Eine kleine Persiflage Wer seinen Impfausweis vorlegt, muss in der Regel auch seinen Personalausweis vorlegen, um seine oder ihre Identität zu bestätigen. Ich, männlich, lebe seit über 70 Jahren in diesem, unserem Land. Ich bin dreifach geimpft und bin über sehr viele Jahre einer sozialabgabepflichtigen Tätigkeit guten Mutes nachgegangen. Ich bin meiner 18-monatigen Wehrpflicht vollumfänglich nachgekommen. Ich habe bisher keinen Eintrag bei der Schufa und von einem Punkt in Flensburg weiß ich auch nichts. Meinen Antrag auf Lohnsteuerjahresausgleich (LStJA) gebe ich immer fristgemäß bei meinem Finanzamt ab. Allen Zahlungsverpflichtungen komme ich ohne schuldhaften Verzug nach. In Summe würde ich mich als redlichen Bürger bezeichnen. Wenn mich aber die Not zu dem Kauf einer geflügelten Schraube in den ortsnahen Baumarkt treibt, wenn mich die Lust nach einem mit viel zu viel Zucker versetzten und mit aromatisierten Zusatzstoffen versehenen (natürlich mit der entsprechenden EU-Kennzeichnung, aus dem nahen Holzminden stammend und dann noch durch Farbstoffe der einschlägigen Großindustrie ergänzt) geglühten Wein auf dem vorweihnachtlichen Markt in die Innenstadt treibt. Oder aber mich der Bedarf nach kultureller Erbauung in ein Kinematografen-Theater treibt, dann – aber nur dann – werde ich ohne mein persönliches Handeln zu einem Rechtsbrecher und somit hochkriminellen Schwerverbrecher mutiert. Aber nur dann. Wieso? Nur dort, in den oben genannten Bereichen, reichen weder mein alter noch mein neumodischer digitaler Impfausweis aus, um meinem Einlassbegehren nachzukommen. Nein, dann reicht auch meine digitale Gesundheitskarte nicht mehr. Dann muss der Personalausweis gezückt werden. „Der läuft aber demnächst ab.“ Jörn-Hermann Kißing, Minden
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Eine kleine Persiflage

Wer seinen Impfausweis vorlegt, muss in der Regel auch seinen Personalausweis vorlegen, um seine oder ihre Identität zu bestätigen.

Ich, männlich, lebe seit über 70 Jahren in diesem, unserem Land. Ich bin dreifach geimpft und bin über sehr viele Jahre einer sozialabgabepflichtigen Tätigkeit guten Mutes nachgegangen. Ich bin meiner 18-monatigen Wehrpflicht vollumfänglich nachgekommen. Ich habe bisher keinen Eintrag bei der Schufa und von einem Punkt in Flensburg weiß ich auch nichts. Meinen Antrag auf Lohnsteuerjahresausgleich (LStJA) gebe ich immer fristgemäß bei meinem Finanzamt ab. Allen Zahlungsverpflichtungen komme ich ohne schuldhaften Verzug nach. In Summe würde ich mich als redlichen Bürger bezeichnen.

Wenn mich aber die Not zu dem Kauf einer geflügelten Schraube in den ortsnahen Baumarkt treibt, wenn mich die Lust nach einem mit viel zu viel Zucker versetzten und mit aromatisierten Zusatzstoffen versehenen (natürlich mit der entsprechenden EU-Kennzeichnung, aus dem nahen Holzminden stammend und dann noch durch Farbstoffe der einschlägigen Großindustrie ergänzt) geglühten Wein auf dem vorweihnachtlichen Markt in die Innenstadt treibt. Oder aber mich der Bedarf nach kultureller Erbauung in ein Kinematografen-Theater treibt, dann – aber nur dann – werde ich ohne mein persönliches Handeln zu einem Rechtsbrecher und somit hochkriminellen Schwerverbrecher mutiert. Aber nur dann. Wieso? Nur dort, in den oben genannten Bereichen, reichen weder mein alter noch mein neumodischer digitaler Impfausweis aus, um meinem Einlassbegehren nachzukommen. Nein, dann reicht auch meine digitale Gesundheitskarte nicht mehr. Dann muss der Personalausweis gezückt werden. „Der läuft aber demnächst ab.“

Jörn-Hermann Kißing, Minden

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