Der falsche Weg Ein Leser ist gegen eine Corona-Impfpflicht, jedoch für regelmäßiges Testen. Ich bin vollständig geimpft und lasse mich auch boostern. Ich bin sehr für das Impfen, bin aber ein absoluter Gegner der geplanten Impfpflicht, egal ob für alle oder nur für bestimmte Berufsgruppen. Das ist eine schwere Verletzung der Grundrechte auf körperliche Unversehrtheit, Berufsfreiheit und freie Entfaltung der Persönlichkeit. Zwar ist der Eingriff in Grundrechte durchaus möglich. Eingriffe unterliegen allerdings hohen Anforderungen zur Zulässigkeit. Sie müssen geeignet, erforderlich und angemessen sein, um ein für die Gemeinschaft überragend wichtiges Gut zu schützen. Und genau das leistet eine Impfpflicht eben nicht! Vollständig geimpfte Pflegende in Krankenhäusern müssen sich aktuell nur zweimal wöchentlich einem Selbsttest (Schnelltest) unterziehen. Zwischen den Tests liegen also drei bis vier Tage, in denen sich der Pflegende sehr wohl mit Corona infizieren und dann andere, zum Beispiel vulnerable Patienten, anstecken kann. Ungeimpfte Mitarbeiter müssen sich dagegen täglich einem PCR-Test unterziehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dann eine Infektion unerkannt bleibt, ist also deutlich geringer.Die Impfpflicht für Pflegekräfte ist daher überhaupt nicht geeignet, um die Infizierungsquote der vulnerablen Patienten zu verringern. Das könnte nur durch eine tägliche Testpflicht für alle erreicht werden. Es bleibt das Risiko der schwereren Erkrankung von Nichtgeimpften und damit die Gefahr einer Überlastung der Intensivstationen. Dies gilt aber nicht für bestimmte Berufsgruppen, sondern für Menschen mit entsprechenden Vorerkrankungen. Wenn überhaupt, wäre daher eine verpflichtende Impfung für diese Gruppen in Erwägung zu ziehen.Zur Vermeidung/Verringerung von Übertragungen des Virus sind andere Maßnahmen wesentlich wirksamer: Engmaschige Tests und das konsequente Einhalten der AHA-Regeln, insbesondere das richtige Tragen von FFP2-Masken in allen Innenräumen so bald mindestens zwei Personen anwesend sind. Eine neue Studie des Max-Planck-Instituts der Universität Göttingen hat gezeigt, dass gut sitzende FFP2-Masken das Infektionsrisiko mindestens in den Promillebereich senken. Norbert Benecke, Minden

Der falsche Weg

Ein Leser ist gegen eine Corona-Impfpflicht, jedoch für regelmäßiges Testen.

Ich bin vollständig geimpft und lasse mich auch boostern. Ich bin sehr für das Impfen, bin aber ein absoluter Gegner der geplanten Impfpflicht, egal ob für alle oder nur für bestimmte Berufsgruppen. Das ist eine schwere Verletzung der Grundrechte auf körperliche Unversehrtheit, Berufsfreiheit und freie Entfaltung der Persönlichkeit.

Zwar ist der Eingriff in Grundrechte durchaus möglich. Eingriffe unterliegen allerdings hohen Anforderungen zur Zulässigkeit. Sie müssen geeignet, erforderlich und angemessen sein, um ein für die Gemeinschaft überragend wichtiges Gut zu schützen. Und genau das leistet eine Impfpflicht eben nicht! Vollständig geimpfte Pflegende in Krankenhäusern müssen sich aktuell nur zweimal wöchentlich einem Selbsttest (Schnelltest) unterziehen. Zwischen den Tests liegen also drei bis vier Tage, in denen sich der Pflegende sehr wohl mit Corona infizieren und dann andere, zum Beispiel vulnerable Patienten, anstecken kann. Ungeimpfte Mitarbeiter müssen sich dagegen täglich einem PCR-Test unterziehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dann eine Infektion unerkannt bleibt, ist also deutlich geringer.

Die Impfpflicht für Pflegekräfte ist daher überhaupt nicht geeignet, um die Infizierungsquote der vulnerablen Patienten zu verringern. Das könnte nur durch eine tägliche Testpflicht für alle erreicht werden. Es bleibt das Risiko der schwereren Erkrankung von Nichtgeimpften und damit die Gefahr einer Überlastung der Intensivstationen. Dies gilt aber nicht für bestimmte Berufsgruppen, sondern für Menschen mit entsprechenden Vorerkrankungen. Wenn überhaupt, wäre daher eine verpflichtende Impfung für diese Gruppen in Erwägung zu ziehen.

Zur Vermeidung/Verringerung von Übertragungen des Virus sind andere Maßnahmen wesentlich wirksamer: Engmaschige Tests und das konsequente Einhalten der AHA-Regeln, insbesondere das richtige Tragen von FFP2-Masken in allen Innenräumen so bald mindestens zwei Personen anwesend sind. Eine neue Studie des Max-Planck-Instituts der Universität Göttingen hat gezeigt, dass gut sitzende FFP2-Masken das Infektionsrisiko mindestens in den Promillebereich senken.

Norbert Benecke, Minden

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