Interessen nicht vertreten Der neue Mietspiegel stößt bei Lesern auf Skepsis. Im Oktober gibt es einen neuen Mietspiegel, dieser bildet die rechtliche Basis für Mieterhöhungen. In Minden gibt einen ganz besonderen Mietspiegel, danach gilt: • Erdgeschosswohnung, Baujahr 1979, 110 qm, Garten, Nordstadt: 431,20 Euro • Etagenwohnung, Baujahr 1961, 80 qm, Balkon, Bärenkämpen: 499,20 Euro Unrealistisch, weltfremd? NEIN! Das sind tatsächlich die Mietpreise des aktuellen Mietspiegels. Bärenkämpen gehört zu den teuersten Stadtteilen Mindens, bei Wohnungen in Zwei- und Dreifamilienhäusern ist die Miete um 13 ct/qm niedriger als in Wohnblocks. Ein Balkon vergrößert nicht nur die Wohnfläche, er erhöht auch die Miete der gesamten Wohnung um 13 ct/qm, ein Garten ist dagegen nicht mietsteigernd. Instandhaltungsreparaturen sind nur in Minden mieterhöhend, sie sind gerechtfertigt, wenn die Kosten 30 % des Neuwertes der Wohnung ausmachen. Bei Billigwohnungen ist das nicht viel. Einen Mietspiegel wie diesen gibt es in keiner vergleichbaren Stadt. Der Mindener Mietspiegel ist einmalig! Einmalig in der Interpretation der gesetzlichen Vorgaben, einmalig in der Bevorzugung einer Wohnungsgesellschaft, einmalig in der Dreistigkeit der Ausnutzung sozial Schwacher. 2005 verkaufte die Stadt Minden die Wohnungsgesellschaft „Wohnhaus-Minden“. Seitdem ist nichts mehr, wie es war. Mieter erhalten regelmäßig alle zwei Jahre Mieterhöhungen und müssen u. a. für Kellerräume Zusatzmiete zahlen. Leider sind viele Mieter gezwungen, die Wohnungen der Wohnhaus-Minden GmbH zu mieten, da es keine Alternativen gibt. Die Stadt hat sich aus der sozialen Wohnbauförderung zurückgezogen. Dennoch ist die Stadt nicht außen vor; sie zahlt bei sozial schwachen Familien Wohngeld oder übernimmt die Miete bei der Grundsicherung. So „beglückt“ die Wohnhaus-Minden GmbH alle Bürger. Ich verstehe nicht, warum „Haus & Grund“ als Vereinigung der „kleinen Vermieter“ und der Mieterbund diesen Mietspiegel mittragen. Die Interessen ihrer Mitglieder vertreten sie so nicht. Alfons Bomholt, Minden

Interessen nicht vertreten

Der neue Mietspiegel stößt bei Lesern auf Skepsis.

Im Oktober gibt es einen neuen Mietspiegel, dieser bildet die rechtliche Basis für Mieterhöhungen. In Minden gibt einen ganz besonderen Mietspiegel, danach gilt:

• Erdgeschosswohnung, Baujahr 1979, 110 qm, Garten, Nordstadt: 431,20 Euro

• Etagenwohnung, Baujahr 1961, 80 qm, Balkon, Bärenkämpen: 499,20 Euro

Unrealistisch, weltfremd? NEIN! Das sind tatsächlich die Mietpreise des aktuellen Mietspiegels.

Bärenkämpen gehört zu den teuersten Stadtteilen Mindens, bei Wohnungen in Zwei- und Dreifamilienhäusern ist die Miete um 13 ct/qm niedriger als in Wohnblocks. Ein Balkon vergrößert nicht nur die Wohnfläche, er erhöht auch die Miete der gesamten Wohnung um 13 ct/qm, ein Garten ist dagegen nicht mietsteigernd. Instandhaltungsreparaturen sind nur in Minden mieterhöhend, sie sind gerechtfertigt, wenn die Kosten 30 % des Neuwertes der Wohnung ausmachen. Bei Billigwohnungen ist das nicht viel.

Einen Mietspiegel wie diesen gibt es in keiner vergleichbaren Stadt. Der Mindener Mietspiegel ist einmalig! Einmalig in der Interpretation der gesetzlichen Vorgaben, einmalig in der Bevorzugung einer Wohnungsgesellschaft, einmalig in der Dreistigkeit der Ausnutzung sozial Schwacher.

2005 verkaufte die Stadt Minden die Wohnungsgesellschaft „Wohnhaus-Minden“. Seitdem ist nichts mehr, wie es war. Mieter erhalten regelmäßig alle zwei Jahre Mieterhöhungen und müssen u. a. für Kellerräume Zusatzmiete zahlen.

Leider sind viele Mieter gezwungen, die Wohnungen der Wohnhaus-Minden GmbH zu mieten, da es keine Alternativen gibt. Die Stadt hat sich aus der sozialen Wohnbauförderung zurückgezogen. Dennoch ist die Stadt nicht außen vor; sie zahlt bei sozial schwachen Familien Wohngeld oder übernimmt die Miete bei der Grundsicherung. So „beglückt“ die Wohnhaus-Minden GmbH alle Bürger.

Ich verstehe nicht, warum „Haus & Grund“ als Vereinigung der „kleinen Vermieter“ und der Mieterbund diesen Mietspiegel mittragen. Die Interessen ihrer Mitglieder vertreten sie so nicht.

Alfons Bomholt, Minden

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Leserbriefe