Andere Finanzierung notwendig Die Pläne für einen Umbau der Krankenhausstrukturen im Kreis Minden-Lübbecke stoßen auf Kritik. Ein Leser sieht grundsätzliche Defizite im Gesundheitswesen. Der Lübbecker Stadtrat verlangt eine vollwertige medizinische Versorgung an diesem Standort. Diese richtige Forderung dürfte mit dem neuen Medizinkonzept kaum zu vereinbaren sein. Denn es folgt dem Krankenhausplan NRW. Der sieht die Schließung vieler Klinken, den allgemeinen Bettenabbau, die Konzentration medizinischer Leistungen und eine Schwerpunktsetzung auf lukrative medizinische Behandlungen vor. Eine Mindestanzahl bestimmter Leistungen wird künftig die Voraussetzung für ihre Finanzierung sein. Die Beraterfirma Lohfert & Lohfert hat an dem Krankenhausplan NRW mitgewirkt und setzt ihn in ihren Vorschlägen für die Mühlenkreiskliniken um. Die Konzentration und damit die Spezialisierung der medizinischen Leistungen war der Stolperstein des Konzepts aus dem Jahr 2018. Dieses Thema verschwindet aber aktuell hinter der Frage der Neubauten in Bad Oeynhausen und dem Lübbecker Land. Was Profil der einzelnen Häuser genannt wird, bedeutet ihre Spezialisierung und damit das Ende ortsnaher Versorgung für viele Krankheitsbilder. Die Konzentration wird mit dem Mangel an Fachkräften begründet. Alternativen bestünden darin, die Entlohnung und die Arbeitsbedingungen zu verbessern, z. B. verlässliche und familienfreundliche Arbeitszeiten zu garantieren und Untergrenzen für eine bedarfsgerechte Personalausstattung einzuführen. Was in diesem neuen Konzept völlig fehlt, sind die Lehren aus der Corona-Pandemie. Eine zentrale Lehre lautet: Für Zeiten besonderer Herausforderungen müssen Kapazitäten vorhanden sein, auch und gerade an geschultem Personal! Diese Pandemie ist nicht die letzte ihrer Art. Schreiten Naturzerstörung und Klimawandel weiter voran, werden wir häufiger davon heimgesucht werden. Wir brauchen ein gut ausgestattetes Gesundheitswesen, ortsnah, mit guten Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten. Die Krankenhäuser müssen aus dem Würgegriff des Wettbewerbs befreit werden. Die Versorgung muss an dem medizinischen Bedarf der Bevölkerung in der Region ausgerichtet werden und nicht an wirtschaftlichen Interessen. Dazu bedarf es einer anderen Finanzierung. Die Fallpauschalen müssen durch eine bedarfsdeckende Finanzierung ersetzt werden. Reiner Liebau, Minden

Andere Finanzierung notwendig

Die Pläne für einen Umbau der Krankenhausstrukturen im Kreis Minden-Lübbecke stoßen auf Kritik. Ein Leser sieht grundsätzliche Defizite im Gesundheitswesen.

Der Lübbecker Stadtrat verlangt eine vollwertige medizinische Versorgung an diesem Standort. Diese richtige Forderung dürfte mit dem neuen Medizinkonzept kaum zu vereinbaren sein. Denn es folgt dem Krankenhausplan NRW. Der sieht die Schließung vieler Klinken, den allgemeinen Bettenabbau, die Konzentration medizinischer Leistungen und eine Schwerpunktsetzung auf lukrative medizinische Behandlungen vor. Eine Mindestanzahl bestimmter Leistungen wird künftig die Voraussetzung für ihre Finanzierung sein. Die Beraterfirma Lohfert & Lohfert hat an dem Krankenhausplan NRW mitgewirkt und setzt ihn in ihren Vorschlägen für die Mühlenkreiskliniken um.

Die Konzentration und damit die Spezialisierung der medizinischen Leistungen war der Stolperstein des Konzepts aus dem Jahr 2018. Dieses Thema verschwindet aber aktuell hinter der Frage der Neubauten in Bad Oeynhausen und dem Lübbecker Land. Was Profil der einzelnen Häuser genannt wird, bedeutet ihre Spezialisierung und damit das Ende ortsnaher Versorgung für viele Krankheitsbilder. Die Konzentration wird mit dem Mangel an Fachkräften begründet. Alternativen bestünden darin, die Entlohnung und die Arbeitsbedingungen zu verbessern, z. B. verlässliche und familienfreundliche Arbeitszeiten zu garantieren und Untergrenzen für eine bedarfsgerechte Personalausstattung einzuführen.

Was in diesem neuen Konzept völlig fehlt, sind die Lehren aus der Corona-Pandemie. Eine zentrale Lehre lautet: Für Zeiten besonderer Herausforderungen müssen Kapazitäten vorhanden sein, auch und gerade an geschultem Personal! Diese Pandemie ist nicht die letzte ihrer Art. Schreiten Naturzerstörung und Klimawandel weiter voran, werden wir häufiger davon heimgesucht werden. Wir brauchen ein gut ausgestattetes Gesundheitswesen, ortsnah, mit guten Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten. Die Krankenhäuser müssen aus dem Würgegriff des Wettbewerbs befreit werden. Die Versorgung muss an dem medizinischen Bedarf der Bevölkerung in der Region ausgerichtet werden und nicht an wirtschaftlichen Interessen. Dazu bedarf es einer anderen Finanzierung. Die Fallpauschalen müssen durch eine bedarfsdeckende Finanzierung ersetzt werden.

Reiner Liebau, Minden

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