgangslagen. Klingt verwegen? Ich habe Anfang der Nullerjahre in verschiedensten Konstellationen daran mitwirken dürfen, dass die HafenCity zu dem wurde, was sie heute ist – als Strategieberater darf ich eventuell als qualifiziert genug gelten, um mich dazu zu äußern. Erstens: in beiden Fällen extrem geschichtsträchtiges Areal. Zweitens: beides ungenutzte Brachen im Dornröschenschlaf zum Zeitpunkt der Neuentwicklung. Und drittens: die wichtigsten Grundstücke in beiden Fällen in Händen der Stadt, um die weitere Entwicklung strategisch gezielt steuern zu können. Verblüffende strukturelle Parallelen. Das bedeutet, man könnte aus dem Rampenloch prinzipiell etwas Ähnliches entwickeln, wie es Hamburg mit der HafenCity gelungen ist: einen weit über die Stadt hinaus sichtbaren Attraktionspunkt, der einen entscheidenden Eckstein im Profil der Stadt bildet – im Maßstab natürlich verkleinert und den naturgemäß anderen Bedingungen angepasst. Eine Frage des Gestaltungswillens. Stattdessen gesichtsloser, geschichtsloser Wohnraum? Eine massiv verschenkte Chance. Hat Minden so viele davon, das die Stadt sich das erlauben kann? Hamburg hatte nur diese eine Chance auf die HafenCity. Hamburg hat sie genutzt. Edgar Wilkening, Hamburg

Massiv verschenkte Chance

Betr. "Der Rahmen steht - und die Mauer auch", MT vom 26. Februar

Ich verfolge von Hamburg aus, was sich in meiner alten Heimatstadt Minden tut. Und bin baff erstaunt, wie leichtfertig man offensichtlich bereit ist, historische Chancen zu verspielen. Die Stadt ist also wildentschlossen, am Rampenloch Wohnraum zu schaffen? Ich halte das für einen gravierenden Fehler. Vielleicht muss man aus einer externen Perspektive auf die Stadt schauen, um zu erkennen, welches Potenzial das Rampenloch birgt? In einem Gastbeitrag für die in Minden ansässigen Quartierplaner habe ich das Gelände kürzlich mit der Hamburger HafenCity verglichen: strukturell identische Ausgangslagen. Klingt verwegen? Ich habe Anfang der Nullerjahre in verschiedensten Konstellationen daran mitwirken dürfen, dass die HafenCity zu dem wurde, was sie heute ist – als Strategieberater darf ich eventuell als qualifiziert genug gelten, um mich dazu zu äußern.

Erstens: in beiden Fällen extrem geschichtsträchtiges Areal. Zweitens: beides ungenutzte Brachen im Dornröschenschlaf zum Zeitpunkt der Neuentwicklung. Und drittens: die wichtigsten Grundstücke in beiden Fällen in Händen der Stadt, um die weitere Entwicklung strategisch gezielt steuern zu können. Verblüffende strukturelle Parallelen.

Das bedeutet, man könnte aus dem Rampenloch prinzipiell etwas Ähnliches entwickeln, wie es Hamburg mit der HafenCity gelungen ist: einen weit über die Stadt hinaus sichtbaren Attraktionspunkt, der einen entscheidenden Eckstein im Profil der Stadt bildet – im Maßstab natürlich verkleinert und den naturgemäß anderen Bedingungen angepasst. Eine Frage des Gestaltungswillens. Stattdessen gesichtsloser, geschichtsloser Wohnraum? Eine massiv verschenkte Chance. Hat Minden so viele davon, das die Stadt sich das erlauben kann? Hamburg hatte nur diese eine Chance auf die HafenCity. Hamburg hat sie genutzt.

Edgar Wilkening, Hamburg

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