Aus einer vergangenen Zeit Zum 50. Mal findet die ADAC-Autorallye Stemweder Berg statt. Das stieß bei Anwohnern zum Teil auf Proteste. „Das Klima wandelt sich, das Umweltbewusstsein steigt. Ist Motorsport noch zeitgemäß?“ Diese rhetorische Frage steht am Anfang des Artikels über die 50. Rallye Stemweder Berg. Die Antwort wird gleich mitgegeben: „Die Begeisterung ist noch da. Aber die Zeiten ändern sich, und auch der Motorsport wandelt sich.“ Es scheint ein Bericht aus einer vergangenen Epoche zu sein, als die „Generation Opel Manta“ noch echte Machos hervorbrachte. Soziologische Studien (Shell Jugendstudie, Sinus Milieustudie) zeigen auf, dass die junge Generation Machoverhalten ablehnt und sich eher Gedanken über die Umwelt macht. Dennoch gibt es Milieus, in denen Machos wertbestimmend sind. Offensichtlich beabsichtigt der ADAC diese Gruppe für sich zu gewinnen, denn dem Automobilclub gehören etwas mehr über 70-Jährige als unter 30-Jährige an. Nach den vielen Skandalen des ADAC versucht der Club, sein Image aufzupolieren. Ob aber eine umweltverachtende Machoveranstaltung bei der jungen Generation zu einem besseren Image beiträgt, ist fraglich. Schon der Begriff „Motorsport“ ist eine Zumutung. Kein Motor betreibt Sport, auch die Fahrer bewegen ihren Körper nur minimal. Wenn „Motorsport“ tatsächlich Sport wäre, dann ist Rasen Breitensport. Hier wird der positiv belegte Begriff Sport für eine Marketingstrategie missbraucht. Umweltschutz und Rallye stehen sich diametral gegenüber. Auf einem Youtube-Video von 2019 ist zu sehen, wie rücksichtslos und naturverachtend die Teilnehmer durch die Natur rasen. Öffentliche Straßen und Wege wurden gesperrt, Verkehrsregeln außer Kraft gesetzt, damit die Fahrer ihrem Hobby nachgehen können. Das Milieu, das diese Veranstaltungen begeistert, findet sich auch in den Innenstädten wieder. Dort werden nachts eigene Rallyes veranstaltet, bei denen auch Unbeteiligte zu Tode kommen. Es ist zu hoffen, dass die 50. Rallye die letzte am Stemweder Berg war. Die Region sollte derartige Veranstaltungen im öffentlichen Raum verbieten, damit wir nicht das Image der Ewiggestrigen bekommen. Alfons Bomholt, Minden

Aus einer vergangenen Zeit

Zum 50. Mal findet die ADAC-Autorallye Stemweder Berg statt. Das stieß bei Anwohnern zum Teil auf Proteste.

„Das Klima wandelt sich, das Umweltbewusstsein steigt. Ist Motorsport noch zeitgemäß?“ Diese rhetorische Frage steht am Anfang des Artikels über die 50. Rallye Stemweder Berg. Die Antwort wird gleich mitgegeben: „Die Begeisterung ist noch da. Aber die Zeiten ändern sich, und auch der Motorsport wandelt sich.“

Es scheint ein Bericht aus einer vergangenen Epoche zu sein, als die „Generation Opel Manta“ noch echte Machos hervorbrachte. Soziologische Studien (Shell Jugendstudie, Sinus Milieustudie) zeigen auf, dass die junge Generation Machoverhalten ablehnt und sich eher Gedanken über die Umwelt macht. Dennoch gibt es Milieus, in denen Machos wertbestimmend sind. Offensichtlich beabsichtigt der ADAC diese Gruppe für sich zu gewinnen, denn dem Automobilclub gehören etwas mehr über 70-Jährige als unter 30-Jährige an. Nach den vielen Skandalen des ADAC versucht der Club, sein Image aufzupolieren. Ob aber eine umweltverachtende Machoveranstaltung bei der jungen Generation zu einem besseren Image beiträgt, ist fraglich.

Schon der Begriff „Motorsport“ ist eine Zumutung. Kein Motor betreibt Sport, auch die Fahrer bewegen ihren Körper nur minimal. Wenn „Motorsport“ tatsächlich Sport wäre, dann ist Rasen Breitensport. Hier wird der positiv belegte Begriff Sport für eine Marketingstrategie missbraucht.

Umweltschutz und Rallye stehen sich diametral gegenüber. Auf einem Youtube-Video von 2019 ist zu sehen, wie rücksichtslos und naturverachtend die Teilnehmer durch die Natur rasen. Öffentliche Straßen und Wege wurden gesperrt, Verkehrsregeln außer Kraft gesetzt, damit die Fahrer ihrem Hobby nachgehen können. Das Milieu, das diese Veranstaltungen begeistert, findet sich auch in den Innenstädten wieder. Dort werden nachts eigene Rallyes veranstaltet, bei denen auch Unbeteiligte zu Tode kommen.

Es ist zu hoffen, dass die 50. Rallye die letzte am Stemweder Berg war. Die Region sollte derartige Veranstaltungen im öffentlichen Raum verbieten, damit wir nicht das Image der Ewiggestrigen bekommen.

Alfons Bomholt, Minden

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