Afghanistan im Stich gelassen Der internationale Einsatz am Hindukusch endet nach 20 Jahren desaströs. Der Westen zieht ab und überlässt das Feld den Taliban. Verloren, verraten, verdrängt! Drei Worte als Menetekel einer humanitären Apokalypse: Wie gleichen sich Abläufe und Bilder: Wir schreiben das Jahr 1973: Nach acht Jahren zieht sich die schwer gedemütigte Weltmacht USA aus einem schon längst verlorenen, unpopulären asymmetrischen Krieg zurück. Am Mekong soll die sogenannte Freiheit des Westens gegen den Kommunismus verteidigt werden. Nach dem Rückzug der amerikanischen Bodentruppen wird der Krieg vietnamisiert, das heißt, auf ein zutiefst korruptes, bei der Bevölkerung unbeliebtes Regime übertragen, dessen Truppen völlig demoralisiert kaum Kampfeswillen haben. Im April 1975 ist auch dieses Kapitel eines Drehbuchs, das wie eine Blaupause für die Vorgänge in Afghanistan wirkt, zu Ende. Auf dem Dach der schwer bewachten US-Botschaft in Saigon drängen sich verzweifelte vietnamesische Menschen um einen Platz im letzten Helikopter in die Freiheit. Die Bilder des Kabuler Flughafens der letzten Wochen: Im Stich gelassene, verratene, um ihr Leben fürchtende Verbündete des Westens, deren und unsere Freiheit erst gegen Al-Kaida, dann gegen die Taliban am Hindukusch verteidigt werden sollte. Der schon von Trump geplante und von Biden praktizierte Rückzug der US-Truppen mit genauem Zeitplan hätte zu einer schnellen, überlegten und planmäßigen Evakuierung von Deutschen und afghanischen Hilfskräften schon im Juli, wie unter anderem von Campact und den Grünen vergeblich gefordert wurde, führen müssen! Man hat, wieder einmal, geschichtliche Abläufe ignoriert und sich deshalb verspekuliert! Die Bundesregierung steht nun vor dem Scherbenhaufen einer selbst verschuldeten menschenverachtenden Politik, zu der sie sich nur unzureichend bekennt! Sie bemüht sich allerdings nach Kräften, es ist Wahlkampf…! Der deutsche Steuerzahler darf sich über die Gelder an die Taliban für den Freikauf der Geiseln freuen. Der Beitrag übrigens der EU: Sicherung der Grenzen gegen afghanische Flüchtlinge! Ich schäme mich. Thomas Hartmann, Porta Westfalica

Afghanistan im Stich gelassen

Der internationale Einsatz am Hindukusch endet nach 20 Jahren desaströs. Der Westen zieht ab und überlässt das Feld den Taliban.

Verloren, verraten, verdrängt! Drei Worte als Menetekel einer humanitären Apokalypse: Wie gleichen sich Abläufe und Bilder: Wir schreiben das Jahr 1973: Nach acht Jahren zieht sich die schwer gedemütigte Weltmacht USA aus einem schon längst verlorenen, unpopulären asymmetrischen Krieg zurück. Am Mekong soll die sogenannte Freiheit des Westens gegen den Kommunismus verteidigt werden. Nach dem Rückzug der amerikanischen Bodentruppen wird der Krieg vietnamisiert, das heißt, auf ein zutiefst korruptes, bei der Bevölkerung unbeliebtes Regime übertragen, dessen Truppen völlig demoralisiert kaum Kampfeswillen haben. Im April 1975 ist auch dieses Kapitel eines Drehbuchs, das wie eine Blaupause für die Vorgänge in Afghanistan wirkt, zu Ende. Auf dem Dach der schwer bewachten US-Botschaft in Saigon drängen sich verzweifelte vietnamesische Menschen um einen Platz im letzten Helikopter in die Freiheit.

Die Bilder des Kabuler Flughafens der letzten Wochen: Im Stich gelassene, verratene, um ihr Leben fürchtende Verbündete des Westens, deren und unsere Freiheit erst gegen Al-Kaida, dann gegen die Taliban am Hindukusch verteidigt werden sollte. Der schon von Trump geplante und von Biden praktizierte Rückzug der US-Truppen mit genauem Zeitplan hätte zu einer schnellen, überlegten und planmäßigen Evakuierung von Deutschen und afghanischen Hilfskräften schon im Juli, wie unter anderem von Campact und den Grünen vergeblich gefordert wurde, führen müssen! Man hat, wieder einmal, geschichtliche Abläufe ignoriert und sich deshalb verspekuliert!

Die Bundesregierung steht nun vor dem Scherbenhaufen einer selbst verschuldeten menschenverachtenden Politik, zu der sie sich nur unzureichend bekennt! Sie bemüht sich allerdings nach Kräften, es ist Wahlkampf…! Der deutsche Steuerzahler darf sich über die Gelder an die Taliban für den Freikauf der Geiseln freuen. Der Beitrag übrigens der EU: Sicherung der Grenzen gegen afghanische Flüchtlinge! Ich schäme mich.

Thomas Hartmann, Porta Westfalica

Copyright © Mindener Tageblatt 2022
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Mehr zum Thema