Eine neue Maxime Mit Mehrheit von Linken, Grünen und SPD hat der Hauptausschuss der Stadt Minden empfohlen, sich der Resolution der Bürgerinitiative Bigtab für den Ausbau und die Modernisierung der vorhandenen Bahnstrecke zwischen Bielefeld und Hannover anzuschließen. Darauf nahm ein Leserbrief kritisch Bezug. Ein anderer Leser teilt dessen Meinung nicht. In seiner Replik auf den Beschluss des Hauptausschusses der Stadt Minden, sich der Bigtab-Resolution pro Ausbau der vorhandenen Bahntrasse anzuschließen, setzt sich Herr Gräf wortreich mit einem angeblich "diametralen Widerspruch" zwischen Resolution und Stadt-Beschluss auseinander, was meiner Meinung nach schon fast an Haarspalterei grenzt. Zugleich behauptet er fälschlicherweise, Bigtab, Parteien und Presse würden Belastungen für Mensch und Natur beim Altstrecken-Ausbau ignorieren. Die Ausbau-Befürworter haben immer betont, dass die Erweiterung der Altstrecke mit umfassenden Lärmschutzmaßnahmen für die Anwohner einhergehen muss. Bezüglich der Auswirkungen auf Mensch, Umwelt und Kosten möchte der Verfasser offenbar implizieren, dass der Neubau - egal in welcher Variante - vergleichbar mit dem Ausbau sei. Man muss kein Fachmann sein, um zu erkennen, dass eine 300-Stundenkilometer-Neubautrasse quer durch die ganze Region mit immensen Eingriffen in Landschaft, Natur und Siedlungsstruktur, den vielen erforderlichen Tunnel, Brücken und Betontrögen, in jeder Hinsicht erheblich belastender wäre. Am Schluss seiner Auslassungen steigert sich der kluge Dauer-Leserbriefschreiber gar zur Behauptung, die Neubaugegner sowie fast alle Bundes- und Landtagsabgeordneten, Landräte, Bürgermeister, Kreise, Städte, Gemeinden und Bürgerinitiativen zwischen Herford und Seelze hätten "den Paradigmenwechsel übersehen". Ich glaube vielmehr, die Herren Gräf, Scheuer, Ferlemann und Co haben den aktuellen Paradigmenwechsel noch nicht realisiert: Angesichts der Klimakrise gilt schon länger nicht mehr die Maxime, dass alles machbar, was technisch möglich ist, dass man Erde und Natur beliebig (selbst nach den Zielen eines Bahnfahrplans!) ohne Rücksicht auf Umwelt und Klima formen kann. Der Deutschlandtakt in seiner gegenwärtigen Form ist weder gottgemacht noch in Stein gemeißelt. Ich hoffe nur, der CSU-Erbhof Verkehrsministerium kommt nach der Bundestagswahl in verantwortungsvollere Hände! Ulrich Häger, Bückeburg
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Eine neue Maxime

Mit Mehrheit von Linken, Grünen und SPD hat der Hauptausschuss der Stadt Minden empfohlen, sich der Resolution der Bürgerinitiative Bigtab für den Ausbau und die Modernisierung der vorhandenen Bahnstrecke zwischen Bielefeld und Hannover anzuschließen. Darauf nahm ein Leserbrief kritisch Bezug. Ein anderer Leser teilt dessen Meinung nicht.

In seiner Replik auf den Beschluss des Hauptausschusses der Stadt Minden, sich der Bigtab-Resolution pro Ausbau der vorhandenen Bahntrasse anzuschließen, setzt sich Herr Gräf wortreich mit einem angeblich "diametralen Widerspruch" zwischen Resolution und Stadt-Beschluss auseinander, was meiner Meinung nach schon fast an Haarspalterei grenzt. Zugleich behauptet er fälschlicherweise, Bigtab, Parteien und Presse würden Belastungen für Mensch und Natur beim Altstrecken-Ausbau ignorieren. Die Ausbau-Befürworter haben immer betont, dass die Erweiterung der Altstrecke mit umfassenden Lärmschutzmaßnahmen für die Anwohner einhergehen muss. Bezüglich der Auswirkungen auf Mensch, Umwelt und Kosten möchte der Verfasser offenbar implizieren, dass der Neubau - egal in welcher Variante - vergleichbar mit dem Ausbau sei. Man muss kein Fachmann sein, um zu erkennen, dass eine 300-Stundenkilometer-Neubautrasse quer durch die ganze Region mit immensen Eingriffen in Landschaft, Natur und Siedlungsstruktur, den vielen erforderlichen Tunnel, Brücken und Betontrögen, in jeder Hinsicht erheblich belastender wäre.

Am Schluss seiner Auslassungen steigert sich der kluge Dauer-Leserbriefschreiber gar zur Behauptung, die Neubaugegner sowie fast alle Bundes- und Landtagsabgeordneten, Landräte, Bürgermeister, Kreise, Städte, Gemeinden und Bürgerinitiativen zwischen Herford und Seelze hätten "den Paradigmenwechsel übersehen". Ich glaube vielmehr, die Herren Gräf, Scheuer, Ferlemann und Co haben den aktuellen Paradigmenwechsel noch nicht realisiert: Angesichts der Klimakrise gilt schon länger nicht mehr die Maxime, dass alles machbar, was technisch möglich ist, dass man Erde und Natur beliebig (selbst nach den Zielen eines Bahnfahrplans!) ohne Rücksicht auf Umwelt und Klima formen kann.

Der Deutschlandtakt in seiner gegenwärtigen Form ist weder gottgemacht noch in Stein gemeißelt. Ich hoffe nur, der CSU-Erbhof Verkehrsministerium kommt nach der Bundestagswahl in verantwortungsvollere Hände!

Ulrich Häger, Bückeburg

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