Erschütterndes Schicksal Elias Dahler liebt Wörter und kann sich kaum bewegen. Der Locked-in-Patient lebt wie ein Gefangener seines eigenen Körpers, schreibt jedoch Gedichte. Der erschütternde Beitrag über das Schicksal von Elias Dähler hat meine uralten Wunden erneut aufgerissen. Ich weiß, was es für gesunde Geschwister bedeuten kann, wenn elterliche Liebe und Kraft fast ausschließlich dem kranken Kind gilt. Meine, um vier Jahre jüngere Schwester, erkrankte 1946 lebensbedrohlich. Ein amerikanischer Stabsarzt, der die Kinderklinik besuchte, zweigte vom Penizillin, das eigentlich für seine amerikanischen Soldaten gedacht war (und das es in Deutschland noch nicht gab), eine kleine Menge ab. Meine Schwester überlebte. Nach belastenden Folge-Operationen blieb eine leichte Gehbehinderung zurück, die sie an einem weitgehend normalen Leben nicht behinderte. Für mich war es sehr belastend, dass meine Schwester zum Tätschel-Kind und ich zum Prügelkind wurde, in jeder Hinsicht missraten! Meine Schwester lernte schnell und für immer, mich aller möglicher Schandtaten zu bezichtigen, die sich für mich in Prügel umsetzten. Meine abwertende Bestrafung war für „das arme, kranke Kind“ eine gerechte Genugtuung. Das, was die Eltern von Elias durch totale Aufopferung mit erstaunlichen „Erfolgen“ erreicht haben, trifft einerseits auf meine grenzenlose Bewunderung. Aber es stört mich massiv, dass die drei Geschwister nur nebenbei erwähnt werden. Wie mögen sie sich entwickelt haben? Eine gerechte Balance kann es unter diesen traurigen Umständen kaum geben. Hannelore Hoffmann, Minden

Erschütterndes Schicksal

Elias Dahler liebt Wörter und kann sich kaum bewegen. Der Locked-in-Patient lebt wie ein Gefangener seines eigenen Körpers, schreibt jedoch Gedichte.

Der erschütternde Beitrag über das Schicksal von Elias Dähler hat meine uralten Wunden erneut aufgerissen. Ich weiß, was es für gesunde Geschwister bedeuten kann, wenn elterliche Liebe und Kraft fast ausschließlich dem kranken Kind gilt.

Meine, um vier Jahre jüngere Schwester, erkrankte 1946 lebensbedrohlich. Ein amerikanischer Stabsarzt, der die Kinderklinik besuchte, zweigte vom Penizillin, das eigentlich für seine amerikanischen Soldaten gedacht war (und das es in Deutschland noch nicht gab), eine kleine Menge ab. Meine Schwester überlebte. Nach belastenden Folge-Operationen blieb eine leichte Gehbehinderung zurück, die sie an einem weitgehend normalen Leben nicht behinderte. Für mich war es sehr belastend, dass meine Schwester zum Tätschel-Kind und ich zum Prügelkind wurde, in jeder Hinsicht missraten! Meine Schwester lernte schnell und für immer, mich aller möglicher Schandtaten zu bezichtigen, die sich für mich in Prügel umsetzten. Meine abwertende Bestrafung war für „das arme, kranke Kind“ eine gerechte Genugtuung.

Das, was die Eltern von Elias durch totale Aufopferung mit erstaunlichen „Erfolgen“ erreicht haben, trifft einerseits auf meine grenzenlose Bewunderung. Aber es stört mich massiv, dass die drei Geschwister nur nebenbei erwähnt werden. Wie mögen sie sich entwickelt haben? Eine gerechte Balance kann es unter diesen traurigen Umständen kaum geben.

Hannelore Hoffmann, Minden

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