Märchenbuch-Erzähler In einem Leserbrief äußerte dessen Verfasser Zustimmung für einen anderen Leserbrief, in dem kein Verständnis dafür aufkam, dass noch immer Präsenz-Gottesdienste mit bis zu 100 Teilnehmern stattfinden dürfen, Kulturbetriebe aber beispielsweise weiterhin ihre Türen geschlossen halten müssen. Zum Leserbrief „Treffend formuliert“ vom 21. April möchte ich gern folgendes klären: Nach meinem Eindruck beachten die katholischen und evangelischen Kirchengemeinden in Minden die Corona-Schutzbestimmungen mit gewissenhafter Präzision. Von ihren Gottesdiensten können kaum Infektionsgefahren ausgehen. Für andere Institutionen werden sie allerdings zum Ärgernis, weil ihnen diese Möglichkeiten der Versammlungsfreiheit nicht gegeben sind. Die Kirchen, die sich auf das Gesetz der Religionsfreiheit berufen, müssen darauf achten, dass dieses Gesetz zum Schutz derer, die ihren Glauben leben wollen, entstanden ist, und nicht als Waffe, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Darum müsste auch allen anderen Institutionen die Möglichkeit gegeben werden, nach gleichen Maßstäben zu verfahren, wenn sie die gleichen Sicherheitsstandards garantieren können. Offensichtlich sind mit den „Märchenbuch-Erzählern“ die Geistlichen gemeint, die den Menschen Märchen aus der Bibel erzählen. Als Freund von Märchen, der selbst auch einige Bücher darüber geschrieben hat, erlaube ich mir die Einladung, sich um den Schatz zu bemühen, der in ihnen steckt. „Schläft ein Lied in allen Dingen“ (Joseph von Eichendorff). Lebenswichtig sind Märchen nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene. Noch wichtiger sind sie, wenn sie aus der Bibel kommen. Sobald wir das Unsichtbare entdecken, gewinnen sie ihre Aktualität. Das gilt für jedes Märchen, für jede Erzählung und vor allem für die Botschaft von Gott. Niemals habe ich erfahren, dass Kranke oder Sterbende die Hoffnungsbotschaft der Bibel als „märchenhaft“ empfunden haben. Es gibt Augenblicke, in denen sich das Märchen ins Leben verwandelt. Paul Jakobi (Propst i. R), Minden

Märchenbuch-Erzähler

In einem Leserbrief äußerte dessen Verfasser Zustimmung für einen anderen Leserbrief, in dem kein Verständnis dafür aufkam, dass noch immer Präsenz-Gottesdienste mit bis zu 100 Teilnehmern stattfinden dürfen, Kulturbetriebe aber beispielsweise weiterhin ihre Türen geschlossen halten müssen.

Zum Leserbrief „Treffend formuliert“ vom 21. April möchte ich gern folgendes klären: Nach meinem Eindruck beachten die katholischen und evangelischen Kirchengemeinden in Minden die Corona-Schutzbestimmungen mit gewissenhafter Präzision. Von ihren Gottesdiensten können kaum Infektionsgefahren ausgehen. Für andere Institutionen werden sie allerdings zum Ärgernis, weil ihnen diese Möglichkeiten der Versammlungsfreiheit nicht gegeben sind. Die Kirchen, die sich auf das Gesetz der Religionsfreiheit berufen, müssen darauf achten, dass dieses Gesetz zum Schutz derer, die ihren Glauben leben wollen, entstanden ist, und nicht als Waffe, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Darum müsste auch allen anderen Institutionen die Möglichkeit gegeben werden, nach gleichen Maßstäben zu verfahren, wenn sie die gleichen Sicherheitsstandards garantieren können.

Offensichtlich sind mit den „Märchenbuch-Erzählern“ die Geistlichen gemeint, die den Menschen Märchen aus der Bibel erzählen. Als Freund von Märchen, der selbst auch einige Bücher darüber geschrieben hat, erlaube ich mir die Einladung, sich um den Schatz zu bemühen, der in ihnen steckt. „Schläft ein Lied in allen Dingen“ (Joseph von Eichendorff). Lebenswichtig sind Märchen nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene. Noch wichtiger sind sie, wenn sie aus der Bibel kommen. Sobald wir das Unsichtbare entdecken, gewinnen sie ihre Aktualität. Das gilt für jedes Märchen, für jede Erzählung und vor allem für die Botschaft von Gott. Niemals habe ich erfahren, dass Kranke oder Sterbende die Hoffnungsbotschaft der Bibel als „märchenhaft“ empfunden haben. Es gibt Augenblicke, in denen sich das Märchen ins Leben verwandelt.

Paul Jakobi (Propst i. R), Minden

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Leserbriefe