Vereinfachte Denkweise

veröffentlicht

In der Corona-Krise sind die jüngeren zu solidarischem Verhalten der älteren Bevölkerung gegenüber aufgefordert. Eine Leserbriefschreiberin erinnerte im Umkehrschluss an die Solidarität der Älteren in Sachen Klimawandel.

Natürlich ist es verständlich, dass jede Generation nach einem friedlichen und gesicherten Leben strebt. Auch die Älteren unter uns hegten diesen Wunsch, doch ihnen war es nicht vergönnt im Wohlstand aufzuwachsen, weil deren Eltern nach Kriegsende hart arbeiten mussten, um Deutschland zu dem zu machen, was es heute ist, nämlich ein lebenswertes und von vielen Menschen außerhalb unserer Grenzen begehrtes Wohlstandsland. Wir heutigen Alten werden nun zum Sündenbock gestempelt, unseren Planeten (fast) zerstört zu haben, hey wie ist es denn mit euch noch jungen Menschen? Habt ihr nicht auch bisher kräftig profitiert seit Geburt an?

Macht ihr jetzt keinen Füherschein mehr? Und möchtet niemals ein eigenes Auto? Fliegt ihr nicht mehr unbesorgt rund um den Globus in ferne, exotische Länder beziehungsweise macht keine Urlaube mehr in Europa? Noch nie studierten so viele junge Menschen, soll heißen, bis ihr ins Arbeitsleben einsteigt, seid ihr schon ziemlich erwachsen. Nicht so wie viele der heutigen Alten, welche schon mit 14 Jahren einen Lehrvertrag in der Tasche hatten. Dieser CO2-Problematik muss unbedingt weltweit entgegengewirkt werden, denn was nützt es, wenn in Brasilien weiterhin kräftig abgeholzt wird, Kohlekraftwerke auch in Europa noch in Betrieb sind, und von den USA wollen wir erst gar nicht sprechen, von China ist ebenso nicht viel diesbezüglich zu erwarten. Genauso ist eine Massentierhaltung nicht nur aus ethischer Sicht, sondern auch aus Umweltgründen abzulehnen. Und weil sich eben weltweit nicht genügend tut bezüglich der Eindämmung schädigender Faktoren für's Klima, wird sich wiedermal aus lauter Frust (weil's halt so einfach ist) ein Bauernopfer gesucht, nun sind halt alle "Alten" Schuld an diesem Übel. Doch solch eine vereinfachte Denkweise trägt gewiss nicht dazu bei, friedlich und mit Augenmaß den massiven Herausforderungen entgegenzuwirken.

Galen Scheidler, Graal-Müritz

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

Vereinfachte DenkweiseIn der Corona-Krise sind die jüngeren zu solidarischem Verhalten der älteren Bevölkerung gegenüber aufgefordert. Eine Leserbriefschreiberin erinnerte im Umkehrschluss an die Solidarität der Älteren in Sachen Klimawandel. Natürlich ist es verständlich, dass jede Generation nach einem friedlichen und gesicherten Leben strebt. Auch die Älteren unter uns hegten diesen Wunsch, doch ihnen war es nicht vergönnt im Wohlstand aufzuwachsen, weil deren Eltern nach Kriegsende hart arbeiten mussten, um Deutschland zu dem zu machen, was es heute ist, nämlich ein lebenswertes und von vielen Menschen außerhalb unserer Grenzen begehrtes Wohlstandsland. Wir heutigen Alten werden nun zum Sündenbock gestempelt, unseren Planeten (fast) zerstört zu haben, hey wie ist es denn mit euch noch jungen Menschen? Habt ihr nicht auch bisher kräftig profitiert seit Geburt an? Macht ihr jetzt keinen Füherschein mehr? Und möchtet niemals ein eigenes Auto? Fliegt ihr nicht mehr unbesorgt rund um den Globus in ferne, exotische Länder beziehungsweise macht keine Urlaube mehr in Europa? Noch nie studierten so viele junge Menschen, soll heißen, bis ihr ins Arbeitsleben einsteigt, seid ihr schon ziemlich erwachsen. Nicht so wie viele der heutigen Alten, welche schon mit 14 Jahren einen Lehrvertrag in der Tasche hatten. Dieser CO2-Problematik muss unbedingt weltweit entgegengewirkt werden, denn was nützt es, wenn in Brasilien weiterhin kräftig abgeholzt wird, Kohlekraftwerke auch in Europa noch in Betrieb sind, und von den USA wollen wir erst gar nicht sprechen, von China ist ebenso nicht viel diesbezüglich zu erwarten. Genauso ist eine Massentierhaltung nicht nur aus ethischer Sicht, sondern auch aus Umweltgründen abzulehnen. Und weil sich eben weltweit nicht genügend tut bezüglich der Eindämmung schädigender Faktoren für's Klima, wird sich wiedermal aus lauter Frust (weil's halt so einfach ist) ein Bauernopfer gesucht, nun sind halt alle "Alten" Schuld an diesem Übel. Doch solch eine vereinfachte Denkweise trägt gewiss nicht dazu bei, friedlich und mit Augenmaß den massiven Herausforderungen entgegenzuwirken. Galen Scheidler, Graal-Müritz