Fragliche Formulierung Bei einer Auseinandersetzung hatte im April ein 33-Jähriger ein Messer gezogen und auf seinen Kontrahenten eingestochen. Dafür wurde er zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. In dem Artikel wird berichtet, dass eine Ehe nach islamischen Recht bestand und das die Kontrahenten verschwägert waren. Eine Ehe nach einem religiösen oder irgendeinen anderen Recht gibt es aber glücklicherweise nicht in Deutschland. Hier wäre es besser, wenn überhaupt diese Bemerkung notwendig ist, zu schreiben, dass eine Verbindung nach orientalischer oder religiöser Tradition bestand. Ein islamisches Recht kann und darf es in Deutschland neben dem Grundgesetz nicht geben. Durch die explizierte und unkritische Verwendung in dem Artikel kann für gewisse Gruppen allerdings der Eindruck entstehen, dass solches Recht akzeptiert oder zumindest geduldet wird. Das ist für den Zusammenhalt der Gesellschaft und für die Integration nicht gut. Matthias Herbusch, Minden Darauf antwortet MT-Chefredakteur Benjamin Piel: Zunächst einmal steht in dem Beitrag nichts davon, in welcher Beziehung das „islamische Recht“ zum deutschen Recht steht. Im Gegenteil, es wird sogar die Differenz zwischen beiden zumindest angedeutet durch die Formulierung, „liiert und nach islamischem Recht auch verheiratet“. Das bedeutet ja implizit nichts anderes, als dass die beiden nicht vor einem deutschen Standesbeamten ihre Ehe eingegangen sind. Dieser Randaspekt ist nicht weiter ausgeleuchtet worden, da es in dem Gerichtsbericht um den Prozess ging, nicht um die juristische Tragweite sogenannter „islamischer Trauungen“ in Deutschland. Wäre es darum gegangen, hätte das Thema allerdings intensiver ausgeleuchtet werden müssen. Und da liegen die Tatsachen komplizierter, als Sie es beschreiben. Es ist beispielsweise durchaus möglich, dass eine muslimische Ehe vom deutschen Staat anerkannt wird, und zwar wenn beide Eheleute keine deutschen Staatsbürger sowie beide volljährig sind und die Trauung von einer Person vollzogen wurde, die vom jeweiligen Herkunftsland gesetzlich zur Vollziehung ermächtigt wurde. Das kann auch ein Geistlicher sein. Dieses juristische Thema ist hochkomplex und insofern kann von einer unkritischen Herangehensweise des Autors keine Rede sein.

Fragliche Formulierung

Bei einer Auseinandersetzung hatte im April ein 33-Jähriger ein Messer gezogen und auf seinen Kontrahenten eingestochen. Dafür wurde er zu vier Jahren Gefängnis verurteilt.

In dem Artikel wird berichtet, dass eine Ehe nach islamischen Recht bestand und das die Kontrahenten verschwägert waren. Eine Ehe nach einem religiösen oder irgendeinen anderen Recht gibt es aber glücklicherweise nicht in Deutschland. Hier wäre es besser, wenn überhaupt diese Bemerkung notwendig ist, zu schreiben, dass eine Verbindung nach orientalischer oder religiöser Tradition bestand.

Ein islamisches Recht kann und darf es in Deutschland neben dem Grundgesetz nicht geben. Durch die explizierte und unkritische Verwendung in dem Artikel kann für gewisse Gruppen allerdings der Eindruck entstehen, dass solches Recht akzeptiert oder zumindest geduldet wird. Das ist für den Zusammenhalt der Gesellschaft und für die Integration nicht gut.

Matthias Herbusch, Minden

Darauf antwortet MT-Chefredakteur Benjamin Piel:

Zunächst einmal steht in dem Beitrag nichts davon, in welcher Beziehung das „islamische Recht“ zum deutschen Recht steht. Im Gegenteil, es wird sogar die Differenz zwischen beiden zumindest angedeutet durch die Formulierung, „liiert und nach islamischem Recht auch verheiratet“. Das bedeutet ja implizit nichts anderes, als dass die beiden nicht vor einem deutschen Standesbeamten ihre Ehe eingegangen sind. Dieser Randaspekt ist nicht weiter ausgeleuchtet worden, da es in dem Gerichtsbericht um den Prozess ging, nicht um die juristische Tragweite sogenannter „islamischer Trauungen“ in Deutschland. Wäre es darum gegangen, hätte das Thema allerdings intensiver ausgeleuchtet werden müssen. Und da liegen die Tatsachen komplizierter, als Sie es beschreiben. Es ist beispielsweise durchaus möglich, dass eine muslimische Ehe vom deutschen Staat anerkannt wird, und zwar wenn beide Eheleute keine deutschen Staatsbürger sowie beide volljährig sind und die Trauung von einer Person vollzogen wurde, die vom jeweiligen Herkunftsland gesetzlich zur Vollziehung ermächtigt wurde. Das kann auch ein Geistlicher sein. Dieses juristische Thema ist hochkomplex und insofern kann von einer unkritischen Herangehensweise des Autors keine Rede sein.

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