Es gibt eine simple Lösung Ein Unbekannter streut zurzeit häufiger Maiskörner in der Mindener Innenstadt aus. Ein Anwohner klagt über eine Rattenplage. Was für einige Menschen ein Ärgernis ist, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als ein Symptom eines menschengemachten Problems und vielfachen Leids. Stadttauben sind domestiziert wie Katzen und Hunde, keine Wildtiere. Sie sind sämtlich Nachkommen von Brief- und Ziertauben. In der Folge sind sie angewiesen auf menschliche Versorgung und nicht in der Lage, sich ausreichend selbst zu versorgen. Notgedrungen suchen sie daher in der Nähe des Menschen im Abfall nach Nahrung und laufen dazu ununterbrochen am Boden umher. Unter- und Fehlernährung, Krankheitsanfälligkeit und hohe Kükensterblichkeit sind die Folge. Eine Person, die Futter verstreut, tut dies also sehr wahrscheinlich aus Fürsorge und Mitgefühl, wenngleich die Ursache des Problems dadurch natürlich nicht zu beheben ist. Ein generelles Fütterungsverbot wie in Minden führt nicht zur Lösung des Problems, denn das Verhungernlassen von Haustieren ist nicht nur tierschutzwidrig, sondern auch ungeeignet. Andernfalls gäbe es ja nach jahrelangem Fütterungsverbot längst keine Stadttauben mehr in Minden. Stadttauben ist der Brutzwang angezüchtet, der völlig unabhängig vom Nahrungsangebot zu circa 12 Nachkommen pro Jahr und Paar führt. Die Lösung ist verblüffend simpel, effizient und in anderen Kommunen langjährig erfolgreich: Betreute Stadttaubenschläge nach dem Augsburger Modell. Stadttauben wird ein Taubenschlag angeboten, in dem artgerechte Nahrung und Nistplätze zur Verfügung stehen. So kann durch den Tausch der Gelege gegen Kunststoffeier die Population tierschutzkonform herunterreguliert werden und die Tiere sind nicht länger durch ihre permanente Nahrungssuche omnipräsent auf den Straßen. Die Stadt Minden täte gut daran, wie andere Kommunen ehrenamtlich Engagierte adäquat zu unterstützen, damit ein solches Stadttaubenkonzept umgesetzt werden kann. Denn das wäre nicht nur im Sinne der Stadttauben, sondern auch der taubenliebenden und sogar der taubenhassenden Menschen . „Illegale“ Fütterungen wären nicht länger nötig. Kerstin Hellmann, Uchte

Es gibt eine simple Lösung

Ein Unbekannter streut zurzeit häufiger Maiskörner in der Mindener Innenstadt aus. Ein Anwohner klagt über eine Rattenplage.

Was für einige Menschen ein Ärgernis ist, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als ein Symptom eines menschengemachten Problems und vielfachen Leids. Stadttauben sind domestiziert wie Katzen und Hunde, keine Wildtiere. Sie sind sämtlich Nachkommen von Brief- und Ziertauben. In der Folge sind sie angewiesen auf menschliche Versorgung und nicht in der Lage, sich ausreichend selbst zu versorgen. Notgedrungen suchen sie daher in der Nähe des Menschen im Abfall nach Nahrung und laufen dazu ununterbrochen am Boden umher. Unter- und Fehlernährung, Krankheitsanfälligkeit und hohe Kükensterblichkeit sind die Folge.

Eine Person, die Futter verstreut, tut dies also sehr wahrscheinlich aus Fürsorge und Mitgefühl, wenngleich die Ursache des Problems dadurch natürlich nicht zu beheben ist. Ein generelles Fütterungsverbot wie in Minden führt nicht zur Lösung des Problems, denn das Verhungernlassen von Haustieren ist nicht nur tierschutzwidrig, sondern auch ungeeignet. Andernfalls gäbe es ja nach jahrelangem Fütterungsverbot längst keine Stadttauben mehr in Minden. Stadttauben ist der Brutzwang angezüchtet, der völlig unabhängig vom Nahrungsangebot zu circa 12 Nachkommen pro Jahr und Paar führt.

Die Lösung ist verblüffend simpel, effizient und in anderen Kommunen langjährig erfolgreich: Betreute Stadttaubenschläge nach dem Augsburger Modell. Stadttauben wird ein Taubenschlag angeboten, in dem artgerechte Nahrung und Nistplätze zur Verfügung stehen. So kann durch den Tausch der Gelege gegen Kunststoffeier die Population tierschutzkonform herunterreguliert werden und die Tiere sind nicht länger durch ihre permanente Nahrungssuche omnipräsent auf den Straßen.

Die Stadt Minden täte gut daran, wie andere Kommunen ehrenamtlich Engagierte adäquat zu unterstützen, damit ein solches Stadttaubenkonzept umgesetzt werden kann. Denn das wäre nicht nur im Sinne der Stadttauben, sondern auch der taubenliebenden und sogar der taubenhassenden Menschen . „Illegale“ Fütterungen wären nicht länger nötig.

Kerstin Hellmann, Uchte

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