Hausgemachtes Problem Ein Leser macht sich Gedanken über die zunehmende Industrialisierung in der Landwirtschaft. Wieder steht die Landwirtschaft im Focus. Landwirte fordern erneut bessere wirtschaftliche Bedingungen für sich – diesmal auf Kosten der gesamten Bevölkerung. Es geht um unser wichtigstes Lebensmittel und um unser wichtiges Medikament. In Petershaben gibt es eine Interessengemeinschaft, die verhindern will, dass weniger Nitrat ins Grundwasser gelangt. Sie behauptet, dass Messstellen falsch positioniert sind. Nicht die Landwirtschaft sei schuld, dass das Grundwasser nicht als Trinkwasser genutzt werden könne, sondern andere unbekannte Verursacher seien verantwortlich (MT 16. September). Wasser ist unser wichtigstes Lebensmittel, darum wurden in den vergangenen Jahren wiederholt Brunnen geschlossen, die den Gesundheitskriterien nicht entsprachen. Seit Jahren sind Ärzte besorgt, weil Antibiotika nicht mehr wirken. Antibiotika sind unser wichtigstes Medikament, ohne das keine Operation möglich wäre. Insbesondere durch den Einsatz in der Massentierhaltung haben sich Bakterienstämme entwickelt, bei denen Antibiotika nicht mehr wirken. Hier müssen Reserveantibiotika eingesetzt werden, diese sollten den Menschen vorbehalten werden. Aber die Landwirtschaftslobby hat verhindert, dass die EU ein entsprechendes Gesetz verabschiedet. Die SZ vom 17. September glaubt, dass diese Entscheidung jedes Jahr 700.000 Menschen das Leben kosten wird. Die Landwirtschaft hat ein hausgemachtes Problem. Aufgrund eines ruinösen Wettbewerbs mussten allein in den vergangenen zehn Jahren rund 40 Prozent der Schweinebauern aufgeben (destatis.de). Es wurden aber nicht weniger Schweine produziert, die Betriebe wurden größer. Die Tendenz zur Industrialisierung der Landwirtschaft nimmt stetig zu. Die industrielle Massentierhaltung benötigt Antibiotika und sie benötigt Flächen, um die Gülle loszuwerden. Unwirksame Antibiotika und nitratverseuchtes Grundwasser sind die Folgen. Nur mit einem Paradigmenwechsel, bei dem nicht die Agrarindustrie, sondern die Natur und die Menschen im Zentrum stehen, hat die Landwirtschaft eine Zukunft. Alfons Bomholt, Minden

Hausgemachtes Problem

Ein Leser macht sich Gedanken über die zunehmende Industrialisierung in der Landwirtschaft.

Wieder steht die Landwirtschaft im Focus. Landwirte fordern erneut bessere wirtschaftliche Bedingungen für sich – diesmal auf Kosten der gesamten Bevölkerung. Es geht um unser wichtigstes Lebensmittel und um unser wichtiges Medikament.

In Petershaben gibt es eine Interessengemeinschaft, die verhindern will, dass weniger Nitrat ins Grundwasser gelangt. Sie behauptet, dass Messstellen falsch positioniert sind. Nicht die Landwirtschaft sei schuld, dass das Grundwasser nicht als Trinkwasser genutzt werden könne, sondern andere unbekannte Verursacher seien verantwortlich (MT 16. September). Wasser ist unser wichtigstes Lebensmittel, darum wurden in den vergangenen Jahren wiederholt Brunnen geschlossen, die den Gesundheitskriterien nicht entsprachen.

Seit Jahren sind Ärzte besorgt, weil Antibiotika nicht mehr wirken. Antibiotika sind unser wichtigstes Medikament, ohne das keine Operation möglich wäre. Insbesondere durch den Einsatz in der Massentierhaltung haben sich Bakterienstämme entwickelt, bei denen Antibiotika nicht mehr wirken. Hier müssen Reserveantibiotika eingesetzt werden, diese sollten den Menschen vorbehalten werden. Aber die Landwirtschaftslobby hat verhindert, dass die EU ein entsprechendes Gesetz verabschiedet. Die SZ vom 17. September glaubt, dass diese Entscheidung jedes Jahr 700.000 Menschen das Leben kosten wird.

Die Landwirtschaft hat ein hausgemachtes Problem. Aufgrund eines ruinösen Wettbewerbs mussten allein in den vergangenen zehn Jahren rund 40 Prozent der Schweinebauern aufgeben (destatis.de). Es wurden aber nicht weniger Schweine produziert, die Betriebe wurden größer. Die Tendenz zur Industrialisierung der Landwirtschaft nimmt stetig zu.

Die industrielle Massentierhaltung benötigt Antibiotika und sie benötigt Flächen, um die Gülle loszuwerden. Unwirksame Antibiotika und nitratverseuchtes Grundwasser sind die Folgen. Nur mit einem Paradigmenwechsel, bei dem nicht die Agrarindustrie, sondern die Natur und die Menschen im Zentrum stehen, hat die Landwirtschaft eine Zukunft.

Alfons Bomholt, Minden

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