Ärgerliche Äußerungen

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Das MT befragte zwei Grundschulrektorinnen zur Wiedereröffnung der Schulen.

In dem Interview haben mich einige Äußerungen geärgert. Deshalb möchte ich die Dinge aus meiner Sicht schildern. Frau Jansen erwähnte, dass die Kommunikation mit den Eltern ihrer Schule in Zeiten von Corona nicht einfach sei und dass sie sich vorstellte, dass die Situation „zum Beispiel an der Eine-Welt-Schule oder an der Mosaikschule ... ein Desaster“ sei. Sie meinte, dass man die Eltern da nicht über E-Mail erreichen würde und „selbst wenn man sie erreichen würde, würden sie die Sprache nicht verstehen“. Ich glaube, man redet besser nur von Dingen, die man selber kennt oder erlebt hat.

Damit nicht der Eindruck entsteht es sei wirklich ein Desaster, möchte ich die Situation an der Eine-Welt-Schule schildern. Meine beiden Kinder sind dort in der ersten und vierten Klasse. Zuerst zu den Sprachkenntnissen: Natürlich gibt es in unserer Schule Eltern, die nicht so gut deutsch sprechen. Aber da kann man sich helfen. Ein Vater einer Mitschülerin meiner Kinder fragte mich, was ein Satz auf einem Infoblatt bedeutet. Den Rest hatte er sehr wohl verstanden. Den Satz habe ich dann übersetzt. Das ist doch weder ein Problem noch ein „Desaster“. Mit diesem Vater habe ich übrigens oft Kontakt per E-Mail. Die Informationsübermittlung der Eine-Welt-Schule lief über die gute alte Post. Es war für die ganze Familie immer wieder eine Freude, wenn ein Brief der Eine-Welt-Schule kam. Hierin fanden sich Schulaufgaben, ein Wochenplan und auch immer ein Brief des jeweiligen Lehrers an das Kind. Das war sicherlich viel Arbeit, aber die war und ist es wert, weil die Kinder durch die direkte Ansprache viel motivierter sind, als durch eine über die Eltern vermittelte E-Mail und einen Haufen ausgedruckter Aufgaben.

Teil des Wochenplans waren auch immer Aufgaben aus den Schulbüchern der Kinder. Es wurden somit keine Kinder „abgehängt“, „bei denen die Eltern überhaupt nicht digitalisiert sind“, wie von Frau Möhring befürchtet. Stattdessen haben alle Kinder und Eltern von einem sehr guten Einsatz der Schule profitiert. Als sich die Informationen des Ministeriums einmal kurzfristig änderte, bekamen wir sicherheitshalber noch zusätzlich einen Anruf.

Nach der Bearbeitung wurden die Aufgaben wieder in der Schule abgegeben und korrigiert, wodurch unsere Kinder animiert wurden wenigstens einmal in der Woche ihren sonst üblichen Schulweg zu gehen. Das nenne ich individuelle und passgenaue Förderung in einer ungewöhnlichen Situation, für die ich den Lehrerinnen und Lehrern der Eine-Welt-Schule herzlich danken möchte.

Peter Kröger, Minden

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Ärgerliche ÄußerungenDas MT befragte zwei Grundschulrektorinnen zur Wiedereröffnung der Schulen. In dem Interview haben mich einige Äußerungen geärgert. Deshalb möchte ich die Dinge aus meiner Sicht schildern. Frau Jansen erwähnte, dass die Kommunikation mit den Eltern ihrer Schule in Zeiten von Corona nicht einfach sei und dass sie sich vorstellte, dass die Situation „zum Beispiel an der Eine-Welt-Schule oder an der Mosaikschule ... ein Desaster“ sei. Sie meinte, dass man die Eltern da nicht über E-Mail erreichen würde und „selbst wenn man sie erreichen würde, würden sie die Sprache nicht verstehen“. Ich glaube, man redet besser nur von Dingen, die man selber kennt oder erlebt hat. Damit nicht der Eindruck entsteht es sei wirklich ein Desaster, möchte ich die Situation an der Eine-Welt-Schule schildern. Meine beiden Kinder sind dort in der ersten und vierten Klasse. Zuerst zu den Sprachkenntnissen: Natürlich gibt es in unserer Schule Eltern, die nicht so gut deutsch sprechen. Aber da kann man sich helfen. Ein Vater einer Mitschülerin meiner Kinder fragte mich, was ein Satz auf einem Infoblatt bedeutet. Den Rest hatte er sehr wohl verstanden. Den Satz habe ich dann übersetzt. Das ist doch weder ein Problem noch ein „Desaster“. Mit diesem Vater habe ich übrigens oft Kontakt per E-Mail. Die Informationsübermittlung der Eine-Welt-Schule lief über die gute alte Post. Es war für die ganze Familie immer wieder eine Freude, wenn ein Brief der Eine-Welt-Schule kam. Hierin fanden sich Schulaufgaben, ein Wochenplan und auch immer ein Brief des jeweiligen Lehrers an das Kind. Das war sicherlich viel Arbeit, aber die war und ist es wert, weil die Kinder durch die direkte Ansprache viel motivierter sind, als durch eine über die Eltern vermittelte E-Mail und einen Haufen ausgedruckter Aufgaben. Teil des Wochenplans waren auch immer Aufgaben aus den Schulbüchern der Kinder. Es wurden somit keine Kinder „abgehängt“, „bei denen die Eltern überhaupt nicht digitalisiert sind“, wie von Frau Möhring befürchtet. Stattdessen haben alle Kinder und Eltern von einem sehr guten Einsatz der Schule profitiert. Als sich die Informationen des Ministeriums einmal kurzfristig änderte, bekamen wir sicherheitshalber noch zusätzlich einen Anruf. Nach der Bearbeitung wurden die Aufgaben wieder in der Schule abgegeben und korrigiert, wodurch unsere Kinder animiert wurden wenigstens einmal in der Woche ihren sonst üblichen Schulweg zu gehen. Das nenne ich individuelle und passgenaue Förderung in einer ungewöhnlichen Situation, für die ich den Lehrerinnen und Lehrern der Eine-Welt-Schule herzlich danken möchte. Peter Kröger, Minden