Forderung nach erneuter Impfaktion Mit mobilen Teams wollte der Kreis Minden-Lübbecke Menschen in Sammelunterkünften impfen lassen. Doch nur 131 Menschen haben die Coronaschutzimpfung letztlich auch bekommen (MT vom 26. Juni). Für Beteiligte im Falle von geflüchteten Menschen ist dieser Artikel nur schwer auszuhalten. So zitiert Herr Hanke Pressemitteilungen der Stadt Bad Oeynhausen und des Kreises. Bis hierhin ist das noch okay. Journalistisch wird es zum Desaster, wenn Herr Hanke daraus Schlüsse zieht. Wir können für Porta Westfalica nachweisen, wie diese Impfkampagne vonseiten des Impfzentrums beziehungsweise Kreises erfolgt ist. So wurden die beteiligten Sozialarbeiter am 14. Juni telefonisch nach Hille bestellt. Hier wurde ihnen mitgeteilt, dass am 15. Juni ab 12 Uhr das mobile Impfteam vor Ort sein wird. Zusammen mit dem Auftrag, die Flüchtlinge zu informieren und für Dolmetscher zu sorgen, sollten die Sozialarbeiter die bei dieser Gelegenheit ausgehändigten Einwilligungserklärungen für die geflüchteten Menschen vorab ausfüllen. Natürlich war es unmöglich, in so kurzer Zeit Dolmetscher zu aktivieren, genauso war es unmöglich, die geflüchteten Menschen angemessen auf diese Impfung vorzubereiten, Fragen zu beantworten et cetera. Klare Kommunikationswege zwischen dem Kreis und den Akteuren innerhalb der Kommunen hätten die Chance auf eine positivere Bilanz der Impfaktion wesentlich erhöht. Die lokalen Integrationsakteure hätten den Kreis aber nur bei frühzeitiger Information über die Impfaktion mit Sprachmittlern und der direkten Ansprache der Zielgruppe unterstützen können. Daher fordern wir eine erneute Impfaktion in den Kommunen und Stadtteilen, in denen Menschen leben, die bislang im Rahmen der Impfkampagne nicht erreicht wurden. Eine auf Spekulation basierte Schuldzuweisung an die Zielgruppe ist gefährlich und bringt uns dem Ziel einer Herdenimmunität nicht näher. Wenn die unzureichende Planung der Impfaktion Ursache für deren Scheitern ist, darf die Zielgruppe selbst nicht als schuldig dargestellt werden, oder – wie in diesem Fall – als „gesellschaftliche Randgruppen, bei denen die Impfskepsis besonders ausgeprägt sei“, verunglimpft werden. Welche Ressentiments sollen denn damit bedient werden? Dass heute ein Journalist noch die Vokabel „gesellschaftliche Randgruppe“ benutzt, haben wir nicht für möglich gehalten. Hellmut Hiese und Vera Lolait, Porta Westfalica

Forderung nach erneuter Impfaktion

Mit mobilen Teams wollte der Kreis Minden-Lübbecke Menschen in Sammelunterkünften impfen lassen. Doch nur 131 Menschen haben die Coronaschutzimpfung letztlich auch bekommen (MT vom 26. Juni).

Für Beteiligte im Falle von geflüchteten Menschen ist dieser Artikel nur schwer auszuhalten. So zitiert Herr Hanke Pressemitteilungen der Stadt Bad Oeynhausen und des Kreises. Bis hierhin ist das noch okay. Journalistisch wird es zum Desaster, wenn Herr Hanke daraus Schlüsse zieht.

Wir können für Porta Westfalica nachweisen, wie diese Impfkampagne vonseiten des Impfzentrums beziehungsweise Kreises erfolgt ist. So wurden die beteiligten Sozialarbeiter am 14. Juni telefonisch nach Hille bestellt. Hier wurde ihnen mitgeteilt, dass am 15. Juni ab 12 Uhr das mobile Impfteam vor Ort sein wird. Zusammen mit dem Auftrag, die Flüchtlinge zu informieren und für Dolmetscher zu sorgen, sollten die Sozialarbeiter die bei dieser Gelegenheit ausgehändigten Einwilligungserklärungen für die geflüchteten Menschen vorab ausfüllen. Natürlich war es unmöglich, in so kurzer Zeit Dolmetscher zu aktivieren, genauso war es unmöglich, die geflüchteten Menschen angemessen auf diese Impfung vorzubereiten, Fragen zu beantworten et cetera.

Klare Kommunikationswege zwischen dem Kreis und den Akteuren innerhalb der Kommunen hätten die Chance auf eine positivere Bilanz der Impfaktion wesentlich erhöht. Die lokalen Integrationsakteure hätten den Kreis aber nur bei frühzeitiger Information über die Impfaktion mit Sprachmittlern und der direkten Ansprache der Zielgruppe unterstützen können. Daher fordern wir eine erneute Impfaktion in den Kommunen und Stadtteilen, in denen Menschen leben, die bislang im Rahmen der Impfkampagne nicht erreicht wurden.

Eine auf Spekulation basierte Schuldzuweisung an die Zielgruppe ist gefährlich und bringt uns dem Ziel einer Herdenimmunität nicht näher. Wenn die unzureichende Planung der Impfaktion Ursache für deren Scheitern ist, darf die Zielgruppe selbst nicht als schuldig dargestellt werden, oder – wie in diesem Fall – als „gesellschaftliche Randgruppen, bei denen die Impfskepsis besonders ausgeprägt sei“, verunglimpft werden. Welche Ressentiments sollen denn damit bedient werden? Dass heute ein Journalist noch die Vokabel „gesellschaftliche Randgruppe“ benutzt, haben wir nicht für möglich gehalten.

Hellmut Hiese und Vera Lolait, Porta Westfalica

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