Debatte hält an Am 4. Dezember erschien im MT der Artikel „Ein neuer Historikerstreit“, in dem zu lesen war, dass die Debatte um die Rolle der Hohenzollern in der NS-Zeit weitergehe. Es werde derweil von einigen Forschern fleißig Geschichtspolitik im Sinne des Ex-Herrscherhauses betrieben. Historikerstreit hin oder her. Mit Bezug auf das Jubiläum der Evangelischen Kirche Kleinenbremen bleibt das Narrativ vom Widerstandskämpfer und Selbstmörder Kurt von Plettenberg in seinen wesentlichen Behauptungen Legende, weil es nicht mit nachprüfbaren Fakten belegt ist. Abweichend davon beschreibt Malinowski die Kollaboration der von Plettenberg geführten Verwaltungen in Potsdam und Bückeburg mit der SS und den Spitzen des Regimes, mit Blick auf das Bemühen um Landerwerb in den Beutegebieten im Osten und den Kauf arisierter Immobilien im Westen. Dass Plettenberg Selbstmord begangen haben soll, wird von Dr. Malinowski nicht bestätigt. Malinowski beschränkt sich darauf festzustellen, dass Kurt von Plettenberg im Berliner Hausgefängnis der Gestapo und SS ums Leben kam, aus welchem Grund er inhaftiert war und ob durch Mord oder natürlichen Tod, lässt er offen. Welche Rolle und welchen Einfluss Kurt von Plettenberg, neben Müldner, Berg, von Sell und anderen im Beraterkreis des Kronprinzen einnahm und ausübte, ist weder dokumentiert noch auf andere Art und Weise belegt oder zu rekonstruieren. Darüber, dass er angeblich die Kollaboration mit den Nazis ablehnte, ist nichts bekannt, auch von keinem der im MT-Bericht genannten anderen Autoren. Schlabrendorff, auf den sich das Selbstmord-Narrativ im Wesentlichen beruft, war nach 1945 als Berater der Hohenzollern tätig, ist bezogen auf Kurt von Plettenberg also Partei und hat sich insbesondere dafür eingesetzt, dass die Plettenberg-Hinterbliebenen nach dem BEG (NS-Opferentschädigung) alimentiert und die am Putsch beteiligten konservativen militärischen Kreise als Treiber und Träger des Attentatsversuchs hervorgehoben wurden, obwohl sie das Verbrechen Russlandfeldzug als integrative Akteure des NS-Regimes geplant und durchgeführt haben. Ganz nebenbei verweise ich auf das vom britischen Historiker Michael Balfour 1964 entdeckte Abkommen zwischen den Hohenzollern und Hermann Göring. Materielle Vorteile im Austausch gegen den Verzicht auf Kritik. Hans Ulrich Gräf, Minden
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Debatte hält an

Am 4. Dezember erschien im MT der Artikel „Ein neuer Historikerstreit“, in dem zu lesen war, dass die Debatte um die Rolle der Hohenzollern in der NS-Zeit weitergehe. Es werde derweil von einigen Forschern fleißig Geschichtspolitik im Sinne des Ex-Herrscherhauses betrieben.

Historikerstreit hin oder her. Mit Bezug auf das Jubiläum der Evangelischen Kirche Kleinenbremen bleibt das Narrativ vom Widerstandskämpfer und Selbstmörder Kurt von Plettenberg in seinen wesentlichen Behauptungen Legende, weil es nicht mit nachprüfbaren Fakten belegt ist. Abweichend davon beschreibt Malinowski die Kollaboration der von Plettenberg geführten Verwaltungen in Potsdam und Bückeburg mit der SS und den Spitzen des Regimes, mit Blick auf das Bemühen um Landerwerb in den Beutegebieten im Osten und den Kauf arisierter Immobilien im Westen.

Dass Plettenberg Selbstmord begangen haben soll, wird von Dr. Malinowski nicht bestätigt. Malinowski beschränkt sich darauf festzustellen, dass Kurt von Plettenberg im Berliner Hausgefängnis der Gestapo und SS ums Leben kam, aus welchem Grund er inhaftiert war und ob durch Mord oder natürlichen Tod, lässt er offen. Welche Rolle und welchen Einfluss Kurt von Plettenberg, neben Müldner, Berg, von Sell und anderen im Beraterkreis des Kronprinzen einnahm und ausübte, ist weder dokumentiert noch auf andere Art und Weise belegt oder zu rekonstruieren. Darüber, dass er angeblich die Kollaboration mit den Nazis ablehnte, ist nichts bekannt, auch von keinem der im MT-Bericht genannten anderen Autoren.

Schlabrendorff, auf den sich das Selbstmord-Narrativ im Wesentlichen beruft, war nach 1945 als Berater der Hohenzollern tätig, ist bezogen auf Kurt von Plettenberg also Partei und hat sich insbesondere dafür eingesetzt, dass die Plettenberg-Hinterbliebenen nach dem BEG (NS-Opferentschädigung) alimentiert und die am Putsch beteiligten konservativen militärischen Kreise als Treiber und Träger des Attentatsversuchs hervorgehoben wurden, obwohl sie das Verbrechen Russlandfeldzug als integrative Akteure des NS-Regimes geplant und durchgeführt haben.

Ganz nebenbei verweise ich auf das vom britischen Historiker Michael Balfour 1964 entdeckte Abkommen zwischen den Hohenzollern und Hermann Göring. Materielle Vorteile im Austausch gegen den Verzicht auf Kritik.

Hans Ulrich Gräf, Minden

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