Freie Entscheidung Zum Weltfrauentag erstrahlte das Mindener Stadttheater in Pink. Initiiert wurde die Aktion, um ein Zeichen für mehr Geschlechtergerechtigkeit zu setzen. In einem Leserbrief äußerte dessen Verfasser dazu Unverständnis bezüglich der Farbwahl. Die Kritik an Pinky Gloves, die die Menstruation als etwas darstellen, was es zu verstecken gilt, scheint mittlerweile weitgehend verstanden, aber natürlich müssen nicht alle mit dieser Kritik übereinstimmen. Doch zu versuchen, anhand des rosa angestrahlten Theaters in Minden die deutschlandweite Kritik an besagten Handschuhen zu delegitimieren, entzieht sich meinem Verständnis eines kausal schlüssigen Arguments. Es ist aber nicht allein dieser Vergleich, der die noch immer weit verbreiteten Missverständnisse bezüglich feministischer Positionen verdeutlicht. Die im Brief angesprochenen pinken Rasierer stehen nicht im Widerspruch zu feministischen Positionen, Feministen und Feministinnen treten ein für die Gleichberechtigung aller Menschen. Für die freie Entscheidung, ob mein Rasierer pink sein soll, ob ich Karriere machen möchte, ob ich ein Kleid tragen möchte – und das unabhängig davon, welches Geschlecht ich habe. Feministen und Feministinnen wollen das Patriarchat nicht durchs Matriarchat ersetzen. Gleiche Maßstäbe, gleiche Rechte und natürlich auch Pflichten, das ist das Ziel. Und nein, hier ist ein rosa Theater nicht die Lösung des Problems, auch keine Männer, die einmal im Jahr am Weltfrauentag Rosen verteilen und den Rest des Jahres doch meinen, es brauche jetzt dringend noch weitere Männer, die sich zu Themen äußern, bei denen doch primär die Meinung menstruierender Menschen von Relevanz scheint. Und das kann man kritisieren. Gesten und Worten müssen Taten folgen und das passiert häufig nicht. Doch es scheint nicht hilfreich, sarkastisch die angebliche Abstrusität feministischer Forderungen zu kritisieren und anschließend in einer Art Gegenargumentation auf geschlechterspezifische Rollenzuschreibungen von Männern zu verweisen, deren Abschaffung Feministen und Feministinnen ja gleichermaßen fordern. Statt also das eine gegen das andere auszuspielen, scheint es zielführender, diesen öffentlichen Raum für die Kritik an gesellschaftlichen Geschlechterrollen und ihren negativen Auswirkungen zu nutzen. Lisbeth Riechmann, Hille

Freie Entscheidung

Zum Weltfrauentag erstrahlte das Mindener Stadttheater in Pink. Initiiert wurde die Aktion, um ein Zeichen für mehr Geschlechtergerechtigkeit zu setzen. In einem Leserbrief äußerte dessen Verfasser dazu Unverständnis bezüglich der Farbwahl.

Die Kritik an Pinky Gloves, die die Menstruation als etwas darstellen, was es zu verstecken gilt, scheint mittlerweile weitgehend verstanden, aber natürlich müssen nicht alle mit dieser Kritik übereinstimmen. Doch zu versuchen, anhand des rosa angestrahlten Theaters in Minden die deutschlandweite Kritik an besagten Handschuhen zu delegitimieren, entzieht sich meinem Verständnis eines kausal schlüssigen Arguments.

Es ist aber nicht allein dieser Vergleich, der die noch immer weit verbreiteten Missverständnisse bezüglich feministischer Positionen verdeutlicht. Die im Brief angesprochenen pinken Rasierer stehen nicht im Widerspruch zu feministischen Positionen, Feministen und Feministinnen treten ein für die Gleichberechtigung aller Menschen. Für die freie Entscheidung, ob mein Rasierer pink sein soll, ob ich Karriere machen möchte, ob ich ein Kleid tragen möchte – und das unabhängig davon, welches Geschlecht ich habe. Feministen und Feministinnen wollen das Patriarchat nicht durchs Matriarchat ersetzen. Gleiche Maßstäbe, gleiche Rechte und natürlich auch Pflichten, das ist das Ziel.

Und nein, hier ist ein rosa Theater nicht die Lösung des Problems, auch keine Männer, die einmal im Jahr am Weltfrauentag Rosen verteilen und den Rest des Jahres doch meinen, es brauche jetzt dringend noch weitere Männer, die sich zu Themen äußern, bei denen doch primär die Meinung menstruierender Menschen von Relevanz scheint. Und das kann man kritisieren. Gesten und Worten müssen Taten folgen und das passiert häufig nicht. Doch es scheint nicht hilfreich, sarkastisch die angebliche Abstrusität feministischer Forderungen zu kritisieren und anschließend in einer Art Gegenargumentation auf geschlechterspezifische Rollenzuschreibungen von Männern zu verweisen, deren Abschaffung Feministen und Feministinnen ja gleichermaßen fordern. Statt also das eine gegen das andere auszuspielen, scheint es zielführender, diesen öffentlichen Raum für die Kritik an gesellschaftlichen Geschlechterrollen und ihren negativen Auswirkungen zu nutzen.

Lisbeth Riechmann, Hille

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