Falsches Selbstverständnis? Ein Leser stellt eine Ausdrucksweise infrage, die ihm des Öfteren negativ aufgefallen ist. In letzter Zeit habe ich einen schwer erkrankten Freund häufiger zu diversen Arztpraxen begleitet. Negativ aufgefallen ist mir die derzeit offenbar überall übliche Sprachregelung des Personals: "Sie dürfen das jetzt (hier) unterschreiben", „Sie dürfen jetzt dort Platz nehmen!“ Alle machen sich augenblicklich Gedanken über angemessene Ausdrucksweisen, aber so etwas wird scheinbar gar nicht hinterfragt, obwohl es sich so doch eher um eine klare Aussage zu einer Anordnung (Gesetzeslage oder Verordnung) etwa von einer amtlichen Stelle handelt. Welche Haltung transportiert eine solche Aussage? Hier geht es doch um eine Erlaubnis einerseits beziehungsweise Dienstleistung andererseits. Früher hieß es: „Sie können…“, oder „Bitte nehmen Sie doch… .“ Möglicherweise bilden diese neuen Aussagen aber doch gerade genau das Selbstverständnis unserer Dienstleister in Weiß ab. Vielleicht können Sie diese, für mich etwas merkwürdige, Sprachregelung der Ärzteschaft ja auch einmal thematisieren, wenn Sie über aktuelle Ausdrucksweisen schreiben. Wo jedes Wort – primär in akademischen Kreisen – neuerdings auf die Goldwaage gelegt wird, muss man da in Bereichen, die prinzipiell die gesamte Bevölkerung betreffen, ja auch nicht unbedingt eine Ausnahme machen. Wolfgang Kokoschka, Minden

Falsches Selbstverständnis?

Ein Leser stellt eine Ausdrucksweise infrage, die ihm des Öfteren negativ aufgefallen ist.

In letzter Zeit habe ich einen schwer erkrankten Freund häufiger zu diversen Arztpraxen begleitet. Negativ aufgefallen ist mir die derzeit offenbar überall übliche Sprachregelung des Personals: "Sie dürfen das jetzt (hier) unterschreiben", „Sie dürfen jetzt dort Platz nehmen!“

Alle machen sich augenblicklich Gedanken über angemessene Ausdrucksweisen, aber so etwas wird scheinbar gar nicht hinterfragt, obwohl es sich so doch eher um eine klare Aussage zu einer Anordnung (Gesetzeslage oder Verordnung) etwa von einer amtlichen Stelle handelt. Welche Haltung transportiert eine solche Aussage? Hier geht es doch um eine Erlaubnis einerseits beziehungsweise Dienstleistung andererseits. Früher hieß es: „Sie können…“, oder „Bitte nehmen Sie doch… .“ Möglicherweise bilden diese neuen Aussagen aber doch gerade genau das Selbstverständnis unserer Dienstleister in Weiß ab.

Vielleicht können Sie diese, für mich etwas merkwürdige, Sprachregelung der Ärzteschaft ja auch einmal thematisieren, wenn Sie über aktuelle Ausdrucksweisen schreiben. Wo jedes Wort – primär in akademischen Kreisen – neuerdings auf die Goldwaage gelegt wird, muss man da in Bereichen, die prinzipiell die gesamte Bevölkerung betreffen, ja auch nicht unbedingt eine Ausnahme machen.

Wolfgang Kokoschka, Minden

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