Erbschuld Eine Leserin macht sich Gedanken um das Erbe, das ihr als Kind des Zweiten Weltkrieges mitgegeben wurde. Niemand kann sich seine Eltern und den Zeitpunkt seiner Geburt aussuchen. Auf die Generation, die im Zweiten Weltkrieg geboren wurde, wartete – trotz deren Unschuld – ein schweres Schicksal. Der von den Deutschen angezettelte Krieg ging verloren und die Kinder der Täter wurden in Sippenhaft genommen. Seit 80 Jahren büße auch ich für die Schuld meiner Eltern, die mit tiefem Schweigen auf eine große Sünde reagierten. Damals wusste man noch nicht, wie sensibel Kinder – bereits im Mutterleib – auf Stimmungen von Eltern und Umwelt reagieren. Das kann sogar zu Schuldgefühlen führen, die uns ein Leben lang begleiten. Wer zu den zahlreichen Kriegsflüchtlingen gehörte, die auf Ablehnung im eigenen Land trafen, wer hungern musste und eine erbärmliche Zwangsbehausung zugewiesen bekam, der vererbte zahlreiche Nöte häufig an seine Kinder. Auch Zeiten, die sich zum Positiven wandeln, ändern daran nichts. Deutschland war und ist sehr bemüht, seine Schuld zu sühnen. Inzwischen leben Nachkriegsenkel und – urenkel, die endlich ein Recht auf Normalität verdient haben. Anhaltende Ungerechtigkeit produziert Widerstand, leider unterwandert von Unruhestiftern aus der rechten und linken Ecke. Angepasstes Verhalten erwarte ich auch von Menschen aus anderen Ländern und Kulturen, für die Deutschland die zweite Heimat geworden ist. Wenn ich von der Demokratie ein besseres Leben erwarte, darf ich diese Staatsform nicht unterwandern. Wenn wir alle am Erhalt unserer Demokratie interessiert sind, müssen wir mutig daran arbeiten – mit Verstand und Vernunft, mit Leib und Seele! Hannelore Hoffmann, Minden

Erbschuld

Eine Leserin macht sich Gedanken um das Erbe, das ihr als Kind des Zweiten Weltkrieges mitgegeben wurde.

Niemand kann sich seine Eltern und den Zeitpunkt seiner Geburt aussuchen. Auf die Generation, die im Zweiten Weltkrieg geboren wurde, wartete – trotz deren Unschuld – ein schweres Schicksal. Der von den Deutschen angezettelte Krieg ging verloren und die Kinder der Täter wurden in Sippenhaft genommen. Seit 80 Jahren büße auch ich für die Schuld meiner Eltern, die mit tiefem Schweigen auf eine große Sünde reagierten. Damals wusste man noch nicht, wie sensibel Kinder – bereits im Mutterleib – auf Stimmungen von Eltern und Umwelt reagieren. Das kann sogar zu Schuldgefühlen führen, die uns ein Leben lang begleiten.

Wer zu den zahlreichen Kriegsflüchtlingen gehörte, die auf Ablehnung im eigenen Land trafen, wer hungern musste und eine erbärmliche Zwangsbehausung zugewiesen bekam, der vererbte zahlreiche Nöte häufig an seine Kinder. Auch Zeiten, die sich zum Positiven wandeln, ändern daran nichts. Deutschland war und ist sehr bemüht, seine Schuld zu sühnen. Inzwischen leben Nachkriegsenkel und – urenkel, die endlich ein Recht auf Normalität verdient haben. Anhaltende Ungerechtigkeit produziert Widerstand, leider unterwandert von Unruhestiftern aus der rechten und linken Ecke.

Angepasstes Verhalten erwarte ich auch von Menschen aus anderen Ländern und Kulturen, für die Deutschland die zweite Heimat geworden ist. Wenn ich von der Demokratie ein besseres Leben erwarte, darf ich diese Staatsform nicht unterwandern. Wenn wir alle am Erhalt unserer Demokratie interessiert sind, müssen wir mutig daran arbeiten – mit Verstand und Vernunft, mit Leib und Seele!

Hannelore Hoffmann, Minden

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