Kluge Investition NRW-Ministerpräsident Armin Laschet spricht sich entgegen bisheriger Aussagen nun doch für möglichst viele Luftfilter in Klassenräumen aus. Experten aus der Region sehen die Vorschläge kritisch. Einerseits ist es erfreulich zu lesen (MT vom 13. Juli), dass offensichtlich immer öfter über den möglichen Einsatz sogenannter „Luftfilter“ gegen Covid 19 nachgedacht wird. Andererseits entsteht leider dabei der Eindruck, dass nicht alle, die sich darüber äußern, gut informiert sind. Luftfilter kennt man hauptsächlich aus der Automobiltechnik. Dort sollen sie in der Ansaugluft enthaltene Partikel vom Motor abhalten. Im Einsatz gegen Corona handelt es sich jedoch um Geräte, die der Luftreinigung beziehungsweise Luftentkeimung in geschlossenen Räumen dienen. Es können stationär eingebaute oder – einfacher – mobile Luftreinigungsgeräte sein. Sie arbeiten im Umluftverfahren. Das heißt, Raumluft wird kontinuierlich durch die Geräte geblasen oder gesaugt. Es geht darum, die möglicherweise in der Raumluft vorhandene Konzentration an Viren so niedrig zu halten, dass die Ansteckungsgefahr gegen Null geht. Im Prinzip gibt es zwei Systeme. Das eine System arbeitet mit Feinfiltern, die dazu geeignet sind, Aerosole abzufangen und damit die darin enthaltenen Viren unschädlich zu machen. In der anderen Art von Geräten wird UV-C-Licht eingesetzt, um die Keime zu töten, was sehr schnell und wirksam geschieht. Die UV-C- Lampen befinden sich in den Geräten und sind so abgeschirmt, dass keine die Augen schädigendes Licht austreten kann. Es gibt Geräte, in denen beide Systeme kombiniert sind. Die Technik der Geräte ist nicht neu und hat sich allenthalben bewährt, was mittlerweile auch mittels wissenschaftlicher Untersuchung nachgewiesen wurde. Natürlich muss auch bei Einsatz der Geräte gelegentlich gelüftet werden, um neuen Sauerstoff in den Raum zu lassen, beispielsweise in Schulklassen in den Pausen. Wie fast alle Technik hat auch die Luftentkeimungstechnik unerwünschte Nebeneffekte, wie leises Rauschen, Platzbedarf, Wartungsbedarf und so weiter. Über Kondenswasser, das angeblich während des Betriebs entsteht (MT, Nr. 160, Seite 2), ist zumindest bei den mobilen Geräten nichts bekannt. Natürlich entstehen auch Kosten. Allerdings müsste es inzwischen es jeder begriffen haben: Die Bekämpfung von Corona kostet, auf die ein oder andere Weise. Dr.-Ing. Herwig Schenk, Minden

Kluge Investition

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet spricht sich entgegen bisheriger Aussagen nun doch für möglichst viele Luftfilter in Klassenräumen aus. Experten aus der Region sehen die Vorschläge kritisch.

Einerseits ist es erfreulich zu lesen (MT vom 13. Juli), dass offensichtlich immer öfter über den möglichen Einsatz sogenannter „Luftfilter“ gegen Covid 19 nachgedacht wird. Andererseits entsteht leider dabei der Eindruck, dass nicht alle, die sich darüber äußern, gut informiert sind. Luftfilter kennt man hauptsächlich aus der Automobiltechnik. Dort sollen sie in der Ansaugluft enthaltene Partikel vom Motor abhalten. Im Einsatz gegen Corona handelt es sich jedoch um Geräte, die der Luftreinigung beziehungsweise Luftentkeimung in geschlossenen Räumen dienen. Es können stationär eingebaute oder – einfacher – mobile Luftreinigungsgeräte sein. Sie arbeiten im Umluftverfahren. Das heißt, Raumluft wird kontinuierlich durch die Geräte geblasen oder gesaugt. Es geht darum, die möglicherweise in der Raumluft vorhandene Konzentration an Viren so niedrig zu halten, dass die Ansteckungsgefahr gegen Null geht.

Im Prinzip gibt es zwei Systeme. Das eine System arbeitet mit Feinfiltern, die dazu geeignet sind, Aerosole abzufangen und damit die darin enthaltenen Viren unschädlich zu machen. In der anderen Art von Geräten wird UV-C-Licht eingesetzt, um die Keime zu töten, was sehr schnell und wirksam geschieht. Die UV-C- Lampen befinden sich in den Geräten und sind so abgeschirmt, dass keine die Augen schädigendes Licht austreten kann. Es gibt Geräte, in denen beide Systeme kombiniert sind.

Die Technik der Geräte ist nicht neu und hat sich allenthalben bewährt, was mittlerweile auch mittels wissenschaftlicher Untersuchung nachgewiesen wurde. Natürlich muss auch bei Einsatz der Geräte gelegentlich gelüftet werden, um neuen Sauerstoff in den Raum zu lassen, beispielsweise in Schulklassen in den Pausen. Wie fast alle Technik hat auch die Luftentkeimungstechnik unerwünschte Nebeneffekte, wie leises Rauschen, Platzbedarf, Wartungsbedarf und so weiter. Über Kondenswasser, das angeblich während des Betriebs entsteht (MT, Nr. 160, Seite 2), ist zumindest bei den mobilen Geräten nichts bekannt. Natürlich entstehen auch Kosten. Allerdings müsste es inzwischen es jeder begriffen haben: Die Bekämpfung von Corona kostet, auf die ein oder andere Weise.

Dr.-Ing. Herwig Schenk, Minden

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